Das amerikanische Raumfahrtunternehmen Rocket Lab setzt auf Deutschland. Der Rivale von SpaceX, dem Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, hat kürzlich die Gründung der Rocket Lab Germany GmbH bekanntgegeben und will nun die Produktion hierzulande ausrollen. „Wir sind überzeugt, dass Deutschland und Europa in Zukunft eine führende Rolle in der Raumfahrtindustrie einnehmen werden“, sagt Frank Klein, Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft und im Rocket-Lab-Vorstand als Chief Operations Officer (COO) für die Produktion zuständig.Im Gespräch mit der F.A.Z. nennt der frühere Mercedes-Benz-Manager die Ankündigung von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, 35 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 in die Weltraumsicherheit zu investieren, als Signal der Bereitschaft dazu. „Deutschland hat erkannt, wie wichtig die Raumfahrt als Wachstumsindustrie ist“, fügt Klein hinzu. Deshalb habe Rocket Lab im Frühjahr das in der Laserkommunikation tätige Münchner Start-up Mynaric übernommen und die Rocket Lab Germany GmbH gegründet, um vor Ort produzieren und das gesamte Portfolio hier anbieten zu können.Das Portfolio von Rocket Lab reicht von Trägerraketen über die Satelliten- und Komponentenfertigung bis zu Raketenstartplätzen. Zwar wird Rocket Lab, das vor 20 Jahren von dem Neuseeländer Peter Beck gegründet wurde, immer wieder als Rivale von SpaceX bezeichnet. Doch gibt es her deutliche Größenunterschiede: SpaxeX hat nach dem Börsengang eine Marktkapitalisierung von 1,8 Billionen Dollar, während Rocket Lab nur auf 41 Milliarden Dollar kommt. Das Unternehmen von Elon Musk erwartet in diesem Jahr einen Umsatz von 14 Milliarden Dollar, dagegen wird Rocket Lab zwar ordentlich wachsen, aber unter der Milliardenmarke bleiben.Schon bald der 100. RaketenstartNichtsdestotrotz sieht Klein, der einen deutschen Pass hat, Rocket Lab in einer wichtigen Vorreiterrolle: „Wir sind das Raumfahrtunternehmen, dass am schnellsten die ersten 50 Raketenstarts geschafft hat, und wir werden auch die ersten sein mit 100 erfolgreichen Starts.“ Nach seinen Angaben waren es bislang 93 Raketenstarts. „In diesem Jahr, voraussichtlich im Oktober, werden wir den 100. Start unserer Trägerrakete Electron feiern können. Ich hoffe, dass wir bis Ende des Jahres auch den ersten Start unserer größeren Trägerrakete Neutron schaffen werden.“Electron hat eine Nutzlast von 320 Kilogramm und eine Höhe von 18 Metern. Die Neutron-Rakete hat eine Nutzlast von 13 Tonnen und eine Höhe von 43 Metern. Sie soll nach Aussage von Klein wiederverwendbar sein, das heißt, sie wird nach der Landung wiederaufbereitet für die nächste Mission. Den Weltraum betrachtet der Rocket-Lab-Vorstand als einen großen Wachstumsmarkt. Für die wirtschaftliche Infrastruktur der Zukunft sei er unerlässlich.„Der Weltraum ist ein sehr raues Umfeld“In Deutschland ist nach Ansicht von Klein erkannt worden, dass für eine Unabhängigkeit eine eigene Satelliten-Infrastruktur im All notwendig ist. Deutschland und Europa könnten mit ihren Ingenieuren und Strukturen die Lücke zu den USA oder China schließen. Im vergangenen Jahr gab es in den Vereinigten Staaten 198 Raketenstarts und im Rest der Welt 124, hauptsächlich in China und Russland. „Der Weltraum ist ein sehr raues Umfeld. Um hier erfolgreich zu sein, sind hervorragende Technologie und Ingenieure erforderlich“, sagt Klein.Der Vorteil von Rocket Lab ist seinen Worten zufolge die Erfahrung, „weil wir seit neun Jahren erfolgreich Raketen in den Weltraum schicken“. Er ist davon überzeugt, dass die deutschen Wettbewerber bald erfolgreiche Testflüge schaffen werden. Doch hier haben sich Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg, eine Tochtergesellschaft des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB, in diesem Jahr schwergetan. Isar Aerospace blickt seit Januar auf vier fehlgeschlagene Startversuche der Trägerrakete Spectrum zurück. Auch der Testflug der Rakete von RFA im schottischen Saxavord verzögert sich.Da hat sich Rocket Lab besser geschlagen: „Mit unserem zweiten Testflug von Electron haben wir schon den Orbit erreicht. Der erste Kunde war beim zweiten Raketenstart an Bord“, berichtet Klein. Als vertikal integrierter Raumfahrtkonzern verfügt Rocket Lab über Raketenstartplätze. Nach Angaben von Klein befinden sich jeweils zwei in den USA und in Neuseeland. Derzeit werde ein mobiler Startplatz in Alaska aufgebaut. „Wir wären bereit, an dem Aufbau eines Startplatzes in Europa mitzuwirken. Dafür müssen aber die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Klein.In Deutschland ist kein Startplatz möglichPistorius berichtete vor kurzem von Plänen für einen Raketenstartplatz der Bundeswehr. „Wenn der Bedarf in Europa für einen neuen Startplatz vorhanden ist, dann sind wir bereit, dazu beizutragen“, erklärt Klein seine grundsätzliche Bereitschaft, schränkt aber gleich ein: „Gegenwärtig konzentrieren wir uns auf unsere Startplätze, die den internationalen Bedarf gut abdecken.“ In Deutschland lässt sich seiner Ansicht nach kein Startplatz aufbauen. Es sei nicht nur ein Zugang zum Meer erforderlich, sondern auch ein großes unbewohntes Gebiet, weil Raketen nicht über Wohngebieten gestartet werden dürften. Aus diesem Grund scheide Deutschland als Standort für einen Raketenstartplatz aus.Das militärische Interesse an der Raumfahrt hält er für wichtig, aber die zivilen Anwendungen eröffnen auch ein großes Wachstumspotenzial. Im Weltraum werde die wesentliche wirtschaftliche Infrastruktur angesiedelt sein. „Viele Dinge, die früher zu hohen Kosten auf der Erde oder mit Hilfe von Geosatelliten in der Erdumlaufbahn errichtet werden mussten, können künftig günstiger im Weltraum angesiedelt sein.“ Es gebe heute rund 10.000 Satelliten im Weltraum. „Diese Zahl wird in den kommenden Jahren rasant steigen“, ist Klein überzeugt. Der Weltraum sei für die Menschheit überlebensnotwendig, vor allem bei Kommunikation und Navigation. Luft- und Schifffahrt hingen schon heute von Satelliten ab.Rocket Lab zählt mehr als 3000 Mitarbeiter, davon 1000 in Neuseeland, 1800 in den USA, einige in Kanada, und mehrere Hundert in Deutschland. Die Mitarbeiter in Deutschland kommen von dem Münchner Start-up Mynaric, das Rocket Lab in diesem Jahr übernommen hat. Mynaric habe viele Jahre lang an Rocket Lab Laserkommunikationsgeräte geliefert, weist Klein auf die gewachsenen Beziehungen hin. „Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten von Mynaric haben wir das Unternehmen für 155 Millionen Dollar übernommen“, fügt er hinzu.Rocket Lab unterstützt nach seinen Worten Mynaric nun im Hochlauf. In diesem Jahr würden voraussichtlich etwa 400 Laserterminals gebaut. „Zudem achten wir auf die Kostendisziplin. Trotz der besten Lasertechnologie verliert Mynaric aktuell noch Geld.“ Doch handelt sich seinen Worten zufolge um keine Notübernahme, weil Mynaric hervorragend zur Wachstumsstrategie von Rocket Lab passe. „Wir werden dort aber einige Strukturen anpassen müssen, damit Mynaric bald wieder auf wirtschaftlich gesunde Beine kommt“, zeigt er sich entschlossen.Faszinierende AufbruchstimmungNun will Rocket Lab nach seiner Aussage Deutschland und Europa in dem Ziel unterstützen, die Raumfahrindustrie für zivile und militärische Zwecke auszubauen. „Wir stehen in den Startlöchern. Erhalten wir die ersten Aufträge, dann werden wir hier unsere Produktion aufbauen“, kündigt er an.Klein kommt aus der Automobilindustrie und hat 27 Jahre lang für Mercedes-Benz gearbeitet. Die Raumfahrtindustrie kann von den Autokonzernen in Sachen Effizienz und Skalierung seiner Ansicht nach einiges lernen. Rocket Lab hat 2024, als er dort angefangen hat, 15 Raketen im Jahr produziert. „Bald werden es 50 Raketen im Jahr sein.“ Ihn fasziniert die gegenwärtige Aufbruchstimmung in der Raumfahrt: „Es wird nicht nur viele Gewinner geben, sondern auch einige Verlierer. Zudem erwarte ich irgendwann eine Konsolidierungsphase.“
Rocket Lab in Deutschland: Was Frank Klein plant
Der SpaceX-Rivale sieht in Deutschland Wachstumspotenzial. Die Lücke zu den USA und China kann nach Ansicht von Vorstand Frank Klein bald geschlossen werden.










