Kanada will schon im Laufe des heutigen Dienstags Vergeltungszölle auf Einfuhren aus den USA verhängen. Das meldet die Nachrichtenagentur AP. Allerdings rückt die Regierung von der Absicht ab, die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump verhängten Sonderzölle in Höhe von 50 Prozent auf Waren im Wert von 20 Milliarden Dollar „Dollar für Dollar“ zu vergelten. Kanadas Ministerpräsident Mark Carney sagte heute vor Journalisten, die Vergeltung werde zielgerichteter sein und kanadische Arbeiter und Unternehmen besser vor den Folgen schützen.In der Nacht zum Samstag waren die Zollverhandlungen zwischen den USA und Kanada überraschend gescheitert. Carney hatte seine Unterhändler zurückbeordert. Nach kanadischer Darstellung entfernten sich die USA in letzter Minute von der Absprache, Autozölle zu senken und verlangten stattdessen weiter hohe Zölle für mittelschwere Pick-up-Trucks. Fords Pick-ups der F-Serie und der Chevrolet Silverado von General Motors werden in Werken in Ontario gebaut. Rund 20.000 Beschäftigte wären davon schwer betroffen gewesen. „Der Zoll wäre dort so hoch gewesen, dass sich das Produkt nicht mehr gerechnet hätte“, sagte Flavio Volpe, der als Chef der kanadischen Automobil-Lobby die Unterhändler berät, dem Sender CBC. Der Aktienkurs von Ford brach am Montag um 3,3 Prozent ein, der von General Motors um 1,1 Prozent, während die Stellantis-Aktie um 3,5 Prozent nachgab.Hat Howard Lutnick Schuld am Scheitern der Zollverhandlungen?Medien berichten übereinstimmend, US-Wirtschaftsminister Howard Lutnick, habe auf der harten Linie bestanden. Ein weiter Knackpunkt war laut kanadischer Darstellung, dass die USA Mitsprache bei Handelsabkommen haben wollte, die Kanada mit anderen Ländern schließt. Das wertet die kanadische Regierung als nicht hinnehmbare Einschränkung der Souveränität. Die US-Seite bestreitet das und wirft Kanada vor, mit späten Änderungswünschen den Kompromiss zunichtegemacht zu haben.Trump eskalierte im Laufe des Montags den Konflikt weiter mit persönlichen Angriffen auf Carney und den Ministerpräsidenten der Provinz Ontario, Doug Ford, nachdem dieser mehrmals im Laufe des Tages öffentlich gesagt hatte, Trump könne ihn mal gern haben, wenn auch in einer derberen Variante. Ford beharrte darauf, dass das gesamte Arsenal an Vergeltungsinstrumenten geprüft werde. Er skizzierte die Möglichkeit, Stromlieferungen zu stoppen oder zu verteuern. Rund 1,5 Millionen US-Amerikaner in New York, Michigan und Minnesota werden mit Strom aus Kanada versorgt. Der Politiker der konservativen Partei kündigte eine Strategie an, die republikanische Regionen in den USA besonders treffe.Ford hob hervor, dass sich die Chefs der Provinzen und die Bundesregierung in Ottawa in diesem Konflikt eng abstimmten. Mehr als drei Viertel der Kanadier halten es laut einer neuen Umfrage für richtig, dass ihr Land die Handelsgespräche mit den USA abgebrochen hat. In der Umfrage des Angus Reid Institute sagten 76 Prozent, Kanada habe richtig gehandelt, indem es „die angebotenen Bedingungen ablehnte und die Verhandlungen ohne Handelsabkommen beendete“. 13 Prozent sahen das anders, elf Prozent waren unentschieden.Trump nennt Carney „Clown“Bevor Trump Ford und Carney in einem längeren Truth Social-Beitrag unter anderem als „Clowns“ bezeichnete, hatte er den Handelskrieg bereits auf derselben Plattform mit einem Beitrag verschärft. Kanada nehme die Vereinigten Staaten aus und sei selbständig nicht lebensfähig, schrieb er. Er kündigte im Beitrag an, die US-Zölle auf kanadische Autos, Autoteile und Stahl vom 1. Januar 2027 an auf 50 Prozent zu erhöhen.Weiterhin unklar ist, ob die seit diesem Wochenende geltenden 50 Prozent-Zölle überhaupt verfassungsgemäß sind. Verfassungsrechtler Ilya Somin, der geholfen hat, die sogenannten Liberation-Day-Zölle zu Fall zu bringen, sieht in Trumps Vorstoß einen weiteren Versuch, sich die Autorität anzueignen, Zölle zu verhängen. Section 338, auf dem die jüngsten Zölle fußen, gehört zum berüchtigten Smoot-Hawley-Zollgesetz von 1930, das die Weltwirtschaftskrise verschärfte. Somin verweist auf jüngere Zollgesetze, die Smoot-Hawley überholt und damit praktisch außer Kraft gesetzt hätten.Die neuen Zölle gelten unabhängig davon, ob die Waren den Regeln des Freihandelspaktes USMCA entsprechen. Oxford Economics schätzt, dass der effektive US-Zollsatz auf kanadische Exporte dadurch von 5,1 auf 6,9 Prozent steigt. Die wirtschaftlichen Folgen blieben begrenzt, wen auch einige Regionen und Industrien hart getroffen würden. Sollten die Spannungen allerdings dazu führen, dass der gesamte nordamerikanische Freihandelspakt nicht mehr verlängert wird, dann droht Kanada nach Angaben der Experten von Oxford Economics eine Rezession. Aber auch die USA würden die Folgen schmerzhaft zu spüren bekommen.
Zollstreit mit den USA: Kanada ändert Konfliktstrategie
Die kanadische Regierung will noch am Dienstag Vergeltungszölle gegen die USA verhängen, verzichtet aber auf eine Antwort „Dollar für Dollar“.













