Journalistin Attiah: »Kein triftiger und ausreichender Grund«

Genugtuung ist vielleicht ein zu kleines Wort für das Gefühl, das Karen Attiah gerade empfindet: Sie spiele gerade den Song »All I Do Is Win« von DJ Khaled, und zwar »ALLL DAYYYYYYYYYYYYYYYYY.« Das teilte die Journalistin über Bluesky mit , dem sozialen Netzwerk ihrer Wahl – auch wenn sie über Bluesky-Posts ihren Job verloren hatte.

Karen Attiah war seit elf Jahren im Meinungsteam der »Washington Post«, als die Hauptstadtzeitung ihr am 11. September 2025 wegen »groben Fehlverhaltens« mit sofortiger Wirkung kündigte. Das Magazin »Status« und sie selbst in einem Substack-Newsletter machten das Kündigungsschreiben öffentlich. Demnach wurde ihr ein Verstoß gegen die Social-Media-Richtlinien der Zeitung vorgeworfen, sie habe dadurch »die Integrität der Organisation geschädigt und potenziell die körperliche Unversehrtheit unserer Mitarbeitenden gefährdet«.

Was war geschehen? Attiah hatte auf Bluesky auf die Ermordung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk reagiert, sowie auf die Welle der Trauer darauf. »Mich zu weigern, meine Kleidung zu zerreißen und mir Asche ins Gesicht zu schmieren, um theatralisch um einen weißen Mann zu trauern, der Gewalt befürwortete, ist … nicht dasselbe wie Gewalt«, schrieb die Journalistin in einem der Beiträge . Sie beklagte, politische Gewalt werde mit unterschiedlichem Maß gemessen, wenn die Täter Weiße seien. Ein Grund dafür, dass es in Amerika so viel Gewalt gebe, liege darin, »dass von den Menschen erwartet wird, Fürsorge, Güte und Vergebung gegenüber weißen Männern zu zeigen, die Hass und Gewalt vertreten«.