Nach dem Börsengang von SpaceX ist das amerikanische Raumfahrtunternehmen, das zum Imperium von Tesla-Gründer Elon Musk gehört, in aller Munde. Der Rivale aus Kalifornien, Rocket Lab, hat es da etwas schwerer, für Aufmerksamkeit zu sorgen. Das könnte sich ändern, zumindest in Deutschland. Denn der Hersteller von eher kleineren Trägerraketen hat nun die Gründung der Rocket Lab Germany GmbH bekanntgegeben.Diese strategische Expansion markiere einen Meilenstein im internationalen Wachstum des Unternehmens und schaffe die Voraussetzungen für einen möglichen weiteren Ausbau der Satelliten- und Komponentenfertigung von Rocket Lab in Deutschland, begründet das Unternehmen diesen Schritt in seiner Pressemitteilung. „Ziel ist es, Europa Zugang zu souveränen Weltraumfähigkeiten zu ermöglichen“, wirbt der Hersteller der Trägerrakete Electron. Das Geschäft mit der Raumfahrt hat vor allem am Standort München an Fahrt aufgenommen. Dort wird Rocket Lab Germany künftig seinen Sitz haben.Großer Nachholbedarf in EuropaDas bekannteste Beispiel ist das Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace, das in diesem Jahr den zweiten Testflug seiner Trägerrakete Spectrum viermal absagen musste. Im nahe gelegenen Augsburg sitzt die Rocket Factory Augsburg, eine Tochtergesellschaft des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB. Derzeit wird ein Testflug einer Rakete im schottischen Saxavord vorbereitet. Darüber hinaus gibt es mit Exploration Corp. ein weiteres Raumfahrunternehmen, das an einer wiederverwendbaren Raumkapsel für Fracht- und Rücktransportmissionen in den Erdorbit und zum Mond arbeitet.Europas Problem, wie Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kürzlich bei seinem Besuch des Isar-Aerospace-Werks in Ottobrunn bemerkte, es gebe zu wenige Raketenstarts von Europa aus und zu wenige Raketenstartplätze. So ist die Bundeswehr auf SpaceX-Raketen angewiesen, um eigene Satelliten ins All zu befördern. Pistorius will 35 Milliarden Euro in die Sicherheitsarchitektur im Weltraum investieren. Auf diesen Kuchen schielt offenbar auch Rocket Lab.Wirtschaftsministerium gibt strenge Auflagen vorDie erste Hürde hat das amerikanische Unternehmen schon im Frühjahr genommen, als das Bundeswirtschaftsministerium die Übernahme des Münchner Unternehmens Mynaric genehmigte. Dabei handelt es sich um ein Start-up im Bereich optischer Laserkommunikation, einer Schlüsseltechnologie, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt wird. Die Genehmigung knüpfte das Ministerium an die Bedingung, dass das geistige Eigentum, die Produktion sowie Forschung und Entwicklung von Schlüsseltechnologien und -produkten von Mynaric in Deutschland und Europa verbleiben.Nun betonte Rocket Lab, dass Mynaric weiterhin seine branchenführenden optischen Terminals produzieren und künftige Technologien für die optische Kommunikation entwickeln werde. Rocket Lab werde die eigenen bewährten Fertigungs- und Lieferkettenexpertise anwenden, um die Kapazitäten und Effizienz von Mynaric zu steigern und die wachsende Nachfrage in Europa zu bedienen. Mit der Gründung der deutschen Tochtergesellschaft plant Rocket Lab, die Produktion in Deutschland um Satelliten, Nutzlasten und weitere Komponenten zu erweitern und eine regionale Plattform für Satellitenkonstellationen zu schaffen, um die wachsenden Anforderungen europäischer Kunden zu erfüllen.Anfang Juli teilte Rocket Lab die Übernahme von Iridium Communications für acht Milliarden Dollar mit. Der Raketenhersteller will damit zu einem integrierten Raumfahrtkonzern wie der größere Wettbewerber SpaceX werden. Die OHB-Tochtergesellschaft Rocket Factory Augsburg ist von Rocket Lab in diesem Jahr wegen Patentrechtsverletzungen vor dem Landgericht München verklagt worden. Hohe Kosten für den Ausbau der Startdienste und der Produktion von Raumfahrtsystemen haben die Profitabilität ⁠von Rocket Lab im zweiten Quartal belastet. Wie aus den am Montagabend veröffentlichten Zahlen hervorgeht, drücken die hohen ⁠Ausgaben für die Entwicklung und die Infrastruktur der neuen Neutron-Rakete auf die Ertragskraft.