Mathieu Comijn guckt auf die Knollen, die er aus seinem Kartoffelfeld gezogen hat. Sie sind kaum größer als Tischtennisbälle. „Wie wollen Sie da eine Pommes draus schneiden?“, fragt er. „Normalerweise müssten sie mindestens viermal so groß sein“.Dem Landwirt aus Amay unweit von Lüttich geht es so wie vielen seiner belgischen Kollegen in diesem Jahr: Ihre Ernte ist Opfer mehrerer ungünstiger Wetterphänomene geworden.Zunächst hatte es Ende des Frühjahrs stark geregnet. Danach wurde es, wie vielerorts in Europa, sehr heiß und sehr trocken. Die Erde bildete dadurch kompakte Klumpen, in denen die Kartoffeln „schlechter atmen“ und es nicht schaffen, auf ihre gewöhnliche Größe anzuwachsen.Ich habe so etwas noch nie gesehen.Mathieu Comijn, Landwirt aus Amay in Belgien„Ich habe so etwas noch nie gesehen“, berichtet Comijn der Nachrichtenagentur AFP. Auf seinem Feld baut er Kartoffeln der Sorte Bintje an, die sich eigentlich besonders gut zur Verarbeitung zu schönen, langen Pommes Frites eignen. Doch nur einen Monat vor der Ernte ist keine der Knollen größer als seine Handfläche.Sein Vater Stéphane Comijn weigert sich seit Tagen, aufs Feld zu gehen. „Es ist zu furchtbar“, sagt er. Der Mittsiebziger kann sich an kein derart trockenes Wetter erinnern – außer vielleicht während der historischen Hitzewelle von 1976. Pommes Frites dürften teurer werden Die Familie, die auf 500 Hektar Kartoffeln anbaut, muss trotz der Ernteausfälle ihre Lieferverträge bedienen. Als weltweit größter Exporteur tiefgekühlter Pommes Frites regelt Belgien den Handel mit den Knollen anhand sehr genauer Vorgaben. Noch vor der Ernte verhandeln Landwirte und Industrie über die zu liefernden Mengen und Preise.Um die Verpflichtungen einhalten zu können, wird Familie Comijn auf den Vorrat vom letzten Jahr zurückgreifen - als die Ernte sehr gut war. „Wir hatten schon angefangen sie wegzuwerfen“, um Platz für die neue Ernte zu schaffen, erläutert Vater Stéphane. Er steht vor einer auf zehn Grad Celsius gekühlten Lagerhalle, in der sich riesige Berge von Kartoffeln, Jahrgang 2025, auftürmen. „Aber jetzt bringt das Geld ein“.Doch die alten Kartoffeln werden nicht reichen. Die Bauern werden auch Sorten verkaufen müssen, die weniger geeignet für die Frittenproduktion sind. „Die Leute an den Frittenbuden motzen. Du kannst ihnen noch so sehr erklären, dass es die Trockenheit ist, sie verstehen das nicht“, klagt der Senior. Angesichts der Schwierigkeiten auf der Angebotsseite, dürfte letztlich der Preis für Pommes Frites steigen.Bernard Lefèvre vertritt 4500 Pommesbuden in ganz Belgien und hat dazu eine klare Meinung: „Abgesehen von einer Krankheit in der Königsfamilie ist für die Belgier die zweitschlimmste mögliche Nachricht, dass der Pommes-Tüten-Preis steigt“, versichert er AFP. Allerdings hat Lefèvre in seinen 25 Jahren in der Frittenbranche schon einiges gesehen.„Es gibt immer ein Problem: Entweder es gibt zu viele Kartoffeln, wie letztes Jahr, der Kartoffelpreis stürzt ab und die Produzenten sprechen von einer Katastrophe - oder es ist das andere Extrem“, sagt der Vorsitzende der Nationalen Vereinigung der Fritürenbetreiber und gibt sich gelassen: „Und doch kommen wir Jahr für Jahr irgendwie über die Runden.“ (AFP)
Zu klein für Pommes: Belgische Kartoffeln nach Dürresommer nicht groß genug
Dürre und Hitze setzen Belgiens Kartoffelbauern massiv zu: Die Knollen bleiben winzig – und könnten Pommes Frites bald deutlich teurer machen.













