Gut ein Jahr ist der öffentliche Streit über die Kandidatur der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf für das Bundesverfassungsgericht her. Jetzt meldet sich die Verfassungsrechtlerin mit einem Buch zurück – und mit einem Auftritt bei Markus Lanz.In der Sendung trifft sie auf Thorsten Frei (CDU), den Vorsitzenden jener Fraktion, aus deren Reihen Brosius-Gersdorf im vergangenen Sommer besonders scharf attackiert worden war.Wie tief sitzt der Ärger bei ihr noch? Und welche Konsequenzen fordert sie? Nicht nur darum ging es am Dienstagabend bei „Lanz“. Die ZDF-Sendung in der TV-Kritik. Die Gäste Thorsten Frei (CDU), Vorsitzender der Unionsfraktion im BundestagFrauke Brosius-Gersdorf, Juristin und Professorin an der Universität PotsdamMichael Bröcker, Journalist Reise in die Vergangenheit Thorsten Frei ist ganz kurz davor, sich zu entschuldigen. „Das war keine gute Diskussion im vergangenen Sommer, das wissen wir auch“, sagt der Unionsfraktionschef und blickt Frauke Brosius-Gersdorf an, die neben ihm sitzt. Dass der Juristin „auch Unrecht widerfahren ist“, sei „völlig unbestritten“, sagt er. Was klingt wie eine Entschuldigung, soll wohl auch eine sein. Bloß bringt Frei das Wort „Entschuldigung“ nicht über die Lippen.Es geht an diesem Abend, so viel dürfte bereits klar geworden sein, auch um „ein bisschen Vergangenheitsbewältigung“, wie Lanz es formuliert. Oder genauer: um die Bewältigung des Richterstreits. Zwischen der Union und Brosius-Gersdorf gibt es da so einiges aufzuarbeiten.Zur Erinnerung: Die von der SPD als Richterkandidatin für das Bundesverfassungsgericht nominierte Brosius-Gersdorf sah sich im vergangenen Sommer schweren Vorwürfen ausgesetzt, die sich insbesondere um ihre wissenschaftlichen Publikationen zu Abtreibungen drehten. Die angesetzte Richterwahl ließ die Unionsfraktion damals kurzfristig platzen, was für großen Streit innerhalb der Koalition sorgte. Nach wochenlangen Debatten über ihre Person zog Brosius-Gersdorf ihre Kandidatur schließlich zurück. Verletzungen, die bleiben „Es geht überhaupt nicht um mich“, sagt die Juristin in der Sendung mehrfach. Entscheidend sei, dass die Debatte über ihre Kandidatur „enormen Schaden angerichtet hat an der Institution des Bundesverfassungsgerichts“. Die damit einhergegangene Politisierung der Richterwahl erinnere an US-amerikanische Verhältnisse. „Da müssen Sie unglaublich aufpassen“, gibt Brosius-Gersdorf Frei mit auf den Weg, „dass sich das nicht wiederholt.“Zwischendurch lässt die Juristin Frei ihren Ärger über das, was ihr widerfahren ist, spüren. Die Union habe beim Thema Schwangerschaftsabbrüche vergangenen Sommer „wirklich erfolgreich einen Bogen um Sachargumente gemacht“ und „nicht ein logisches Argument“ präsentiert, wirft sie Frei vor. Dessen Fraktion habe sich treiben lassen „von Kampagnen von rechtsnationaler Seite, von neurechten Medien“. Frauke Brosius-Gersdorf am 15. Juli 2025 in einer früheren Sendung von Markus Lanz. © Imago/Teutopress Insbesondere den letzten Vorwurf bestreitet Frei vehement: „Treiben lassen ist ein viel zu weitgehender Begriff aus meiner Sicht.“ Unbestritten bleibt, was Lanz am Ende der Diskussion feststellt: „Man merkt, da gibt’s auch Verletzungen.“ Drei Wochen Kanzlerurlaub – na und? Auch an anderer Stelle gerät Thorsten Frei in die Defensive. Obwohl er seit Kurzem nicht mehr das Kanzleramt leitet, hat er als enger Vertrauter von Friedrich Merz die nicht immer leichte Aufgabe, den Kanzler und seine Partei in Schutz zu nehmen. So auch an diesem Abend.Los geht es mit dem immerhin dreiwöchigen Sommerurlaub, den Merz sich gegönnt hat. „Es gab Waldbrände, es gab komische Drohnen, mit Sprengstoff beladen“, holt Lanz aus, „es gab eine Rentenrebellion in der Ost-CDU – und wir haben nichts gehört vom Kanzler.“Frei hält die Debatte darüber, wie lange Friedrich Merz im Urlaub weilt, für wenig substanziell. „Sie können ganz sicher sein“, betont der Unionsfraktionschef, „Deutschland ist in dieser Zeit bestens regiert worden.“ Nun ja.Ich war überrascht.Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) über den Rentenvorstoß dreier ostdeutscher CDU-MinisterpräsidentenBesonders unangenehm wird es für Frei, als Lanz und der Journalist Michael Bröcker beharrlich nach dem Rentenvorstoß der drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten fragen. Michael Kretschmer, Mario Voigt und Sven Schulze hatten kürzlich überraschend gefordert, die „Rente mit 63“ beizubehalten – entgegen den Empfehlungen der Rentenkommission.„Sie waren überrascht?“, fragt Lanz Frei. „Ich war überrascht“, gesteht der. „Sie waren irritiert?“, hakt der Moderator nach. „Auch ein bisschen irritiert“, antwortet der Unionsfraktionschef.Frei versucht, seinen Frust hinter launigen Sprüchen zu verbergen: „In der Politik erlebt man ja vieles, was man sich so nicht wünscht.“Umso eindringlicher wirbt er dafür, den Empfehlungen der Rentenkommission zu folgen, anstatt ihr „Gesamtkunstwerk“ (Bärbel Bas) wieder aufzuschnüren. Was die Kommission vorgeschlagen habe, sei nicht nur „wirklich bahnbrechend“, sondern auch „ein riesengroßer Wurf“, gar ein „Jahrhundertprojekt“, schwärmt er. Es ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, gerichtet an die drei ostdeutschen Regierungschefs.„Vielleicht bleibt man einfach mal seiner Position treu“, schlägt Journalist Michael Bröcker vor. Drei Sekunden herrscht Stille, dann spricht Lanz Thorsten Frei direkt an: „Guter Vorschlag, oder?“ Der antwortet schlicht: „Ja.“
Gescheiterte Richterkandidatin bei „Lanz“: Brosius-Gersdorf lässt Thorsten Frei ihren ganzen Ärger spüren
Unionsfraktionschef Frei trifft auf die bei der Richterwahl gescheiterte Juristin Brosius-Gersdorf – und kann sich nicht zu einer Entschuldigung durchringen. Unangenehm wird es auch beim Sommerurlaub des Kanzlers.








