Nicht nur für die Berliner Schülerinnen und Schüler geht es ab Montag wieder richtig los, sondern auch der politische Betrieb nimmt Fahrt auf. Das Bundeskabinett kommt Dienstag und Mittwoch zu einer Klausur auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg zusammen.Ziel wird es wohl sein, sich auf einen heißen politischen Herbst einzustellen. Die Zutaten dafür konnte man schon über den Sommer sehen: nach wie vor schlechte Wirtschaftsdaten, schlechte persönliche Umfragewerte, der Aufstieg der AfD und parteiinterne Diskussionen bei CDU und SPD.Bei beiden steht das Führungspersonal schwer in der Kritik. Die SPD-Chefs Klingbeil und Bas sehen sich massiver Kritik ausgesetzt, recht unverhohlen wird über deren Absetzung diskutiert. Und auch bei der Union sieht es nicht besser aus. Kanzler Friedrich Merz muss sich nicht nur mit miesen Umfragewerten herumschlagen, sondern auch an seiner Eignung als Kanzler gibt es parteiintern erhebliche Zweifel. Merz ist wieder im vollmundigen Ankündigungsmodus Viel wird davon abhängen, wie die Wahlen im September in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ausfallen werden. Die CDU wird dabei mit sich und ihrem Umgang nach links- und rechtsaußen ringen. Und der absehbare Aufstieg der AfD wird auch dem Kanzler angelastet werden, weil er mit großen Ankündigungen gestartet ist, aber dafür recht wenig sichtbar geliefert hat bisher.Auch jetzt ist Merz schon wieder im vollmundigen Ankündigungsmodus. Wachstum und Beschäftigung stünden im Fokus. Man habe vor der Sommerpause „historische Beschlüsse“ gefasst und müsse diese „jetzt so schnell wie möglich“ umsetzen. Auch daran wird er wieder gemessen werden.Für den Kanzler werden das nun die entscheidenden Wochen seiner Amtszeit. Was er jetzt nicht auf die Straße bringt, wird er kaum mehr schaffen. Im kommenden Jahr stehen gleich fünf Landtagswahlen an, unter anderem in seinem Heimatland Nordrhein-Westfalen. Zeit für große, grundlegende Reformen gibt es da nicht.Er muss also liefern und benötigt dafür etwas, was bisher fehlte: ein Gespür, wie man politische Ziele im Klein-Klein einer Koalition umgesetzt bekommt. Schafft er das nicht, ist ein vorzeitiges Ende seiner Kanzlerschaft möglich. Für Merz geht es in diesem Herbst also um seine ganze Kanzlerschaft.