Gäbe es einen Wettbewerb um das niedlichste Tier des Planeten, würde der Zwergpinguin wohl mindestens auf dem Podium landen. Klitzeklein, am Rücken blau schimmernd, leicht unsicher watschelnd. Kein Wunder, dass die Menschen in Victoria, ganz unten im Süden Australiens, die Vögel lieben und derzeit in großer Sorge sind. Denn es läuft eine Aktion, bei der mindestens 5000 Zwergpinguine gegen die Vogelgrippe immunisiert werden sollen – ein Wettlauf gegen die Zeit.Der australische Fernsehsender „ABC News“ meldete immerhin erste Erfolge: die Impfkampagne habe den „Meilenstein von 1000 Dosen“ erreicht. ABC News zeigte Bilder von Zwergpinguinen, die nach dem Landgang in Gehege getrieben, in einen Sack gesteckt, darin gewogen und anschließend mit einem Chip markiert werden. Dann gibt es die Impfung und die Tiere dürfen wieder weiter watscheln. HANDOUT/AFPSeit Juni breitet sich in Australien der Vogelgrippe-Virus H5N1 aus und richtet verheerende Schäden in der einzigartigen Tierwelt des Kontinents an. Mehr als 1000 Vögel sind daran bereits gestorben, inzwischen hat das Virus auch Robben befallen. Tiere, die sich damit infizieren, verenden kläglich, sie werden schwächer, können kaum noch atmen, verweigern schließlich die Nahrung. Südaustralien meldete am vergangenen Sonntag einen bestätigten Fall bei einem Zwergpinguin auf Kangaroo Island. Auf King Island, Tasmanien, starben bereits 51 Vögel.Man geht durchaus mit ein paar Bissen und Kratzern nach Hause.Ben Thomas, Leiter von „Phillip Island Nature Parks“Auf Philipp Island und St. Kilda, Victoria, werden etwa 40 000 Zwergpinguine vermutet. Es ist der größte Bestand weltweit. Modellrechnungen für den schlimmsten Fall gehen davon aus, dass ein schwerer Ausbruch der Vogelgrippe zwischen 8000 und 16 000 dieser Vögel töten könnte. Was die Aktion erschwert: Zwergpinguine sind nachtaktiv, um nicht Opfer von Greifvögeln zu werden. Ben Thomas, Leiter des Naturschutzgebiets „Phillip Island Nature Parks“, erklärte am Montag, dass sein Team bereits in der vergangenen Woche jeden Abend bis spät in die Nacht im Einsatz gewesen sei und dabei Hunderte Zwergpinguine eingefangen und geimpft habe. „Es sind kleine, wehrhafte Tiere, man geht durchaus mit ein paar Bissen und Kratzern nach Hause.“ JOEL CARRETT/via REUTERSDie Helfer tragen Mäntel, Mützen und Handschuhe, auch weil dort gerade Winter ist, mit Temperaturen zwischen sechs und 14 Grad. „Wir versuchen die Tiere so schnell wie möglich zu behandeln, dabei aber so behutsam und sicher wie möglich vorzugehen, damit sie wohlauf und gesund bleiben“, sagt Thomas. Da Pinguine die Nähe zu ihren Artgenossen suchen, kann sich die Grippe sehr schnell in der Kolonie ausbreiten, sobald sie ein Tier befallen hat. Was Ben Thomas und seinem Team hilft: Es sind Gewohnheitstiere, die jede Nacht an denselben Strand zurückkehren und über denselben Pfad in denselben Bau watscheln.Touristen beobachten im August 2024 die „Pinguin-Parade“ im Naturschutzgebiet von Phillip Island. HANDOUT/AFPZwergpinguine sind die kleinste Pinguinart der Welt, sie werden etwa 30 Zentimeter hoch und wiegen im Durchschnitt ein Kilogramm. Sie kommen nur im Süden Australiens und in Neuseeland vor. Obwohl die Vögel nach den australischen Umweltgesetzen nicht als gefährdet eingestuft sind, gelten sie als stark durch die tödliche Vogelgrippe bedroht, wie der australische Guardian zum Start der Impfaktion berichtete. Sie haben keine Scheu vor Menschen, mitunter siedeln sie sogar in Vorgärten.„Wir wissen, dass die Vogelgrippe da ist, und wir wissen, dass wir sie nicht aufhalten können“, erklärte Jaclyn Symes, Umweltministerin von Victoria, zum Start der Impfaktion. Die Impfung würde die Vögel immerhin nicht nur schützen, sondern könne auch dazu beitragen, dass die Tiere die Krankheit überleben, wenn sie sich infizieren. In drei bis vier Wochen muss der gesamte Impfvorgang wiederholt werden, in der Hoffnung, dass man in der ersten und der zweiten Aktion genügend Tiere erwischt, um den Bestand zu sichern.Etwa 10 000 Impfdosen sind dafür vom Landwirtschaftsministerium bereitgestellt worden. „Jeder liebt Zwergpinguine“, sagt Symes. „Sie sind kleine, ikonische und hinreißende Tiere.“ Sie hätten aber auch eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Region, nicht zuletzt, weil sie etwas weniger niedliche Tiere anlocken: Touristen.