PfadnavigationHomeRegionalesNordrhein-WestfalenFolgen der Dürre: Höhere Gemüsepreise und kürzere PommesStand: 04:05 UhrLesedauer: 4 MinutenZwei Kartoffeln liegen in einem Feld, welches nicht beregnet wurde.Quelle: Roberto Pfeil/dpaWarum Pommes öfter kleiner ausfallen werden und Salat teurer wird: Die Trockenheit verändert das Angebot im Supermarkt spürbar. Beim Ost sieht aus noch anders aus.Erste Folgen der Trockenheit sind im Supermarkt angekommen und weitere Auswirkungen sind bei anhaltendem Regenmangel wahrscheinlich. Nach Angaben von Marktbeobachtern ist Gemüse in zahlreichen Fällen für die Verbraucher teurer geworden. Bei Obst überwiegen hingegen günstigere Preise als im Vorjahr. Die beliebten Pommes werden nach einer Einschätzung aus Erzeugerkreisen häufig kürzer ausfallen.Steigende Preise bei Salat und KohlGerade bei Frischgemüse aus dem Freilandanbau seien die Preise zuletzt gestiegen, da das Angebot witterungsbedingt eingeschränkt ist, sagt Michael Koch, Bereichsleiter Gartenbau bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Das betreffe vor allem das Salatsortiment, aber auch einige Kohlgemüse wie Brokkoli, Blumenkohl oder Kohlrabi. Auch das Angebot an Möhren sei eher knapp, die Verbraucherpreise lägen aktuell über dem Niveau des Vorjahres.Knappes Angebot besteht längerInzwischen sei die Wasserentnahme in einem weiteren wichtigen Anbaugebiet für Gemüse eingeschränkt worden. «Das bedeutet, es wird noch schwieriger, das Wachstum der Pflanzen aufrechtzuerhalten», verdeutlicht Koch. Damit dürfte die eher knappe Versorgungslage bei Gemüse noch länger anhalten.Tomaten und Zucchini günstigerDie aktuellen Witterungsbedingungen mit hohen Temperaturen seien auch für Gemüse im Unterglasanbau eine Herausforderung. Das Angebot an Salatgurken und Paprika sei eingeschränkt, und die Preise lägen über denen des Vorjahres. «Es gibt allerdings auch Gemüse, das für die Verbraucher günstiger ist als im Vorjahr, dazu gehören Tomaten und Zucchini», erklärt der Marktbeobachter.So trocken wie seit Jahrzehnten nichtDer Boden bis knapp zwei Meter Tiefe ist überwiegend so trocken wie nur alle 10, 20 oder sogar nur 50 Jahre, wie aus dem jüngsten hydrologischen Bericht des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima hervorgeht. Besonders extrem ist die Dürre demnach im Südwesten, im Bereich Eifel. Lediglich in Teilen des Weserberglandes lägen die Werte im Wesentlichen noch im Normalbereich.Künstlicher Regen für rheinische KartoffelnBraun statt grün: Alois Keutmann zeigt in Linnich zwischen Mönchengladbach und Aachen auf dem Feld den krassen Unterschied zwischen Kartoffelpflanzen mit künstlicher Beregnung und denen ohne. «Die Pflanzzeit bis Mitte Juni war optimal für die Kartoffeln. Das sah nach super Erträgen aus», schildert der Vorsitzender der Reka, der Rheinischen Erzeugergemeinschaft Kartoffeln.Dann kamen jedoch Trockenheit und Hitze. Die Pflanze bildet bei dem Stress nur einige dicke Knollen aus. «Wo intensiv beregnet wird, werden vernünftige Erträge runterkommen», prognostiziert er. Aber auf den Anbauflächen ohne künstliche Regen werde es aber schwierig für die Kartoffel. Immerhin seien die Beregnungsanlagen in den vergangenen zehn Jahren ausgebaut worden.Diesel als Preistreiber«So steigen jetzt die Preise», erklärt Keutmann. Er verweist neben einem knapperen Angebot an Kartoffeln auch auf die Mehrkosten für den Diesel, mit dem die Aggregate für die Beregnung laufen. «Allerdings waren die Preise im letzten Jahr niedrig.» Für die Verbraucher bedeute das, dass Kartoffelpreise wie vor zwei, drei Jahren und nicht mehr Tiefpreise von 2025 zu erwarten seien.Pommes häufig aus WesteuropaAuch bei den Pommes könnten Witterungsfolgen sichtbar werden. «Es wird wahrscheinlich kürzere Pommes geben im Durchschnitt.» Der westeuropäische Markt habe hier einen hohen Stellenwert und in Belgien etwa gebe es weniger Beregnungsmöglichkeiten. Beim Preis von verarbeitenden Lebensmitteln für die Verbraucher spielten eher Lohnkosten und Energiekosten eine große Rolle.Landwirte ändern AnbaumethodenLaut Landwirtschaftskammer NRW passen viele Betriebe ihre Anbaumethode zunehmend an die Folgen des Klimawandels an. Dazu zählten auch besser angepasste Sorten oder auch verschiedene Sorten, um das Risiko zu streuen. Um mehr Wasser im Boden zu halten, werde der Pflug weniger eingesetzt.Der Rheinische Landwirtschafts-Verband geht bei anhaltendem Regenmangel von deutlichen Ertragseinbußen bei den Kulturen aus, die aktuell auf dem Feld stehen. «Vielerorts geht es inzwischen nicht mehr um Spitzenerträge, sondern darum, überhaupt noch eine wirtschaftlich tragfähige Ernte einzufahren.»Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband zählt Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais sowie Obst- und Gemüsekulturen auf, die zunehmend unter der Trockenheit litten. «Mit starken Ertragseinbußen und teilweise auch mit Ernteausfällen ist regional zu rechnen», verdeutlicht der Verband.Niedrigere Preise beim ObstMarktbeobachter Koch erklärt beim Obstsortiment niedrigere Preise als im Vorjahr mit verschiedenen Effekten: Äpfel stünden aus der Ernte 2025 noch in größeren Mengen zur Verfügung. Kirschen und Zwetschen stünden in diesem Jahr wieder in stärkerem Wettbewerb mit Importware. «Die Verbraucher profitieren von niedrigeren Preisen, für die Produktion ist die Situation eher schwierig.» Auch Pfirsiche und Nektarinen seien günstiger als im Vorjahr.dpa-infocom GmbH