Frau Zapf-Rodriguez, was haben Sie sich als Frankfurterin an den Tagen mit 40 Grad und mehr von Ihrer Stadt gewünscht? Einen Badesee? Nebelduschen? Schattige Plätze?Der Badesee ist natürlich eine schöne Vorstellung, aber leider nicht umsetzbar. Ich würde mir noch viel mehr Stadtgrün wünschen, seien es Stadtbäume, aber auch Begrünung an Fassaden, auf Dächern und Plätzen, die immer noch nicht klimaangepasst gestaltet sind. All das werden wir in Zukunft brauchen, um die Stadt zumindest ein bisschen runterkühlen zu können und damit das Leben erträglich zu machen.Das Grünflächenamt hat begonnen, den grau gepflasterten Rathenauplatz in der Innenstadt mit Hochbeeten zu begrünen. Er wird nicht entsiegelt, erhält kein Schatten spendendes Dach. Warum nicht?Grundsätzlich muss man konstatieren: Diese Umbauten sind notwendig, weil man bis vor zehn, zwanzig Jahren immer noch steinerne, asphaltierte und zubetonierte Plätze geplant und gebaut hat. Jetzt ist endlich das Umdenken da, sodass wir anfangen, die Plätze klimaangepasst zu gestalten, zu verändern, aufzubrechen und zu entsiegeln. Wir haben vor einem Jahr zunächst den benachbarten Goetheplatz in der Innenstadt angepackt, haben den dunklen Belag gegen einen helleren ausgetauscht, die Bäume an eine Bewässerung angeschlossen, ein erstes großes Staudenbeet angelegt. Und jetzt geht es mit dem Rathenauplatz weiter.Warum wird es die angekündigte Beschattung nicht geben?Die Pergola, also eine Form von Schatten spendendem Dach, haben wir als Umwelt- und Klimadezernat noch auf der Agenda. Das ist nur durch die zentrale Innenstadtlage des Platzes ein recht komplexes Unterfangen mit unterschiedlichen Ämtern. Das ist gerade noch in der Abstimmung. Da geht es auch um Gestaltung und Ästhetik. Ich bin aber ganz zuversichtlich, dass wir in Zukunft beim Thema Beschattung weiterkommen werden.Wie sieht es mit dem dritten Areal in dieser Platzfolge in der Innenstadt aus, dem größten der drei Plätze, dem Rossmarkt? Der präsentiert sich steinern und grau mit nur drei Platanen am Rand.Es ist klar, auch der Rossmarkt muss verändert werden. Das stellt allerdings eine Herausforderung dar, denn Feste wie der Weihnachtsmarkt müssen auf dem Platz untergebracht werden. Die Ausgestaltung wird nicht einfach. Unter dem Platz befindet sich die Tiefgarage des Parkhauses Goetheplatz. Daher kann ich mir tatsächlich schwer vorstellen, dass auf dem Platz eines Tages großkronige Bäume stehen werden. Dennoch muss die gesamte Platzfolge am Ende eine klimaangepasstere Gestaltung haben.Frankfurts Umwelt- und Klimadezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Die Grünen) geht davon aus, dass der Sommer 2026 „das neue Normal“ ist.Maximilian von LachnerWährend der rekordverdächtigen Hitzewelle Ende Juni ist allenthalben zu hören gewesen, die Städte reagierten nicht schnell genug auf das sich verändernde Klima, seien weiterhin unvorbereitet.Ich hätte auch gerne, dass das alles viel schneller geht. Denn die Temperaturen in diesem Sommer zeigen uns ja, was unser neues Normal sein wird. Aber das Problem ist, dass unsere Prozesse langwierig sind. Nehmen wir den Riedbergplatz als Beispiel.Dessen Umgestaltung hatte Ihre Vorgängerin den Bewohnern des Stadtteils schon 2021 zugesagt. Jetzt heißt es, von Februar bis Dezember 2027 werde er umgebaut.Ja, da hat es Gespräche und Bürgerinnenbeteiligungen gegeben, dann eine erste Planung, Rücksprachen mit dem Ortsbeirat, Änderungswünsche. Auch dort gibt es unterschiedliche Nutzungsansprüche, es findet ein Wochenmarkt statt, die angrenzende Gastronomie hat eigene Wünsche. Es braucht Feuerwehrzufahrten. Und Bundeszuschüsse, die uns gewährt wurden, machen es erforderlich, dass die finale Realisierung noch einmal ausgeschrieben wird. Die Frage ist, an welchen Stellen macht man Einschnitte, um das Verfahren zu beschleunigen. Ich würde das nicht bei der Bürgerbeteiligung tun wollen, denn so ein Platz muss am Ende von den Menschen angenommen und genutzt werden. Dafür muss man sich meiner Ansicht nach die Zeit nehmen, damit es eine gute, durchdachte Planung wird.Was machen wir in der Zwischenzeit?Um es klarzustellen: Wir müssen die Plätze generell umplanen und neu gestalten. Kurzfristig können wir die sogenannten grünen Zimmer aufstellen oder nach anderen kreativen Lösungen suchen. Es gab am Atzelbergplatz in Seckbach schon einmal eine Bohnenlaube für einen Sommer. Das war eine Mischung aus Kunstprojekt und Klimaanpassung. Nebelduschen werden auch Abhilfe schaffen.Wo sind denn die im vergangenen Jahr angekündigten Nebelduschen?Sie zu installieren, ist ähnlich komplex wie das Netz an Trinkbrunnen in der Stadt auszubauen: Es braucht dafür den Wasseranschluss, also eine Leitung oder einen Hydranten. Dann ist es zudem eine gesundheitliche Frage: Durch die Vernebelung dürfen keine Krankheitserreger und Keime übertragen werden. Das heißt, es ist alles immer ein bisschen komplexer, als man vielleicht auf den ersten Blick denkt.Begehrt, aber selten: Schatten auf den steinernen Plätzen in der Frankfurter Innenstadt wie dem RathenauplatzMaximilian von LachnerAber Sie hatten im vergangenen Sommer doch an der Hauptwache eine Nebeldusche ausprobiert.Die uns mehrmals kaputtgetreten wurde. Wir brauchen ein Modell, das vandalismussicher ist, aber gleichzeitig mobil genutzt werden kann. Gerade in der Innenstadt gibt es viele Veranstaltungen, da wäre es sinnvoll, wenn man die Nebelduschen verrücken könnte. Das Klimareferat hat sich ein Modell ausgesucht, das gut funktionieren könnte. Es sollen testweise drei Exemplare bestellt werden, um auszuprobieren, ob sie auch technisch gut funktionieren, ehe wir in großem Stil und zahlreiche Nebelduschen kaufen.Dauert es so lange, weil es am Geld fehlt?Nein, an der Stelle ist nicht einmal das Geld das Problem. An anderen schon, etwa in Bezug auf Ausbau und Pflege des Grüns. Da sind die Ressourcen knapp, es fehlt an Geld und Personal.Das wird sich doch ändern: Im Koalitionsvertrag, auf den sich die neue Stadtregierung verständigt hat, heißt es: „Wir wollen die vorhandenen öffentlichen Grünflächen besser und konsequenter pflegen.“Mit den entsprechenden Ressourcen können wir das tun. Aber die Wahrheit ist, dass im Vergleich zu anderen Aufgabenfeldern, die der Magistrat wahrnimmt, Klima und Umwelt nicht das Riesenstück vom Kuchen abbekommen, um wirklich mit Nachdruck die Grüninfrastruktur auszubauen. Wir verwalten Defizite, das sage ich ehrlich. Das strukturelle Defizit im Grünflächenamt ist ziemlich groß. Das hat auch schon meine Vorgängerin kritisiert, und das schleppe ich jetzt weiter mit mir herum.Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir wollen Frankfurt, auch wenn das Klima sich erhitzt, als lebenswerte Stadt erhalten.“Ich würde mir sehr wünschen, dass wir als Koalition darauf wirklich einen neuen Schwerpunkt legen. Ich glaube, die Erfahrung aus der jüngsten Hitzewelle zeigt, dass es bitter notwendig ist, das zu tun. Dazu gehört die genannte Stadtplatzgestaltung mit mehr Schatten, insgesamt mehr Stadtgrün und Begrünung, aber auch Hitzeschutz für vulnerable Gruppen. Und natürlich mehr Starkregenschutz und insgesamt ein anderer Umgang mit Regenwasser. Das darf nicht einfach mehr so in die Kanalisation. Es gibt da schon ganz gute Beispiele, wie etwa das Neubaugebiet Hilgenfeld, bei dem das Regenwasser insgesamt im Quartier bleibt, mit großen Wurzelräumen für die Bäume und Retentionsflächen im Fall von Starkregen. Auch auf den neuen Spielplätzen am Liederbach und am Salusbach in Sossenheim soll das Regenwasser den Bächen zugeführt und in einer Zisterne das anfallende Hangwasser aufgefangen werden.Noch einmal zurück zum Thema Bäume, die, wenn sie alt genug sind, die größten Leistungen für die Klimaanpassung erbringen: Laut Koalitionsvertrag soll für jedes neugeborene Kind ein Baum gepflanzt werden. Das wären rund 12.000 Bäume im Jahr.Ich finde die Symbolik, die in diesem Ziel liegt, sehr schön: Wir heißen jeden kleinen Menschen in Frankfurt mit einem Baum willkommen, mit etwas, was dieser Stadt hilft, sich dem veränderten Klima anzupassen, also mit einem Zukunftsprojekt. Das macht für jeden Bürger deutlich, dass neue Bäume in der Stadt wirklich einen großen Stellenwert bekommen müssen. Die 12.000 Bäume im Jahr tatsächlich auch zu pflanzen, ist nicht ganz einfach.Was meinen Sie damit?Wir haben 2023 ein Stadtbäume-Programm aufgelegt und wollen bis 2030 insgesamt 10.000 neue Stadtbäume gepflanzt haben. Das ist insofern schwierig, weil U-Bahn-Schächte, Leitungen, Kanäle und Trassen aller Art es schwierig machen, an Straßen und auf Plätzen ausreichend Platz zu finden. Bisher haben wir pro Jahr rund 600 zusätzliche Stadtbäume gepflanzt. Nimmt man allerdings den Grüngürtel und den Stadtwald als Flächen hinzu, könnte es möglich sein, für jedes Kind ein Bäumchen zu pflanzen. Zwei bis drei Meter große Straßenbäume werden es allerdings kaum sein, die wir dann pflanzen. Aber wir brauchen mehr Bäume?Unbedingt. Ich fände es schön, wenn wir in Zukunft wirklich keinen Straßenzug in Frankfurt mehr ohne Bäume hätten. Und ich möchte noch etwas unbedingt anfügen: Es geht nicht nur um neue Bäume, wir müssen uns künftig mehr um den Schutz alter Bäume kümmern. Denn wir müssten Unmengen an jungen Bäumen pflanzen, um einen 60 bis 80 Jahre alten Baum zu ersetzen. Wir wollen deshalb auch die Baumschutzsatzung der Stadt noch einmal nachschärfen, um auch Privatleute noch stärker zu sensibilisieren. Einen alten Baum fällen zu wollen, etwa weil er zu viel Schatten wirft und so Wohnungen verdunkelt, darf mit Blick auf die Hitzewelle im Juni als Argument eigentlich nicht mehr angeführt werden.Der Rekordsommer 2018 und weitere heiße Sommer in der Folge haben die erste große Klimabewegung in Deutschland ausgelöst. Wünschen Sie sich dieses Jahr einen neuen Rekordsommer, damit das Thema Klimaanpassung politisch wieder wichtig wird?Das Thema ist schon sehr in den Hintergrund gerückt, was sich am Ende auch in den politischen Realitäten niederschlägt. Aber sich jetzt deswegen einen heißen Sommer mit Hitzetoten zu wünschen, wäre zynisch. Es darf nicht sein, dass wir erst Temperaturen von 40 Grad und mehr brauchen, um an Klimaschutz zu denken und zu realisieren, dass wir etwas tun müssen.
Hitzewelle: Wie Klimadezernentin Zapf-Rodriguez Frankfurt abkühlen will
Frankfurts Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodriguez wünscht sich mehr Tempo bei der Klimaanpassung. Vieles sei aber komplexer, als es auf den ersten Blick erscheine.







