Also einmal so ganz frei von der Leber weg gesprochen: So richtig doll isses ja nun nicht, dieses „Like a Prayer“, das sich die Australier da diesen Sommer um die Ohren wehen lassen. Trotzdem oder wohl eher deswegen – was will man gegen die Logik des Massengeschmacks auch anstinken? – war es im Juli das meistgespielte Stück im Radio der Antipoden. Die Leute lassen sich eben alles Mögliche andrehen, auch ein mit Künstlicher Intelligenz noch zusätzlich verhunztes Madonna-Stück.Beim Gesang und beim Schlagzeug wurde technisch nachgeholfen. Letzteres wäre uns jetzt gar nicht aufgefallen, aber dass es nicht Madonna ist, die hier singt, das hört man natürlich. Heraus kommt nämlich, ob nun auf künstlichem oder auf natürlichem Wege, diese typische, nuschelnd-verhuschte, sich gelegentlich zu einem ungekonnten Kiekser aufschwingende und dabei unschön abgehackte – darf man überhaupt noch sagen: Intonation?, die man von allen Sängerinnen kennt, die sich irgendwie für „R&B“ halten und die man so oder so ähnlich bestimmt schon 10.000 Mal gehört hat, „austauschbar“ ist gar kein Ausdruck, und bei der es am Ende egal ist, von wem oder woher sie stammt.Wer hat das verbrochen?Der Mann, der das, man kann es zumindest in geschmackstechnischer Hinsicht gar nicht anders formulieren, verbrochen hat, heißt Josh Fawaz und ist von Beruf Discjockey, als der er natürlich genauso sein Auskommen haben muss wie Leute, die mit diesem Mist nichts anfangen können. So unerheblich dieses Lied auch ist – in Australien hat es nun aber Konsequenzen: Musik, die überwiegend oder sogar ganz mit KI gemacht ist, darf in den australischen Charts nicht mehr vorkommen. Die dafür zuständige Australian Recording Industry Association will nur Musik zulassen, die „wesentlich von Menschen gemacht“ wurde. Auf die Frage, ob dann überhaupt noch etwas übrig bleibt, wird die dortige Musikszene hoffentlich eine Antwort finden.Womöglich wird hier gerade ein weiterer Schritt zur Selbstabschaffung der Unterhaltungskultur und letztlich auch der -industrie durch Technik vollzogen. Man könnte nun mit den Achseln zucken: Na und? Musik „gehört“ wird schon lange nicht mehr richtig, dafür ist sie zu allgegenwärtig und -verfügbar. Als Hörer könnte man genauso gut taub sein oder sich wenigstens stellen – klingt, wie die Altvorderen schon über Musik sagten, die noch richtig gut war, eh alles gleich.Bleiben noch die Videos, ohne die digital praktisch gar nichts mehr gehört wird – sind die dann auch für die Charts verboten? Musik hören, ohne sie zu hören: Das wäre womöglich noch ein Geschäftsmodell, das am Ende sogar einen Beitrag zu gesellschaftlicher Inklusion leisten könnte. Wie hieß es über den Ende der Achtzigerjahre so erfolgreichen Musiker Sydney Youngblood, der wegen seines zuweilen etwas selbstverliebten Auftretens nicht allen gefiel? „Der erste Sänger, den auch Taube hassen können.“ Nun, mit Madonna wird man so etwas nicht gleich in Verbindung bringen; sie kann ja nichts dafür, dass jemand ihr Lied so dermaßen verunstaltet hat. Obwohl: Ihr Auftritt neulich beim WM-Finale wäre auch ohne Ton peinlich genug gewesen.
Australien cancelt KI-Musik
Heute noch so gut wie handgemacht? Ein mit KI hergestelltes Madonna-Lied mit Folgen: Australien verbannt jetzt Musik aus den Hitparaden, die überwiegend oder ganz mit KI generiert ist.











