Nachdem fünf Länder im Streit über die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest (ESC) in diesem Jahr ihre Beteiligung zurückgezogen hatten, hatte die veranstaltende Europäische Rundfunkunion (EBU) wohl Hoffnungen gehegt, dass zumindest ein Teil der Boykottländer zurückkehren könnte. Diese Hoffnungen haben nun einen Rückschlag erhalten: Der für die niederländischen ESC-Beiträge verantwortliche Sender Avrotros hat bekannt gegeben, auch 2027 nicht teilnehmen zu wollen. Die Veranstaltung sei nicht als neutral zu bezeichnen, verkündete der Sender in einer Pressemitteilung .Israel wird in dem Avrotros-Statement nicht ausdrücklich genannt, die Rede ist von »geopolitischen Spannungen im Mittleren Osten« und einem teilnehmenden Land, das »weiterhin an einem weitreichenden militärischen Konflikt involviert ist«. Letzteres könnte auch die Ukraine betreffen. Allerdings wird im weiteren Verlauf der Pressemitteilung Bezug genommen auf »das schwere menschliche Leid in Gaza und die anhaltenden Einschränkungen der Pressefreiheit«, die zu wachsenden Spaltungstendenzen um den Eurovision Song Contest geführt hätten.Die EBU hatte zuletzt an mehreren Regeländerungen für den Song Contest gearbeitet, die im Kontext der jüngsten Boykotte zu sehen sind. Bereits beschlossen wurde, dass Länder in »heikler geopolitischer Lage« nicht mehr als Gastgeber infrage kommen – selbst wenn ihr Beitrag im Wettbewerb siegreich gewesen sein sollte. Außerdem berichtete das schwedische »Aftonbladet« von einem Brief an die Teilnehmerländer mit dem Vorschlag, die Publikumsabstimmung komplett ins Internet zu verlegen und die Abstimmenden zu verpflichten, ihre Gunst auf mindestens drei Lieder aufzuteilen. Damit würden möglicherweise politisch motivierte Blockvoten unterbunden.