ErklärtDer VW-Chef Oliver Blume will den Konzern radikal umbauen, um ihn zukunftsfähig zu machen. Die Belegschaft äussert Kritik. Anfang September dürften erste Entscheide gefällt werden.25.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDie Krise bei VW spitzt sich zu.Berit Kessler / ImagoDie deutsche Autoindustrie steckt in der Krise. Die Konkurrenz aus China, Zölle aus den USA und der schrumpfende Absatzmarkt führen zu einem Stellenabbau bei den grossen Automobilherstellern. Davon ist auch VW betroffen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Vorstandschef Oliver Blume beschrieb die Lage jüngst als «mehr als kritisch». Am Freitag, dem 4. September, will er erneut den Aufsichtsrat um Zustimmung für seine Sparpläne bitten. Die Führung will die Kosten massiv senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern.Deshalb bangt die Belegschaft um Arbeitsplätze und die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Um mehr Klarheit über die Situation zu schaffen, hat die Arbeitnehmervertretung zu Betriebsversammlungen geladen. Gleich neun ausserordentliche Versammlungen stehen zwischen dem 25. August und dem 31. August auf dem Programm.Warum muss der Konzern sparen?Laut Blume verdient VW zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. Bisherige Kürzungen reichten nicht aus. «Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert», beschrieb der VW-Chef das Problem in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde.Blume verwies auf die ernste Lage der deutschen Automobilindustrie. «Es ist keine VW-Krise, sondern eine Krise der gesamten Automobilbranche.» Als grosse Herausforderungen nannte er amerikanische Zölle, den Einbruch des chinesischen Marktes mit massivem Preisverfall, geopolitische Konflikte wie im Persischen Golf, den immer härteren Wettbewerb in Europa und massive Regulierungen.Was für Massnahmen werden erwartet?Die Sorgen in der Belegschaft sind gross. «Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm können wir heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre darstellen», sagte Blume jüngst. «Zusätzlich müssen wir in Europa Überkapazitäten von mehr als 500 000 Fahrzeugen pro Jahr abbauen.» Eine Entscheidung über konkrete Werkschliessungen ist laut Blume noch nicht getroffen worden.Ebenfalls ist unklar, wie viele Arbeitsstellen wegfallen werden. Erwartet werden aber massive Einschnitte. Blume verwies darauf, dass es seit Ende 2024 die Verständigung gebe, bei Volkswagen, Audi, Porsche und Cariad bis 2030 rund 50 000 Stellen in Deutschland abzubauen. Die bereits geplanten Einsparungen reichten allerdings nicht aus. Blume sagte: «Die häufig genannte Zahl von rund 50 000 Stellen weltweit ist dabei keine fixe Zielgrösse.»Diese Personen entscheiden über die Zukunft von VWWie jede deutsche Aktiengesellschaft hat auch VW einen Aufsichtsrat. Dieser lässt sich grob in vier Lager aufteilen. Das grösste Lager bilden die Vertreter der Arbeitnehmer. Wortführerinnen sind die Vorsitzende des VW-Betriebsrats und die Vorsitzende der Industriegewerkschaft IG Metall.Die weiteren Lager bilden die Regierung des Bundeslandes Niedersachsen, die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sowie Katar als drittgrösster Aktionär. Komplettiert wird der Aufsichtsrat durch eine Person, die ausserhalb der vier Interessengruppen steht. Dieser Sitz ist derzeit vakant.Wie wahrscheinlich sind Werkschliessungen?Blume dürfte Massnahmen wie die Schliessung von Standorten vorerst nicht durch den Aufsichtsrat bringen. Laut dem «VW-Gesetz» benötigen Entscheidungen über die «Errichtung und die Verlegung von Produktionsstätten» im Aufsichtsrat eine Zweidrittelmehrheit.Dabei sind die Positionen des Betriebsrats und der IG Metall sowie der niedersächsischen Landesregierung und der Oberbürgermeister der VW-Standorte weitgehend einheitlich: Drastische Schritte wie die Schliessung von Werken gelte es in jedem Fall zu vermeiden.Wie wird es in den kommenden Tagen weitergehen?In einer jüngst vom Betriebsrat initiierten Online-Erhebung zur Stimmungslage übte die VW-Belegschaft Kritik an der Kommunikation des Vorstands. Um mehr Klarheit über die gegenwärtige Lage zu schaffen, hat die Arbeitnehmervertretung zu Betriebsversammlungen geladen. Dabei soll der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen.Bis Ende August sind neun Veranstaltungen geplant, darunter Versammlungen in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal. Die erste Betriebsversammlung steht am Dienstag, dem 25. August, in Wolfsburg an. Tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover.Blume beschwor derweil den Zusammenhalt in der Belegschaft. «Alle müssen mitziehen», sagte er der «Bild am Sonntag». «Wir haben den grössten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt.» Die nächsten Jahre seien entscheidend dafür, «wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt».Mit Agenturmaterial.Passend zum Artikel
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