Deutsche Unternehmen wollen ihre Abhängigkeit von China verringern, das ist schon länger ein Thema in Wirtschaftskreisen. Und auch der Vorsatz, die Lieferketten insgesamt etwas breiter aufzustellen, damit sie globale Krisen besser überstehen, ist häufig in Vorstandsinterviews und Geschäftsberichten zu lesen. Aber gelingt das den Unternehmen auch? Dieser Frage geht die Commerzbank in einer Analyse nach. Das Ergebnis: Es hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, aber nicht alles läuft in die richtige Richtung.„Sensibilität für das Thema gibt es ja mindestens seit dem Jahr 2021, als es in der Corona-Krise größere Probleme mit den Lieferketten gab“, sagt Vincent Stamer, Volkswirt bei der Commerzbank und Autor der Studie. „Überraschend ist allerdings, dass gerade im Bereich Elektronik die Abhängigkeit von einzelnen Ländern stark zugenommen hat.“ Stamer hat untersucht, welche Produkte zu mehr als 50 Prozent aus einem einzelnen Herkunftsland eingeführt werden. Bei solchen Produkten geht er von einer starken Abhängigkeit aus. Im Bereich Elektronik ließ sich im Jahr 2019 eine solche Abhängigkeit nur bei drei Prozent der importierten Produkte feststellen. Im Jahr 2025 war der Wert auf 20 Prozent gestiegen.Untersucht wurden Zwischen- und Kapitalgüter, also Waren, die von der Industrie benötigt werden. Konsumgüter für den Einzelhandel blieben unberücksichtigt. „Da ist alles dabei, vom einzelnen Kabel bis zum Mikrochip“, sagt Stamer. Bei den Elektronikprodukten stieg auch der Wert der insgesamt eingeführten Waren deutlich an, von unter fünf Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 40 Milliarden Euro im Jahr 2025. Anders sieht es in der Chemie und im Maschinenbau aus: Dort sanken binnen sechs Jahren sowohl der Wert aller Importe als auch die Abhängigkeit von einzelnen Ländern.Dass gerade im Elektronikbereich die Abhängigkeit zugenommen hat, führt Stamer auf die wachsende Bedeutung von seltenen Erden zurück, die vor allem in China abgebaut und dort oft auch schon in Produkten verwertet werden. Weil es im Moment bei manchen dieser Metalle kaum andere Quellen gibt, müssen Firmen Bauteile für moderne Technologien aus China einführen. „China hat sich zum Teil als unersetzbarer Lieferant entpuppt und diese Entwicklung auch gezielt gefördert, etwa durch den Aufbau von Überkapazitäten“, sagt Stamer. „China liefert hohe Qualität zu einem günstigen Preis.“ Das gelte insbesondere auch für grüne Technologien, etwa für Batterien und Solarzellen.China ist nach wie vor das Land, aus dem die meisten Produkte importiert werden, bei denen eine hohe Abhängigkeit von einem einzelnen Land besteht. Das birgt Risiken für die deutsche Industrie – sie hätte schnell unter Engpässen zu leiden, wenn die Transportwege nach China gestört werden, wenn ein Konflikt in der Region ausbricht oder Handelsschranken aufgebaut werden. Allerdings zeigt die Studie auch, dass die deutschen Unternehmen durchaus versuchen, ihre Lieferketten breiter aufzustellen. So sind die Auslandsinvestitionen in China im Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Pandemie zurückgegangen. Dafür investierten deutsche Unternehmen in den Jahren 2024 und 2025 verstärkt in Industrieländer wie die Schweiz, Großbritannien oder die USA, aber auch in Länder wie Mexiko oder die Türkei.Nicht jede Alternative ist der Analyse zufolge gleich gut geeignet, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren. So sind etwa Staaten wie Vietnam, Thailand oder Mexiko selbst stark von chinesischen Produkten abhängig. Weniger hoch ist die Abhängigkeit dagegen in Brasilien, der Türkei und vielen Industriestaaten.Die Daten zu den Auslandsinvestitionen unterscheiden nicht zwischen Dienstleistungen und verarbeitendem Gewerbe – es ist also nicht klar, ob Geld für eine Fabrik oder das Büro einer Bank ausgegeben wurde. Die Commerzbank hat darum in ihrer Analyse die Geschäftsberichte von 91 börsennotierten Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe mit Blick darauf untersucht, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Lieferketten dort erwähnt werden. Etwa ein Fünftel der Unternehmen versucht demnach, einfach neue Lieferanten für die benötigten Produkte zu finden. Aber mehr als zehn Prozent planen auch den Aus- oder Aufbau neuer Produktionsstandorte im Ausland.„Verstärkte Investitionen in Industrieländer sind sicher der richtige Weg, um Lieferketten robuster zu machen“, fasst Stamer zusammen. Für die Firmen sei das aber eine Gratwanderung - denn die Produktion in Industrieländern sei teurer als etwa in China. Und die deutschen Hersteller müssen sich mit ihren Produkten auf dem Weltmarkt weiter gegen die günstige Konkurrenz behaupten. „Die richtige Balance zu finden, ist für den einzelnen Unternehmer sicher oft schwierig.“
„China hat sich zum Teil als unersetzbarer Lieferant entpuppt“
Deutsche Unternehmen versuchen, ihre Lieferketten weniger von einzelnen Ländern abhängig zu machen. Aber das klappt nicht immer.








