Die DDR nebenan: Mirko Bonné kokettiert in „Kanzlerkino“ mit der Alternativweltgeschichte eines unvereinigten Landes.
Mirko Bonné zeigt genüsslich alle Insignien der Macht, von Architektur über Staatskarossen bis hin zum Hauspersonal, das parieren muss
Hans-Günther Oed/SZ/picture alliance
Nicht nur ein Lied, wie es im Schlager heißt, kann eine Brücke sein, auch ein Motto kann den Zugang zu einem Kunstwerk erleichtern. Die Verwendung von Motti ist für den Romanautor Mirko Bonné dabei eher die Regel als die Ausnahme. Das Motto im neuen Roman „Kanzlerkino“ wirkt seltsam abgebissen und ist Somerset Maughams Literatursatire „Rosie und die Künstler“ (1930) entliehen: „Ich weiß nicht, ob die anderen Menschen so sind wie ich.“
Bei Somerset Maugham folgt auf die zitierte Feststellung seines Alter Egos Philip Carey, der bereits in dessen Hauptwerk „Der Menschen Hörigkeit“ (1915) auftauchte, worauf in Bonnés Roman auch angespielt wird, das Eingeständnis eines Makels: „Ich weiß genau, dass ich Schönheit nicht lange betrachten kann.“ Darauf folgt ein Verdikt der Eingangszeile des „Endymion“ (1818) von John Keats. Sein Übersetzer Mirko Bonné übertrug sie so: „Ein Ding von Schönheit ist ein Glück für immer.“






