Die niedrigen Füllstände in den deutschen Gasspeichern könnten Verbraucher und Unternehmen im kommenden Jahr teuer zu stehen kommen. Bleiben die Großhandelspreise auf dem aktuellen Niveau, könnten deutsche Endkunden bis zu 3,8 Milliarden Euro mehr für Gas zahlen. Das berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine Berechnung des Vergleichsportals Verivox.Für Haushalte drohen demnach Preissteigerungen von zehn bis 20 Prozent. Günstige Neukundentarife haben sich laut Verivox seit März bereits von acht auf zehn Cent je Kilowattstunde verteuert. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet das Mehrkosten von rund 400 Euro. Viele Bestandskunden spüren den Anstieg wegen der längerfristigen Beschaffung ihrer Versorger bislang noch nicht.

Gasspeicher bieten kaum Schutz vor Preissprüngen

Auslöser sind neben dem Iran-Krieg die ungewöhnlich niedrigen Gasvorräte. Deutschlands Speicher sind nach Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) nur zu rund 51 Prozent gefüllt – ein Negativrekord für diese Jahreszeit. Italien kommt dagegen auf fast 82 Prozent, der EU-Durchschnitt liegt bei 63 Prozent.

„Die heute niedrigen Speicherstände sind ernst zu nehmen und bedeuten einen geringeren Puffer im Vergleich zu vorangegangenen Wintern“, teilte EWE auf Anfrage der Berliner Zeitung mit. Der Speicherbetreiber räumte zugleich ein, wegen der schwierigen Marktlage selbst einen geringeren Anteil seiner Gasmenge einzulagern.