Schriftsteller Schulze: »Das würde ziemlich jämmerlich enden«

Der Schriftsteller Ingo Schulze, dessen neuer Roman »Das Wasser im August« auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis steht, wundert sich über die zunehmende Ostalgie. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand wünschte, noch mal im Jahr 1988 zu leben«, sagt Schulze dem »Stern« . »Das scheint mir so irreal zu sein.« »Das Wasser im August« spielt zum Teil im Sommer 1979 in der DDR.

Die Sehnsucht nach früher erklärt Schulze sich so: »Vielleicht liegt dieser Wunsch in der Tatsache begründet, dass es das Gefühl gab, Dinge für sich selbst ändern zu können. Der Aufbruch von 1989 setzte eine ungeheure Aktivität in Gang. Die Menschen strömten nicht nur zu Demonstrationen, sondern gründeten bis in die Dörfer hinein runde Tische.« Es sei um eine Reform der DDR gegangen. »Als das leider vom Tisch war, folgte der Schock verzögert«, sagt der 63-Jährige.

Der in Dresden geborene Schriftsteller setzt sich in seinen Werken seit Jahrzehnten mit seiner Heimat und der deutschen Geschichte auseinander. Thematisch beschäftigt er sich vor allem mit der Zeit der DDR, der Wendezeit und der Nachwendezeit.

Für sein literarisches Schaffen wurde Schulze mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Dresdner Kunstpreis 2021, dem Preis der Literaturhäuser 2021 und dem Uwe-Johnson-Preis 2026 für seinen Roman »Das Wasser im August«. Die Jury des Dresdner Kunstpreises würdigte ihn als »Seismografen der neueren deutschen Geschichte und Gegenwart«.