Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat mit Blick auf enorme Herausforderungen für den Autobauer an den Zusammenhalt aller Mitarbeiter appelliert. „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen. Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt“, sagte Blume der „Bild am Sonntag“.Die nächsten Jahre seien entscheidend, wer im Rennen bleibe und wer an die Spitze fahre. Es gebe enormen Spardruck, der auf einen fundamentalen Marktwandel und globale Verwerfungen zurückzuführen sei. Die weltweite Autoindustrie sei in einer Mega-Krise. „Und der Volkswagen-Konzern ist mittendrin. Geopolitik, Handelsbarrieren, Regulatorik, schwache Märkte und massiver Wettbewerb fordern alle“, so Blume.Ähnlich hatte sich der VW-Boss bereits in einem Interview geäußert, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde und der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Kurz vor einer Serie von Betriebsversammlungen beschrieb er dort die angespannte Situation für den größten Autobauer Europas. „Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte Blume. Blume hält den Konzern für überdimensioniert Der Konzern sei zwar handlungsfähig, habe aber auch akuten Handlungsbedarf. Der Vorstandschef verwies etwa auf 3,8 Prozent operative Rendite, die in dieser anspruchsvollen Situation zwar solide seien. „Aber sie reichen bei Weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel zu erwirtschaften für neue Technologien, neue Produkte und unsere Standorte.“Bisherige Einsparungen, etwa um durchschnittlich 20 Prozent gesenkte Fabrikkosten in deutschen Autofabriken im vergangenen Jahr, seien noch nicht ausreichend. „Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert“, beschrieb der VW-Boss das Problem. Blick in eine Produktionshalle mit Produktionslinie im Volkswagen-Werk Zwickau im Herbst 2025. © IMAGO/Chris Emil Janssen Blume hatte schon im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Noch vor der Sommerpause machte er klar, sein Maßnahmenpaket noch in diesem Jahr verabschieden zu wollen. Seitdem wird in der VW-Welt um vier Werke und bis zu 50.000 zusätzliche Stellen gebangt.Insgesamt sind in den nächsten Tagen bis Ende August neun Betriebsversammlungen, etwa in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal geplant, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Den Auftakt macht am 25. August Wolfsburg, tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover. VW-Chef: Keine Entscheidungen über konkrete Werksschließungen Mit Blick auf die als bedroht bezeichneten Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm wiederholte Blume im Interview, dass es für diese Standorte heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gebe. „Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen ist nicht getroffen“, sagte er. Denn eine fehlende Nachfolgebelegung sei noch keine Werksschließung.Für den Fall, dass für einen Standort keine Lösung gefunden werde, ende die Verantwortung von VW aber nicht. „Werksschließungen sind immer die teuerste und letzte Lösung“, sagte Blume. Sollten alle Anstrengungen nicht ausreichen, gehe es darum, neue Perspektiven zu schaffen – mit Partnern, Investoren, neuen industriellen Lösungen.Die häufig genannte Zahl von 50.000 bedrohten Stellen bezeichnete Blume als „keine fixe Zielgröße“. Sie errechne sich aus dem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb und gebe eine Orientierung, wie groß der Handlungsbedarf sei. (dpa/Reuters)
„Die Lage ist mehr als kritisch“: VW-Chef Blume hält bisherige Einsparungen nicht für ausreichend
Zehntausende Stellen sollen bedroht sein, ebenso Standorte. Es gebe akuten Handlungsbedarf, sagt Konzernchef Oliver Blume. Er schwört die Belegschaft auf schwierige Zeiten ein.










