Mit der Krise der Industrie verschärft sich der Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland. Nur der öffentliche Sektor baut weiterhin in großem Umfang Stellen auf. Nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts gingen im ersten Quartal dieses Jahres noch insgesamt 45,6 Millionen Menschen einer Erwerbstätigkeit als Arbeitnehmer, Selbständige oder Beamte nach. Das waren 157.000 weniger als ein Jahr zuvor.Verglichen mit dem Schlussquartal 2025 sank die Zahl sogar um fast eine halbe Million. Das hat zwar auch jahreszeitliche Gründe, aber nicht nur: Bereinigt um Saisoneinflüsse verringerte sich die Erwerbstätigkeit in den drei Monaten um 61.000 Personen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im Herbst 2024 hatte sie noch einen Höchststand von 46,2 Millionen erreicht.200.000 Menschen weniger im produzierenden GewerbeTreiber der Entwicklung ist ein starker Abbau in der Privatwirtschaft, vor allem in der Industrie. Im produzierenden Gewerbe arbeiteten zuletzt noch 10,3 Millionen Menschen. Das waren knapp 200.000 oder 1,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Noch stärker, und zwar um 2,5 Prozent, war der Rückgang im verarbeitenden Gewerbe. Dies sind die Industriebereiche, die früher Wachstumstreiber waren, darunter Fahrzeug- und Maschinenbau sowie Chemie.Demgegenüber setzte sich das Wachstum des öffentlichen Sektors fort. Dieser erfasst neben dem öffentlichen Dienst auch die vorwiegend aus Steuern und Sozialbeiträgen finanzierten Bereiche des Gesundheits-, Sozial- und Erziehungswesens. Dort waren zuletzt 12,5 Millionen Menschen tätig, 181.000 oder 1,5 Prozent mehr als im ersten Quartal 2025.Öffentlicher Sektor wuchs seit 2019 um 1,3 Millionen MenschenDer öffentlich finanzierte Personalaufbau überlagert den Negativtrend. Kleinere Zuwächse gab es indes auch in einigen privaten Dienstleistungsbranchen. Das Finanzgewerbe wuchs um 13.000 Erwerbstätige, zugleich kamen in Verbänden und Interessenvertretungen 21.000 Erwerbstätige hinzu. Auf Schrumpfkurs waren hingegen auch Handel, Gastgewerbe und Verkehr: minus 81.000.Betrachtet man den Zeitraum seit Beginn der Wirtschaftsschwäche im Jahr 2019, dann zeigen sich die Verschiebungen noch stärker. Während die Zahl der Erwerbstätigen im verarbeitenden Gewerbe seither um mehr als 650.000 schrumpfte, nahm sie im öffentlichen Sektor um 1,3 Millionen zu.Vier Milliarden Euro Defizit in der ArbeitslosenkasseDie negative Entwicklung belastet neben Arbeitslosen und Berufseinsteigern auch die Finanzen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Sie hatte 2025 ein Darlehen von 2,35 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt benötigt, um ihre wachsenden Ausgaben für Arbeitslosigkeit zu decken. Für dieses Jahr hat die Regierung ein weiteres Darlehen von vier Milliarden Euro eingeplant.Dies scheint aber zu optimistisch kalkuliert zu sein, falls der Beitragssatz zur Arbeitslosenkasse nicht steigen soll. Denn schon bis April lief in der BA ein Defizit von 4,1 Milliarden Euro auf. Dies legt außerdem nahe, dass sie – anders als zuvor erhofft – auch 2027 zusätzliche Mittel der Beitrags- und Steuerzahler braucht.