Die deutsche Wirtschaft nimmt Kurs auf mehr Wachstum. Diesen Schluss ziehen Konjunkturforscher, nachdem das Geschäftsklima sich im August deutlich aufgehellt hat und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal stärker als zuvor angenommen gewachsen ist. Trotz des abermaligen Energiepreisanstiegs erhole die deutsche Wirtschaft sich, kommentierte Clemens Fuest, der Präsident des Ifo-Instituts in München.Der Geschäftsklimaindex des Instituts stieg im August von 86,7 auf 88,8 Punkte. Die vom Ifo-Institut befragten rund 9000 Unternehmen schätzen die aktuelle Geschäftslage weniger negativ ein. Vor allem aber blicken sie viel zuversichtlicher in die Zukunft. Nach drei Quartalen des Wirtschaftswachstums komme langsam Zuversicht auf, hieß es vom Ifo-Institut.Nach Angaben des deutschen Statistischen Bundesamts wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum von April bis Juni um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal, ähnlich robust wie am Jahresende 2025 und nur einen Tick langsamer als am Jahresbeginn. Nach drei Jahren der Rezession und Stagnation bahnt sich damit eine wirtschaftliche Erholung an, die sich bislang gegenüber Belastungen wie den gestiegenen Energiepreisen und der unsicheren Lage am Persischen Golf als recht robust erwiesen hat.Die Dürre der vergangenen Wochen und das Niedrigwasser im Rhein werten Volkswirte dabei als temporären Rückschlag, der die wirtschaftliche Erholung im Trend nicht umkehren werde. Das Niedrigwasser belaste die gesamtwirtschaftliche Aktivität im dritten Quartal spürbar, schrieb die Bundesbank vergangene Woche im Monatsbericht. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im Zeitraum von Juli bis September „allenfalls noch leicht zulegen“.Aufs Jahr gesehen, sehen manche Ökonomen und Konjunkturforscher nach dem robusten Wachstum im ersten Halbjahr dennoch Aufwärtspotential. Im Durchschnitt erwarten Ökonomen für dieses Jahr schon jetzt ein Wachstum von etwas weniger als einem Prozent, nach 0,2 Prozent im vergangenen Jahr. Dabei ist schon unterstellt, dass die schuldenfinanzierten staatlichen Ausgaben zunehmend auch in der privaten Wirtschaft nachfragewirksam werden.Andere Ökonomen warnten am Dienstag davor, es mit dem Optimismus zu übertreiben. Sie verwiesen darauf, dass die Komponenten des Wachstums Schwächen anzeigten.Getrieben wurde das Wachstum im zweiten Quartal vom Export, der um zwei Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegte. Dabei entwickelte vor allem der Export von Waren in die anderen Länder der Europäischen Union sich positiv, während die Vereinigten Staaten und China als Exportziel Anteile verlieren. Die gute Exportentwicklung ist auch Folge des Irankriegs, weil befürchtete Preiserhöhungen und Störungen der Lieferkette zu vorgezogenen Bestellungen geführt haben. Darauf wiesen die Ökonomen von Oxford Economics hin. So wären in den kommenden Monaten entsprechend weniger Exporte zu erwarten. Dem steht entgegen, dass gemäß der Ifo-Umfrage die Exporterwartungen der Unternehmen sich deutlich verbessert haben. Das sagte Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe der F.A.Z.Trotz der staatlichen Impulse durch schuldenfinanzierte Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung blieb die Binnennachfrage im zweiten Quartal mit einem Plus von 0,1 Prozent schwach. Der Konsum der privaten Haushalte und auch des Staates stagnierte mit einem Plus von je 0,1 Prozent nahezu. Die öffentliche Hand nahm sich eine Pause, nachdem sie in den vier Quartalen zuvor ihren Konsum deutlich geweitet hatte.Die Bruttoanlageinvestitionen, die wichtigste Komponente für künftiges Wachstum, schrumpften um 0,2 Prozent, weil die staatlichen Mehrinvestitionen in Infrastruktur und militärisches Gerät das Minus der privaten Investitionen nicht ausgleichen konnten. Dabei sind die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen im ersten Halbjahr gewachsen und liegen erstmals seit dem ersten Halbjahr 2023 wieder höher als vor einem Jahr. Die Investitionen der Unternehmen in Maschinen und anderes Gerät könnten im Abwärtstrend so einen Boden gefunden haben.Die seit 2023 andauernde Schrumpfung der privaten Investitionen insgesamt wurde zuletzt vor allem durch schrumpfende Investitionen in den Wohnungsbau getrieben. Obwohl das Bauhauptgewerbe seit Jahresbeginn im Trend mehr Aufträge meldet und der Auftragseingang im Juni preisbereinigt gegenüber Mai um sechs Prozent zulegte, schlägt sich das in den Bauinvestitionen noch nicht nieder, abgesehen vom Tiefbau im staatlichen Auftrag.Staatsdefizit von 3,1 Prozent im ersten HalbjahrTrotz der bislang bescheidenen Wachstumswirkungen der öffentlichen Ausgaben hat der deutsche Staat im ersten Halbjahr 71,3 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Das Defizit war 36,6 Milliarden höher als vor einem Jahr. Besonders deutlich erhöhte die Bundesregierung ihr Defizit, nämlich um 29 Milliarden Euro auf etwas mehr als 48 Milliarden Euro.Gemessen am Bruttoinlandsprodukt betrug das Defizit im ersten Halbjahr 3,1 Prozent. Nach Prognosen wird das Defizit von 2,7 Prozent im vergangenen auf mehr als vier Prozent im kommenden Jahr steigen. Zunehmend wird an den Finanzmärkten diskutiert, ob Deutschland mit steigendem Defizit und schwachem Wachstum die AAA-Bestnote der Kreditwürdigkeit verlieren könnte.Dennoch setzen die Unternehmen vorerst auf bessere Stimmung. Ifo-Ökonom Wohlrabe sagte der F.A.Z., dass die allgemeine Unsicherheit der Unternehmen schwinde. Langsam komme Zuversicht auf. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe hat das Geschäftsklima sich im August deutlich verbessert. Wohlrabe nannte als herausragendes Beispiel die Elektrobranche, in der der Geschäftsklimaindex nicht mehr im negativen Bereich liege. Das heißt, dass in dieser Branche im Saldo mehr Unternehmen Lage und Erwartungen besser als schlechter einschätzen. Wohlrabe führt das auf Investitionen in Rechenzentren unter anderem für die Nutzung Künstlicher Intelligenz zurück.Positiv sei es im August auch für die Metallwirtschaft, den Maschinenbau und für die chemische Industrie gelaufen, erklärte der Ökonom. Einen deutlichen Dämpfer habe dagegen die Automobilwirtschaft erlitten. Anders als in den anderen genannten Branchen, in denen das Geschäftsklima im Trend aufwärts weise, stagniert nach Ifo-Angaben der Stimmungsindikator in der Automobilwirtschaft in einem engen Band.
Ifo-Geschäftsklima: Deutschland auf Kurs zu mehr Wachstum
Es tut sich was in der Wirtschaft: Das Ifo-Geschäftsklima hat sich deutlich verbessert. Die Wirtschaft wächst nun schon drei Quartale nacheinander recht robust – trotz der vielen Krisen.














