«Die Lage ist mehr als kritisch»: Der VW-Konzern steht vor entscheidenden WochenVorstandschef Oliver Blume fordert die Mitarbeiter zum «Mitziehen» auf, die rechnen in einer internen Umfrage mit dem Management ab. Der Streit um die Zukunft des grössten europäischen Industriekonzerns spitzt sich zu.Cornelius Welp, Frankfurt24.08.2026, 12.33 Uhr3 LeseminutenIMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON / www.imago-images.deDass Oliver Blume die Lage schön reden würde, lässt sich wahrlich nicht behaupten. «Die weltweite Autoindustrie ist in einer Mega-Krise. Und der Volkswagen-Konzern ist mittendrin», erklärte der Vorstandschef des grössten europäischen Industriekonzerns in der «Bild am Sonntag». In den nächsten Jahren werde sich entscheiden, «wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dass VW dabei auf der Strecke bleiben könnte, hatte Blume bereits in einem kurz zuvor in einem im Intranet des Autobauers veröffentlichten Interview durchblicken lassen. Die Situation sei «mehr als kritisch», sagte er da.Das Schlimmste verhindern soll ein von Blume und seinen Vorstandskollegen ersonnenes «Zielbild 2030.» Der VW-Chef sieht in diesem ein «umfassendes, weltweites Programm für Produkte, Technologien, Wettbewerbsfähigkeit, Strukturen und Wachstum.» Tatsächlich dürfte es vor allem darum gehen, die Kosten radikal zu drücken.Auch wenn Blume betont, dass noch keine Entscheidungen gefallen seien, stehen der zusätzliche Abbau von bis zu 50 000 Stellen und die Schliessung von vier deutschen Werken im Raum. Am 4. September wird sich der Aufsichtsrat mit dem Konzept befassen. Der Konzern steht vor zwei entscheidenden Wochen.Die Arbeitnehmer sind empört, die Politik warntIn einer Sitzung Anfang Juli hatten die Pläne des Managements im Kontrollgremium keine Mehrheit gefunden. Neben den Arbeitnehmervertretern hatten sich auch die Abgesandten des am Konzern beteiligten Landes Niedersachsen schon zuvor ablehnend zu dem Konzept geäussert. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte erklärte, das Land werde keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werkschliessungen als vermeintlich einfache Lösung setze oder die bewährte Mitbestimmung infrage stelle.Wie angespannt die Stimmung ist, zeigt ein Beitrag im Intranet des Konzerns, über den am Montag zunächst die «Süddeutsche Zeitung» berichtete. Dieser moniert unter anderem die «desaströse Kommunikation nach aussen durch den Vorstand.» In der vom Betriebsrat initiierten Umfrage äusserten die Beschäftigten zudem Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und Kritik an der Strategie für Kundenvertrauen, Zukunftsprodukte und Abläufe in der eigenen Organisation.Im Konzern läuft bereits seit Ende 2024 ein grosses Abbauprogramm, bis Ende 2030 sollen dadurch 50 000 Stellen entfallen. Dass das nicht genügen werde, hatte Blume schon Anfang des Jahres angekündigt. Mit knapp vier Prozent liegt die Rendite VW derzeit nicht einmal bei der Hälfte des Zielwerts. Niedrigere Kosten und einfachere Strukturen sollen das ändern. Ende 2025 arbeiteten weltweit rund 663 000 Menschen für den Autobauer, rund 284 000 davon in Deutschland.Als Ursachen für die dramatische Situation nannte Blume «Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiven Wettbewerb». Mögliche Fehleinschätzungen des Wolfsburger Managements über das Tempo der Transformation hin zur Elektromobilität und die Konkurrenz in China erwähnte Blume in diesem Zusammenhang nicht. VW ist besonders stark vom Einbruch des Geschäfts in dem asiatischen Land betroffen, der Absatz des einstigen Marktführers brach dort im ersten Halbjahr im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahr nochmals um fast 30 Prozent ein.Vier Werke müssen bangenIn den kommenden Tagen will sich das Management den Fragen der Arbeitnehmer bei eine Reihe ausserordentlicher Betriebsversammlungen stellen. Vorstandschef Blume soll in der Wolfsburger Zentrale sowie in den Werken in Emden und Zwickau dabei sein. Die Zukunft beider Standorte ist unsicher. Denn bisher ist unklar, welche Modelle die dort beschäftigten Arbeitnehmer nach 2030 zusammenschrauben sollen. Auch in Hannover und in der Audi-Fabrik in Neckarsulm könnte die Produktion auslaufen.VW-Chef Blume hofft trotz der angespannten Lage auf einen Stimmungsumschwung. Denn ohne den werde es nicht gehen. «Alle müssen mitziehen», sagte er. Dafür wird er viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.Passend zum Artikel