Millionen von Gamern warten auf das Videospiel «GTA 6» – nun stört ein Hacker die LancierungKurz vor der Veröffentlichung im November hat ein Hacker womöglich unbefugt Zugriff auf eine spielbare Version erlangt. Er inszeniert sich als Kämpfer gegen die Gaming-Industrie. Seine wahren Motive sind weniger idealistisch.26.08.2026, 05.30 Uhr4 Leseminuten«Grand Theft Auto 6» soll am 19. November erscheinen.Rockstar GamesKaum ein Videospiel wird so sehnsüchtig erwartet wie «GTA 6». Seit mehr als einem Jahrzehnt fiebern die Fans der Reihe dem neuen Titel entgegen, der am 19. November veröffentlicht wird. Der Vorgänger des Spiels, «GTA 5», wurde bisher über 200-millionenfach verkauft. Es ist hinter dem Computerspiel «Minecraft» das zweitmeistverkaufte der Geschichte. «GTA 6» könnte diesen Erfolg noch übertreffen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Erfolgsrezept von «GTA» ist einfach: Das Spiel verkauft den amerikanischen Traum, erzählt als Gangstergeschichte. In verschiedenen Missionen arbeitet man sich mit unlauteren Methoden vom Kleinkriminellen zum Millionär hoch.Dabei heisst das Spiel zwar «Grand Theft Auto», also «schwerer Autodiebstahl». Doch Autos zu stehlen, ist nur eine von zahllosen Möglichkeiten. In der frei begehbaren Welt von «GTA» verkauft der Entwickler Rockstar vor allem eines: die Freiheit, all das zu tun, was man sich im echten Leben nicht traut – oder aus guten Gründen unterlässt. Waffen, Banküberfälle und Gangkriege gehören ebenso dazu wie Stripklubs besuchen, Luxusvillen kaufen oder mit schnellen Autos durch die Strassen rasen.Seit der Veröffentlichung der ersten Version im Jahr 1997 bietet die Reihe immer mehr Möglichkeiten, die virtuelle Welt zu erkunden und zu gestalten. Jede neue Version muss die alte übertreffen. Auch aufgrund dieser hohen Erwartungen hat der Entwickler Rockstar Games die Veröffentlichung des neuen Teils mehrfach verschoben.Das Warten ist inzwischen selbst Teil der Pop-Kultur geworden. Wenn etwas Aussergewöhnliches in der Welt geschieht, kommentieren Fans in den sozialen Netzwerken: «Wir haben das vor ‹GTA 6›.» Eine Pandemie, Donald Trumps Rückkehr ins Weisse Haus, geopolitische Krisen – offenbar kann alles geschehen, bevor dieses Spiel erscheint.Nun hat die Saga um «GTA 6» eine neue Wendung genommen. Kurz vor der Veröffentlichung im November hat ein Hacker im Internet angebliche Sequenzen aus dem Spiel publiziert. Ziel ist es wohl, Rockstar Games zu erpressen. Der Mutterkonzern Take-Two hat deswegen rechtliche Schritte eingeleitet.Alles fürs GeldErstmals machte der mutmassliche Hacker am 18. August auf sich aufmerksam. An diesem Tag erschienen mehrere Videos im Internet, die aus der Welt von «GTA 6» stammen sollen. Zu sehen sind klassische «GTA»-Momente, die Autofahrten oder Schiessereien zeigen.Besonders brisant ist ein später veröffentlichtes Video. Darin schiesst die Spielfigur auf eine Wand. Die Einschusslöcher formen das Wort «LEEK» – offenbar eine Anspielung auf das Wort «Leak». Also die nichtautorisierte Veröffentlichung von vertraulichen Inhalten. Das Video könnte darauf hindeuten, dass der Hacker nicht nur an Bilder und Videos gelangt ist, sondern auch Zugriff auf eine spielbare Version von «GTA 6» hat.Wer hinter den Veröffentlichungen steht und wie der mutmassliche Hacker an die Daten gelangt ist, bleibt unbekannt. Ein X-Account, der für sich beansprucht, die Leaks zu veröffentlichen, zählt inzwischen mehr als 200 000 Follower. Dabei gibt sich der mutmassliche Hacker als «Kämpfer für die Interessen der Gamer».In einer Art Manifest kritisiert er die zunehmende Kommerzialisierung der Gaming-Industrie. Dabei stellt er verschiedene Forderungen: Digitale Vorbestellungen sollen nicht mehr möglich sein. Zudem sollen bereits im Spiel enthaltene Einzelspielerinhalte nicht hinter Bezahlschranken verschwinden.Der Angriff bekommt damit einen moralischen Anstrich. Doch die wahren Motive dürften weniger idealistisch sein. Der mutmassliche Hacker nutzt die Aufmerksamkeit, um für eine Kryptowährung zu werben. Laut «Forbes» liess er seine Anhänger gegen Bezahlung darüber abstimmen, welches Material er als Nächstes veröffentlichen solle.Kampf um die Hoheit der ErzählungWie mehrere Medien berichten, soll der Mutterkonzern Take-Two die Entfernung des Materials aus dem Internet verlangt haben. Zudem soll man etwa das bei Gamern beliebte Chatprogramm Discord aufgefordert haben, Informationen über den Hacker zu teilen.Die Bemühungen der Entwickler deuten darauf hin, dass es sich bei den veröffentlichen Leaks um echtes Material handelt. Unabhängig prüfen lässt sich das nicht. Auf eine Anfrage der NZZ zu den Vorfällen äusserte sich Rockstar nicht. Klar ist: Der Zeitpunkt der angeblichen Leaks kommt für Rockstar ungelegen. Am Donnerstag (27. 8.) wird auf Netflix ein offizieller Blick auf das Spiel angekündigt.Rockstar will genau bestimmen, was die Öffentlichkeit zu sehen bekommt. Denn davon hängt auch ab, wie gut sich das Spiel in den entscheidenden ersten Tagen verkauft. «GTA 5» etwa spielte allein in den ersten drei Tagen nach der Veröffentlichung mehr als eine Milliarde Dollar ein.Die bisher veröffentlichten Trailer von «GTA 6» deuten darauf hin, dass Rockstar das Momentum nutzen will, um das Spiel dem Zeitgeist anzupassen. Damit soll wohl auch Kritik vorgebeugt werden. Immer wieder wird der «GTA»-Reihe vorgeworfen, Gewalt zu verherrlichen. Die offene Spielwelt und die nahezu unbegrenzten Handlungsmöglichkeiten erlauben es den Spielern etwa, wahllos Zivilisten zu töten.Hinzu kommt der Vorwurf, dass die Reihe gesellschaftliche Gruppen oft stereotypisch darstelle. Gangmitglieder waren häufig Schwarze, die Reichen lebten in Villenvierteln in den Hügeln, die «Rednecks» auf dem Land. Was 2013 noch weniger Widerspruch hervorrief, dürfte heute stärker in die Kritik geraten.Dass «GTA 6» mit solchen Mustern gänzlich bricht, ist unwahrscheinlich. Dennoch steht mit einer Protagonistin eine Frau im Zentrum eines «GTA»-Spiels. Ebenso werden in den Trailern Polizeigewalt, Rassismus und Waffengewalt thematisiert.Ob Rockstar diese Themen tatsächlich anders verhandelt als in früheren Teilen, wird sich erst im fertigen Spiel zeigen. Die zahlreichen Leaks nehmen dem Studio jedoch zunehmend die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wann und was die Öffentlichkeit davon erfährt.Passend zum Artikel