Klaus-Michael Kühne lebte seit Jahrzehnten in der Schweiz, blieb aber Hamburger durch und durch. Er förderte Wissenschaft und Kultur, baute ein Luxushotel, finanzierte den HSV und wollte der Stadt eine neue Oper schenken. Doch der Antreiber war in seiner Heimat immer auch umstritten.Als Klaus-Michael Kühne und Wolf Biermann nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam die Schulbank des Heinrich-Hertz-Gymnasiums in Hamburg-Winterhude drückten, ließ sich schwerlich vorhersehen, wohin die Lebenswege der beiden führen würden. Der eine ging 1953 als überzeugter Kommunist in die DDR, wurde später von ihr ausgebürgert und zu einem der schärfsten deutschen Sänger des Widerspruchs. Der andere blieb zunächst in Hamburg, lernte Bank- und Außenhandelskaufmann und trat 1958 in das Familienunternehmen Kühne+Nagel ein. Der eine machte aus Worten sein Kapital, der andere aus Warenströmen ein Weltgeschäft. Und doch blieben beide auf sehr unterschiedliche Weise mit jener Stadt verbunden, in der sie als Schüler nebeneinandergesessen hatten.Biermann hat seinen früheren Klassenkameraden später gegen den Vorwurf verteidigt, er habe sich allein des Geldes wegen in die Schweiz verabschiedet. Kühne investiere schließlich enorme Summen in Hamburg. Er sei, so formulierte es Biermann in einem gemeinsamen Gespräch, „ein guter Sohn meiner Vaterstadt“. Dieser Satz traf das Verhältnis des Unternehmers zu Hamburg wohl besser als viele nüchterne Bilanzen. Denn Kühne verhielt sich tatsächlich wie ein Sohn, allerdings wie einer, der vor langer Zeit ausgezogen war, zu Reichtum gekommen ist und bei jedem Besuch findet, dass im Elternhaus doch dringend renoviert werden müsse.Nun ist Klaus-Michael Kühne im Alter von 89 Jahren gestorben. Über Jahrzehnte hinweg steuerte er von seinem Wohnort in der Schweiz nicht nur sein unternehmerisches Reich, sondern er versuchte auch immer wieder, seiner Heimatstadt Richtung und Tempo vorzugeben. Er kritisierte den Hamburger Senat, erteilte dem HSV Ratschläge, mal aus Fansicht, mal als Mäzen; er bewertete die Hafenentwicklung, errichtete ein Luxushotel, förderte den akademischen Logistiknachwuchs und bot schließlich an, der Stadt eine neue Oper zu bauen.Lesen Sie auchDas alles war in der Stadt nie unumstritten, im Gegenteil. Kühne war kein Geldgeber, der lediglich einen Scheck ausstellte und sich anschließend zur Seite setzte. Er wollte wissen, was mit seinem Geld geschah. Er hatte Vorstellungen, Erwartungen und Bedingungen. Das konnte anstrengend sein, aber es war konsequent. Wer Unternehmertum als die Fähigkeit begreift, Sachverhalte zu ordnen, Verantwortlichkeiten festzulegen und Ergebnisse einzufordern, der durfte kaum erwarten, dass Kühne diese Haltung ausgerechnet beim Verschenken großer Summen ablegte.Förderer der WissenschaftBesonders früh zeigte sich sein Interesse an der Wissenschaft. Aus einer 2003 gemeinsam mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg begonnenen öffentlich-privaten Zusammenarbeit entstand zunächst die Hamburg School of Logistics. 2010 wurde daraus die staatlich anerkannte private Kühne Logistics University. Ende 2013 bezog sie ihren Sitz in der Hafencity. Die Hochschule sollte nicht nur Nachwuchs für eine Branche hervorbringen, in der Kühne groß geworden war. Sie verband seinen geschäftlichen Erfolg mit dem Anspruch, Hamburg auch wissenschaftlich zu einem international beachteten Logistikstandort zu machen.Es war ein typisches Kühne-Projekt. Die Stadt verfügte über einen großen Hafen und über bedeutende Unternehmen der Transportwirtschaft, schöpfte dieses Potenzial nach seiner Auffassung aber wissenschaftlich nicht genügend aus. Also beließ er es nicht bei Kritik, sondern schuf eine Institution. Dass die Hochschule seinen Namen trägt, störte ihn erkennbar nicht. Falsche Bescheidenheit gehörte ohnehin nicht zu seinen hervorstechenden Eigenschaften. Aber auch seine Kritiker konnten schwer bestreiten, dass in der Hafencity etwas Dauerhaftes entstanden war.Zum Ehrenbürger reichte es nichtDie Stadt würdigte sein Engagement 2007 mit dem Ehrentitel eines Professors. Zum Ehrenbürger wurde Kühne trotz seiner großen Verdienste nicht ernannt, das war vermutlich in der SPD zu schwer durchzusetzen. Immerhin: Der Hamburger Senat verlieh Kühne 2017 anlässlich seines 80. Geburtstags die Ehrendenkmünze in Gold. Sie ist nach dem Ehrenbürgerrecht die höchste Auszeichnung der Freien und Hansestadt Hamburg und würdigte seine großen Verdienste um den Logistik- und Hafenstandort sowie sein vielfältiges Mäzenatentum. Kühnes Verhältnis zu seiner Geburtsstadt blieb dennoch weniger feierlich, aber dafür produktiver: Es beruhte nicht auf einem abgeschlossenen Lebenswerk, sondern auf einer fortgesetzten Einmischung.Dass diese Einmischung nicht immer nur gemeinnützig war, gehört zur Wahrheit seines Hamburger Wirkens. Als die Traditionsreederei Hapag-Lloyd während der Finanzkrise in schweres Fahrwasser geriet, beteiligte sich Kühne 2009 an ihrer Rettung und half mit, einen Verkauf an asiatische Investoren zu verhindern. Das war zugleich ein Geschäft und ein Bekenntnis zum Hafenstandort. Bei Kühne ließen sich unternehmerisches Interesse und Hamburger Patriotismus selten sauber voneinander trennen. Wahrscheinlich hätte er eine solche Trennung auch für künstlich gehalten.Noch inniger, komplizierter und öffentlichkeitswirksamer war seine Verbindung zum Hamburger SV. Kühne war nicht bloß Sponsor des Vereins. Er war Anhänger, Anteilseigner, Geldgeber, Mahner und bisweilen sein eigener Sportdirektor. Ab 2010 stellte er Geld für Spieler bereit, half bei Transfers, wandelte später Darlehen in Anteile um und unterstützte den Verein über die Jahre mit einem deutlich dreistelligen Millionenbetrag. 2015 erwarb er die Namensrechte am Stadion und gab der Arena den traditionsreichen Namen Volksparkstadion zurück. Er selbst nannte dies eine „Herzensangelegenheit“.Nach der Ausgliederung der Profiabteilung 2014 wurde aus dem Mäzen auch ein Anteilseigner. Im Januar 2015 wurden Darlehen in Höhe von 18,75 Millionen Euro in 7,5 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG umgewandelt. In den folgenden Jahren wuchs Kühnes Beteiligung weiter. Anfang 2025 stieg sie durch die Umwandlung eines 30 Millionen Euro schweren Wandeldarlehens auf rund 21 Prozent. Wenige Monate später verkaufte die Kühne Holding etwa 7,5 Prozent der Anteile an die Sparda-Bank Hamburg. Zuletzt hielt sie damit noch rund 13,5 Prozent an der HSV Fußball AG & Co. KGaA und blieb nach dem HSV e.V. deren zweitgrößter Gesellschafter. Über die Jahre erreichte Kühnes finanzielles Engagement für den HSV einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag. Selbst nach dem Teilverkauf blieb er über seine Holding der mit Abstand bedeutendste private Anteilseigner des Klubs. Zugleich sicherte sich die Kühne Holding 2025 erneut für zunächst drei Jahre die Namensrechte am Volksparkstadion. Rund vier Millionen Euro jährlich fließen dafür nach damaligen Angaben an den HSV, sodass die Arena mindestens bis 2028 ihren traditionellen Namen behalten soll.Das Fanherz allerdings sprach häufig durch Äußerungen in der Presse, gerade beim „Hamburger Abendblatt“ klingelte nach Niederlagen-Serien oder verpassten Aufstiegen gern mal das Telefon. Sobald beim HSV wieder einmal ein Trainer entlassen, ein Vorstand ausgetauscht, ein Aufstieg verspielt oder eine strategische Neuausrichtung verkündet worden war, musste niemand lange auf eine Wortmeldung aus der Schweiz warten. Kühne lobte selten vorbehaltlos und kritisierte meist konkret. Mal wurde beim Verein aus seiner Sicht „herumgewurstelt wie eh und je“, mal störte ihn die Transferpolitik, mal forderte er neue Personen oder neue Strukturen. Den Verantwortlichen blieb dann nur die schwierige Aufgabe, seine Millionen willkommen zu heißen und seine Ratschläge möglichst auf Abstand zu halten. Eine heikle Abhängigkeit, die auch immer wieder durch Fanproteste in den Kurven sichtbar wurde.Darin lag die ganze Widersprüchlichkeit dieser Verbindung. Kühne wollte sportlichen Erfolg ermöglichen, doch seine Zuwendungen waren kein verlässliches Mittel, ihn herzustellen. Er förderte große Namen und große Hoffnungen. Der erhoffte Glanz stellte sich oft nicht ein. Je größer seine Enttäuschung wurde, desto deutlicher fielen seine öffentlichen Urteile aus. Trotzdem kam er nie wirklich von diesem Verein los. Selbst wenn er erklärte, seine Begeisterung sei abgeflaut, blieb er Anteilseigner. Selbst wenn er die handelnden Personen scharf kritisierte, folgten später neue Gespräche oder neue Hilfen. Es war eine Beziehung, die aus Zuneigung bestand und deshalb besonders streitanfällig war.Und im Grunde charaktersierte das seine ganze Haltung zu Hamburg. Halb zog es ihn, halb sank er hin – und die Stadt wurde zum Geld- und Kritikempfänger gleichermaßen. Nicht alle hielten das für eine würdevoll-hanseatische Situation, andere verwiesen auf die großen Vorteile dieser Beziehung zu einem der reichsten Menschen Europas.Auch das 2018 eröffnete Luxushotel „The Fontenay“ an der Außenalster folgte dem Anspruch, Hamburg auf ein Niveau zu heben, das Kühne der Stadt zutraute und das er in ihr nicht immer vorzufinden meinte. Das Haus sollte internationale Maßstäbe erfüllen. Es wurde ein kreisrunder, heller, selbstbewusster Bau in bester Lage, ein großes Bekenntnis zur Stadt und zugleich ein wenig ein aus der Schweiz gelandetes Ufo mit Alsterblick. Kühne hatte nicht vor, sich unauffällig in die Hamburger Hotellandschaft einzufügen. Er wollte sie verändern. Auch fast zehn Jahre nach der Eröffnung ist es nur wenig im Hamburger Stadt- und Gesellschaftsleben angekommen. Wieder loswerden will es aber auch niemand.Überhaupt meinte Kühne, Hamburg leide weniger an fehlenden Möglichkeiten als an mangelndem Ehrgeiz. Noch Ende 2025 warf er der Stadt vor, „ein bisschen eingeschlafen“ zu sein. Wirtschaftlich sei sie nicht sehr bedeutend, dem Hafen gehe es schlecht, und auch in der Wissenschaft seien andere besser. Dem Senat hielt er vor, sich mit Mittelmäßigkeit zufriedenzugeben. Mit seinen Projekten wolle er dazu beitragen, „dass Hamburg ein bisschen aufwacht“. Es war eine harte Diagnose, ausgesprochen von einem Mann, der seit einem halben Jahrhundert nicht mehr in der Stadt lebte, sich aber weiterhin das Recht nahm, über ihren Zustand zu urteilen.Die Hamburger reagierten darauf, wie Hamburger auf auswärtige Ratschläge gewöhnlich reagieren: Sie hörten genau hin und bestritten zugleich die Zuständigkeit des Ratgebers. Kühne wurde bewundert, gebraucht, kritisiert und verspottet. Die Stadt war dankbar für sein Geld, blieb aber misstrauisch gegenüber seinem Einfluss. Er wiederum liebte Hamburg und fand zugleich regelmäßig, dass es seiner Liebe nicht gerecht werde. Das zeigte sich besonders beim geplanten Neubau der Staatsoper am Baakenhöft. Kühne und seine Frau Christine waren große Opernfreunde. Das bestehende Haus an der Dammtorstraße genügte seinen Vorstellungen nicht. Hamburg, so sagte er, sei als internationale und kulturell führende Stadt ohne ein Opernhaus von hohem internationalen Rang nicht komplett. Seine Stiftung erklärte sich bereit, den Neubau zu finanzieren, einschließlich möglicher Steigerungen der Baukosten. Die Stadt sollte das Grundstück überlassen, es erschließen und standortbedingte Aufwendungen bis zu einer vereinbarten Grenze übernehmen. Nach Fertigstellung sollte das Gebäude der Stadt geschenkt werden.Es war vermutlich das größte Geschenk, das Hamburg je von einem einzelnen Mäzen angeboten wurde. Und weil in dieser Stadt auch Geschenke zunächst gründlich auf ihre Nebenwirkungen geprüft werden, begann sofort eine Debatte über Kosten, Einfluss, Transparenz und demokratische Mitwirkung. Manche sahen eine Jahrhundertchance, andere eine Zwangsbeglückung. Kühne konnte mit dem zweiten Begriff vermutlich leben. Er wusste, dass Großzügigkeit und Macht bei einem Geschenk dieser Größenordnung nicht voneinander zu trennen waren.Über dem Opernprojekt lag jedoch von Anfang an ein Schatten, den weder spektakuläre Architektur noch ein großer Scheck beseitigen konnten. Kühne+Nagel hatte während der nationalsozialistischen Herrschaft Möbel und Hausrat deportierter und ermordeter Juden transportiert und gehörte zu den Unternehmen, die von der Ausplünderung verfolgter Familien profitierten. In der Hamburger Linken, bei Opferverbänden, Historikern und später auch bei Kulturschaffenden wurde Klaus-Michael Kühne vorgeworfen, eine transparente und öffentliche Aufarbeitung dieser Unternehmensgeschichte über Jahre verhindert oder zumindest nicht ermöglicht zu haben.Lesen Sie auchDas war keine nachträgliche Randnotiz zu seinem Mäzenatentum, sondern dessen wundester Punkt. Je größer die Projekte wurden, die seinen Namen trugen oder von seiner Stiftung ermöglicht wurden, desto lauter wurde die Frage nach der Herkunft des Vermögens und nach der historischen Verantwortung der Familie. Gegner des Opernprojekts demonstrierten gegen den Vertrag mit der Stiftung. Autoren zogen sich von einem nach ihm benannten Hamburger Literaturpreis zurück. Der Vorwurf lautete nicht, dass Kühne als 1937 geborenes Kind persönlich für die Geschäfte in der NS-Zeit verantwortlich gewesen sei. Er lautete, dass er als Erbe, Mehrheitsgesellschafter und öffentliche Figur eine Aufarbeitung hätte ermöglichen können.Kühne tat sich damit lange schwer. Noch im Frühjahr 2025 erklärte er, die Diskussion sei erst 70 Jahre nach Kriegsende aufgekommen und reiße alte Wunden auf. Erst später sprach er offener über die „böse“ und „peinliche“ Zeit, über die in seiner Familie wenig gesprochen worden sei. Er denke inzwischen mehr über das Thema nach, auch weil er ständig darauf angesprochen werde. Das war eine Bewegung, aber kein Abschluss. Die Auseinandersetzung um Kühne+Nagel und die NS-Zeit wird deshalb auch nach seinem Tod weitergehen.In dieser Debatte zeigte sich, warum Kühne bis zuletzt eine Reizfigur blieb. Er passte in kein einfaches Bild. Der Versuch, ihn ausschließlich als selbstlosen Wohltäter zu beschreiben, unterschlug die Macht, die mit seinem Geld verbunden war, seinen Schweizer Steuersitz und die unzureichend aufgearbeitete NS-Geschichte. Ihn nur als eigennützigen Milliardär zu sehen, wurde wiederum weder seinem Einsatz für Wissenschaft und Kultur noch seiner offenkundigen emotionalen Bindung an Hamburg gerecht. Er war weder Stadtheiliger noch bloßer Zwangsbeglücker. Sein Mäzenatentum war von denselben Eigenschaften geprägt wie sein Unternehmertum: Disziplin, Ungeduld, Größenbewusstsein und die Erwartung, dass aus Geld etwas Sichtbares entstehen müsse. Eine Hochschule, ein Hotel, ein Stadionname, ein Opernhaus. Kühne dachte in Institutionen und Gebäuden, in internationaler Konkurrenz und bleibender Wirkung. Er wollte Hamburg nicht nur helfen. Er wollte die Stadt verändern.Dabei brauchte er nach eigener Aussage weder „Schmeicheleien“ noch „Liebesbezeugungen“. Er wolle die Dinge von der Sache her angehen und gute Beiträge leisten. Das klang nüchtern und war vermutlich aufrichtig. Gleichwohl dürfte ihm nicht entgangen sein, dass mit jedem großen Projekt auch an seinem eigenen Nachruhm gebaut wurde. Benannt werden sollte die neue Oper zwar nicht nach ihm. Aber niemand würde vergessen, wem sie ihre Existenz verdankte.Die Stiftung regelt das ErbeDie Stiftung war für Kühne deshalb nicht bloß ein Instrument zu Lebzeiten, sondern die Konstruktion seines Vermächtnisses. Er und seine Frau Christine haben keine Kinder. Die bereits 1976 von Kühne und seinen Eltern gegründete Stiftung ist mit der Holding eng verbunden und arbeitet in den Bereichen Logistik, Klima, Medizin und Kultur. Sie betreibt und entwickelt eigene Projekte, statt nur Förderanträge zu bewilligen. Darin setzt sie die Arbeitsweise ihres Stifters fort: Themen auswählen, Strukturen schaffen, Verantwortung behalten.Zuletzt kümmerte sich Kühne noch um die mögliche Rettung des Elbtowers. Der unfertige Hochhausstumpf an den Elbbrücken war alles, was ihm an Hamburg missfiel, in Beton gegossen: ein übergroßer Anspruch, ein gescheitertes Geschäftsmodell und die Gefahr, dass am Ende niemand Verantwortung übernehmen wollte. Schon 2024 legte er Vorstellungen für eine Rettung vor und drängte auf ein gemeinsames Vorgehen von Stadt und privaten Investoren. Seine Holding war bereit, sich mit bis zu 100 Millionen Euro zu beteiligen. Später gehörte Kühne zu dem Konsortium um den Hamburger Unternehmer Dieter Becken, das über eine Übernahme und Fertigstellung verhandelte.Typisch war auch hier, dass Hoffnung und Skepsis bei ihm dicht beieinanderlagen. Er hielt es für möglich, dass der Turm als Ruine stehen bleiben müsse, und warnte davor, sich finanziell die Finger zu verbrennen. Dennoch ließ ihn das Projekt nicht los. Wenn der Elbtower schon begonnen worden sei, sagte er sinngemäß, solle man ihn auch vollenden und nicht den Stummel stehen lassen. Noch in seinen letzten Lebensmonaten war er damit beschäftigt, eine Lösung für eines der sichtbarsten Probleme der Stadt zu finden. Momentan sieht es nicht danach aus, dass diese Lösung schnell auf dem Tisch liegt.Mit Klaus-Michael Kühne verliert Hamburg eine zentrale Figur, an der sie ihre Vorstellungen von Bürgersinn, privater Macht, historischer Verantwortung und öffentlichem Anspruch verhandelte. Sie verliert einen Mann, der sich einmischte, weil er sich zuständig fühlte, obwohl er längst anderswo lebte. Einen Mann, über den man sich ärgern konnte und auf dessen nächsten Vorschlag man dennoch gespannt war. Einen Mann, der Hamburg häufig ungenügend fand und gerade deshalb so viel in diese Stadt investierte.Der Schüler aus Winterhude, den Wolf Biermann einen guten Sohn seiner Vaterstadt nannte, ist nun gestorben. Sein Einfluss endet damit nicht. Die Kühne-Stiftung wird die Hochschule tragen, kulturelle Einrichtungen fördern, das Opernprojekt vorantreiben und in der Stadt sichtbar bleiben. Auch der HSV muss nun keine Insolvenz fürchten, alles ist geregelt. Klaus-Michael Kühne hat Hamburg geprägt, als Unternehmer, Mäzen und Reizfigur. Seine Stiftung wird es weiter tun, aber vermutlich weniger emotional.
Trauer um Klaus-Michael Kühne: So prägte der Hamburger Mäzen die Hansestadt - WELT
Klaus-Michael Kühne lebte seit Jahrzehnten in der Schweiz, blieb aber Hamburger durch und durch. Er förderte Wissenschaft und Kultur, baute ein Luxushotel, finanzierte den HSV und wollte der Stadt eine neue Oper schenken. Doch der Antreiber war in seiner Heimat immer auch umstritten.











