Der Hitzesommer 2026 mit Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius, extremer Trockenheit und unzähligen Tropennächten, in denen das Thermometer nicht unter 25 Grad gesunken ist, sind nach Ansicht der Frankfurter Klima- und Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodriguez (Die Grünen) „erst der Vorgeschmack auf das, was kommt“. In Frankfurt, das mit zu den Hitzeschwerpunkten in Deutschland zählt, habe es in diesem Jahr bisher 46 Hitzetage gegeben. Das sind so viele wie noch nie. Im Extremjahr 2018 hatte der Deutsche Wetterdienst 43 Hitzetage registriert, Tage, an denen die Temperaturen über die 30-Grad-Marke hinausgehen. Zu erwarten ist nach Angaben der Grünen-Politikerin künftig ein Klima mit „noch längeren und heißeren Extremphasen“.Eine abschließende Bilanz der Folgen von Hitze und Trockenheit für das Frankfurter Grün liegt noch nicht vor. Welche Schäden die Bäume genommen haben, zeigt sich in der Regel erst nach Monaten oder sogar Jahren. Zapf-Rodriguez hofft, mit dem nächsten Waldzustandsbericht einen ersten Einblick geben zu können. „Wir erwarten, dass sich der ohnehin nicht gute Zustand des Stadtwalds weiter verschlechtert hat.“Denn auch im Frankfurter Stadtwald habe es in den vergangenen Wochen gebrannt. Insgesamt sieben kleinere Brände hat es nach Angaben von Zapf-Rodriguez gegeben, insgesamt 8700 Quadratmeter Wald waren betroffen. Die Folgen des Rekordsommers sind aber umfassender: Erst in dieser Woche haben Umwelt- und Gesundheitsamt durch eine Wasserprobe im Main Blaualgen, sogenannte Cyanobakterien, in Höhe der Fähranlegestelle in Höchst nachgewiesen. Die Frankfurter, so die Ämter, sollten insbesondere dort den Kontakt mit Mainwasser vermeiden, da die durch die Bakterien gebildeten Stoffe gesundheitliche Beschwerden verursachen können.Die besten und beliebtesten Schattenspender: Bäume wie etwa am Mainufer in FrankfurtEmil EichingerDie Umweltdezernentin spricht von einem „brutalen“ Sommer, dessen Folgen sich schon jetzt in den Parks und an den mehr als 200.000 Straßenbäumen zeigten. „Viele Bäume werfen die Blätter schon ab wie im Herbst“, sagt sie. Das Grünflächenamt habe alles dafür getan, die jungen Bäume zu bewässern, und dafür andere wichtige Pflegearbeiten zurückgestellt. „Wie viele Bäume insgesamt abgestorben sind, ist noch unklar“, sagt Zapf-Rodriguez. Frankfurt müsse weiter darauf setzen, sogenannte klimaresiliente Baumarten nachzupflanzen. Arten, von denen viele aus dem Mittelmeerraum stammen und Hitze und Trockenheit besser vertrügen. „Wir brauchen aber auch mehr sensorgesteuerte Technik bei der Bewässerung und Gießpatenschaften“, sagt die Grünen-Politikerin. „Wir müssen als Kommune entschieden handeln.“Dazu brauche es eine ausreichende finanzielle Absicherung. „Das können wir Kommunen nicht allein auffangen“, sagt sie und fordert, dass Klima- und Hitzeschutz als kommunale Pflichtaufgabe anerkannt werde mit entsprechender Unterstützung durch Bund und Land. „Die Städte zukunftssicher zu machen, muss eine Gemeinschaftsaufgabe sein“, sagt Zapf-Rodriguez. Ihr Fazit: „Es muss etwas passieren.“ In einem Neun-Punkte-Plan für Frankfurt als „hitzeresiliente Stadt 2031“ hat sie nun ihre Lösungsvorschläge vorgelegt.Baum-Programme nach der 3-30-300-RegelMehr Bäume zu pflanzen hat für die Grünen-Politikerin oberste Priorität. Im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und SPD hatten sich die Partner vor der Sommerpause darauf verständigt, alle „Baum-Programme“ fortzuschreiben und die 3-30-300-Regel perspektivisch zu realisieren. Diese Regel hat ein Forstwissenschaftler entwickelt mit dem Ziel, für eine bessere Gesundheit mehr Natur in den städtischen Raum zu integrieren. Die Regel beinhaltet, dass jeder Stadtbewohner von seinem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen, jedes Stadtviertel einen Grünflächenanteil von 30 Prozent vorweisen und der Weg zum nächsten Park nicht weiter als 300 Meter sein soll.Zapf-Rodriguez weiß, dass es in Frankfurt Stadtteile gibt, die diese Regel mitnichten erfüllen, und nennt das Bahnhofsviertel, Höchst, aber auch Gallus- und Gutleutviertel. Nach dem Willen der Klimadezernentin sollen zudem mehr Flächen wie Plätze, Straßen, aber auch Parkplätze begrünt werden, Baumfällungen künftig kritischer überprüft werden, um kühle Orte zu erhalten. Die Grünen-Politikerin kann sich auch den Ankauf privater Flächen vorstellen, um dort neue Grünanlagen entstehen zu lassen. Sie will zudem für mehr Schatten sorgen, beispielsweise auch durch Schirme insbesondere auf Kinderspielplätzen. Und sie wirbt für die Nutzung etwa von Museen als kurzfristiger Möglichkeit, um Bürgern an heißen Tagen kühle Räume anzubieten. Die Stadt müsse in diesem Punkt dezernatsübergreifend zusammenarbeiten.Zudem will die Umweltdezernentin bis zum nächsten Sommer mindestens fünf Nebelduschen in der Stadt errichten lassen, die Zahl der Trinkbrunnen von derzeit rund 20 weiter ausbauen. Städtische Gärtner und Förster, aber auch die Mitarbeiter der Frankfurter Entsorgungsbetriebe sollen in den Sommerwochen zudem zu Zeiten arbeiten können, in denen Temperaturen und Sonneneinstrahlung noch erträglich sind.
Frankfurt braucht mehr Grün: Hitzesommer hat viele Bäume zerstört
Der heiße Sommer hat in Frankfurt eine Debatte um Lösungen für die Innenstadt entfacht: Mehr Grün, stärkere Entsiegelung, Schirme und Nebelduschen sollen künftig Abkühlung verschaffen.








