Von allen filmreifen Bösewichten, die die Welt derzeit in Atem halten, ist Kim Jong-un vielleicht der rätselhafteste. Vermutlich macht ihn gerade das so faszinierend für Donald Trump, der sich bereits in seiner ersten Amtszeit dreimal mit dem nordkoreanischen Despoten traf und vergangene Woche noch einmal auf ihr „gutes Verhältnis“ hinwies. Kim kujoniert die etwa 26 Millionen Einwohner seines Staates mit einer Mischung aus Steinzeitkommunismus und Fantasy-Märchen. Die Juche-Ideologie, von seinem Großvater Kim Il-sung in den Fünfzigern erdacht, wurde zu einem Personenkult um die Kims. Das oberste Prinzip der Juche ist die Unabhängigkeit, also wird jede Einflussnahme von außen abgelehnt. Es gibt Computer und Smartphones in Nordkorea, doch es ist schwer bis unmöglich, damit Kontakt zu jemandem aufzunehmen, der nicht in Nordkorea lebt.Das gilt natürlich nicht für Kim selbst, der in den späten Neunzigern in der Schweiz aufs Internat ging und heute 42 Jahre alt sein soll. Er hat eine Frau und eine Tochter, die als seine Nachfolgerin gehandelt wird. Seine Schwester ist die Propaganda-Ministerin und dementierte einen neuen persönlichen Kontakt zwischen Trump und Kim vergangenen Donnerstag. Allerdings sei das womöglich der einzige Punkt, über den sie „im Zusammenhang mit der Außenpolitik unserer obersten Führung“ nicht Bescheid wisse. Schon vor dem US-Präsidenten pflegte Kim eine illustre Freundschaft mit dem Klassenfeind.Vom Besuch des Basketballstars Dennis Rodman haben sich die USA noch distanziert – andere ZeitenDer Basketball-Profi Dennis Rodman war 2014 zu Besuch, um seinem „besten Freund“ vor Tausenden Zuschauern „Happy Birthday“ zu singen. Da war Rodmans Karriere in der NBA bereits lang vorbei, Kim Jong-uns Herrschaft allerdings gerade erst am Anfang. Das Gastspiel des US-Basketball-Profis fand nur wenige Wochen nach der Hinrichtung von Kim Jong-uns Onkel und anderen Funktionären statt. Mit diesen Morden sicherte der junge Kim seine Macht, die bis heute hält. Aus Washington kamen damals Proteste gegen Rodmans Besuch, es wurde Wert gelegt auf die Feststellung, dass er die USA nicht vertrete. So haben sich die Zeiten geändert.Das nordkoreanische Atomprogramm, das Trump mit seinen Treffen mit Kim eigentlich verhindern wollte, wurde weiterentwickelt, mittlerweile verfügt Nordkorea über mehrere atomare Sprengköpfe. Wie viele es sind, darüber herrscht Uneinigkeit zwischen Washington und Seoul – das sich von diesen Sprengköpfen unmittelbar bedroht sieht. Der Bruderstaat Südkorea sei heute der „Hauptfeind“ Pjöngjangs, wie Kim in einer Erklärung 2023 verkündete. Man strebe keine Wiedervereinigung mehr an. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung versucht es seit 2025 wieder mit einem versöhnlicheren Kurs, doch aus Pjöngjang kommt weiter Feindseligkeit.USA:Trump sucht Nähe zu NordkoreaDer US-Präsident lobt Machthaber Kim Jong-un für sein respektvolles Verhalten und plaudert geheime Angaben zu dessen Atomwaffen aus. Was stimmt daran?Tatsächlich braucht Kim einen äußeren Feind, um seine Macht zu sichern, eine Technik, die man auch von Männern wie Wladimir Putin und Benjamin Netanjahu kennt. Gute Verbindungen nach Seoul würden Kim nicht nützen, er kann sein Atomprogramm mit dem Geld finanzieren, das ihm die Rüstungsgeschäfte mit Russland und der Rohstoffhandel mit China einbringen. Gleichzeitig schwindet die Macht der USA in der Region, weil Trump sich für die komplexe geografische und historische Situation nicht ausreichend zu interessieren scheint. Daher vielleicht auch die eher abwehrende Reaktion aus Pjöngjang auf ein neues Treffen. Außer internationaler Anerkennung gibt es für Kim dabei nicht viel zu gewinnen. Trump hat bereits von selbst das militärische Bündnis mit Südkorea geschwächt, anzubieten hat er auch nichts, Nordkorea treibt keinen Handel mit den USA. Der US-Präsident hat sich und sein Land in die einzigartige Lage gebracht, dass er um ein Treffen mit einem der finstersten Machthaber der Welt werben muss.Handschlag unter, ja was denn eigentlich, Freunden? Der nordkoreanische Führer Kim Jong-un (links) und US-Präsident Donald Trump am 30. Juni 2019 in Panmunjom. Brendan Smialowski/AFP
Trump und Kim: Mein Freund, der Klassenfeind
Nordkoreas Führer Kim Jong-un braucht ein äußeres Feindbild, der US-Präsident irgendwelche Erfolge in der Region. Ein kompliziertes Verhältnis.














