Wo einst venezianische Mauern die Insel Meropi schützten, ankern heute Segelboote im ruhigen Wasser vor Kardamili. Marco De Rosa Zwischen Taygetos-Gebirge und Messenischem Golf liegt ein Griechenland, das sich dem Massentourismus noch widersetzt. Eine Reise entlang der West-Mani – zu steinernen Dörfern, türkisfarbenen Buchten und Menschen, die ihre Freiheit schon immer etwas ernster nahmen als andere.Christopher Nolans «The Odyssey» hat Messenien auf die globale Kinoleinwand gebracht. Gedreht wurde an der Bucht von Voidokilia, in der Höhle des Nestor und vor der Festung von Methoni. Nur eine Küste schaffte es nicht in den Film: die West-Mani.Vielleicht ist das ganz gut so.Der schmale Landstrich südlich von Kalamata gehört zum Peloponnes und fühlt sich trotzdem wie eine Welt für sich an: schroffer, steiniger und eigensinniger als das Griechenland der weissen Häuser und endlosen Sandstrände. Hier rücken die Ausläufer des Taygetos-Gebirges bis ans Meer, dazwischen stehen Zypressen, Olivenbäume und Dörfer aus Naturstein. Marco De Rosa Naturstein, blaue Fensterläden und Olivenbäume: Rund um Kardamili braucht die Romantik keine grosse Inszenierung. Auch historisch hält die Mani wenig davon, sich dem Rest des Landes anzupassen. «Sieg oder Tod» lautete der Wahlspruch der Manioten während des griechischen Unabhängigkeitskampfs – nicht «Freiheit oder Tod» wie im übrigen Griechenland.Freiheit, so ihre Logik, besassen sie bereits.Die schwer zugängliche Region wurde von den Osmanen nie vollständig unterworfen und bewahrte über lange Zeit eine weitgehende Autonomie. Der daraus entstandene Stolz ist bis heute geblieben. Bescheidenheit im Umgang mit der eigenen Herkunft gehört nicht unbedingt zu den hervorstechendsten Eigenschaften der Griechen.Noch heute wirkt die West-Mani, als würde sie sich nur ungern unterwerfen – dem Massentourismus genauso wenig wie einst den Osmanen. Entlang ihrer Küstenstrasse liegen drei Orte, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind und doch drei unterschiedliche Versionen eines griechischen Sommers erzählen: Kardamili für die Romantik, Stoupa für die Wassernymphen und Agios Nikolaos für das gepflegte Nichtstun. Drei Orte, drei Arten des griechischen Sommers