Mit 84 wird Harrison Ford erneut zu Indiana Jones – für immerDer Star verwandelt sich nochmals in den Archäologen mit Hut und Peitsche: als digitale Kopie seiner selbst in einem Disney-Park. Ausgerechnet der notorisch mürrische Schauspieler wird dort zum ewig freundlichen Helden.Marc Zollinger23.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenReuters; Bearbeitung NZZaSEr überbrachte die Nachricht gleich selbst: In einem vorher aufgezeichneten Video kündigte Harrison Ford am alle zwei Jahre stattfindenden Kongress des Disney-Konzerns an, dass er mit 84 Jahren nochmals in die Rolle des «Indy» schlüpfen werde. Die News gingen sofort um die Welt, obwohl sie im Grunde in die Irre führen: Es gibt keine sechste Folge des Archäologen mit Hut und Peitsche. Ford leiht nur seine Stimme und seine Gestalt, damit ein Klon geschaffen werden kann. Der digitale Jones führt dann die Besucher durch einen der Disney-Parks in Florida, wo sie in den «Mythos der Jadeschlange» eingeführt werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Disney macht mit solchen Erlebnisparks bereits viel Geld und verspricht sich in Zukunft noch mehr davon. Der Konzern will darum rund 60 Milliarden Dollar in deren Ausbau investieren. Den «echten» Indy zu haben und nicht einfach eine gesichtslose Figur wie in bestehenden Parks, etwa in Tokio, macht dabei den Unterschied. Wie viel das gekostet hat, ist nicht bekannt. Gewiss nicht wenig: Der 84-Jährige gilt als ein harter Verhandler, der möglichst viel für sich herausholt. Es mag mit der in frühen Jahren erlebten Armut zu tun haben, dass Ford weiterhin im Geschäft bleibt. Nötig hat er es längst nicht mehr. Sein Vermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.Harrison Ford wächst in einem Vorort von Chicago auf, geprägt von den kreativen, aber unsteten Berufen seiner Eltern. Beide sind Schauspieler. Der Vater wechselt schliesslich in die Werbebranche, um die Familie durchzubringen. Der Bub ist schüchtern und wird von Mitschülern gemobbt. Bei den Pfadfindern findet er zu sich, bleibt aber labil. Am College, wo er Philosophie studiert, hat er depressive Phasen, in denen er sich kaum aus dem Zimmer traut. Weil er für seine Abschlussarbeit lange Passagen einfach abschreibt, wird er exmatrikuliert. Dass trotz dieser schwarzen Vorgeschichte einer der hellsten Sterne am Himmel von Hollywood aufgehen wird, schreibt Ford seinem «guten Glück» zu.Glück hatte er schon beim ersten Zugang zur Schauspielerei: Weil er seinen Notendurchschnitt verbessern wollte, besuchte der Schüchterne am College einen Theater-Workshop, ohne den Kursbeschrieb gelesen zu haben. «Ich glaube, ich fand einfach meinen Platz unter Geschichtenerzählern», erklärte Ford später in einem Interview. «Das hat meine Welt verändert, mein Leben verändert.»Es brauchte dafür aber Zeit. In den sechziger Jahren, als er in das Geschäft einstieg, gab es für ihn nur Nebenrollen. So brachte er sich das Schreinern selbst bei, um etwas Geld zu verdienen. Zu seinen Kunden gehörten auch Leute aus dem Filmbusiness. Der Legende nach zimmerte er eines Tages auch vor dem Büro von George Lucas, unter dessen Regie er bei «American Graffiti» mitgewirkt hatte. Drinnen wurde gerade ein Casting durchgeführt – für «Star Wars», das nächste Projekt von Lucas. Und so kam der Schreiner zu seiner ersten grossen Rolle: als zynischer Weltraumschmuggler Han Solo.Die meisten Filme, bei denen Ford danach mitwirkte, waren Flops. Bis er mit der Indiana-Jones-Reihe den Durchbruch schaffte. In der vom American Film Institute herausgegebenen Liste der grössten Filmhelden aller Zeiten steht Jones hinter dem von Gregory Peck gespielten Atticus Finch auf dem zweiten Platz, noch vor James Bond und Rick Blaine (Humphrey Bogart). Harrison Ford spielte sich in die Herzen der Zuschauer, weil er lässige Coolness mit Selbstironie zu paaren weiss – was sich mit seinem eigenen Charakter deckt und den Figuren eine gewisse Authentizität gibt.Mit zunehmendem Alter ist er indes immer kauziger geworden und leicht reizbar. Als Gast in den Fernsehstudios ist er deswegen längst gefürchtet. Er kann selbst hartgesottene Entertainer wie Jimmy Kimmel aus dem Konzept bringen. «Es gibt nichts Lustigeres, als Harrison Ford genervt zu sehen», sagt eine Schauspielkollegin.Er ist sozusagen der Indiana Jones im dritten Akt: nicht der Draufgänger mehr, sondern der Mann, der genug erlebt hat, um keine Geduld mehr für Höflichkeitsfloskeln zu haben. Die Indy-Animation im Erlebnispark von Disney wird die endlos freundliche Version von ihm sein – die es im echten Leben nie gab.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Warum Harrison Ford im Disney-Park für immer Indiana Jones bleibt
Der Star verwandelt sich nochmals in den Archäologen mit Hut und Peitsche: als digitale Kopie seiner selbst in einem Disney-Park. Ausgerechnet der notorisch mürrische Schauspieler wird dort zum ewig freundlichen Helden.







