PfadnavigationHomeGeschichteIndiana JonesMit Fedora und Peitsche – So wurde der „Lucasberger“ ein sofortiger FilmklassikerVeröffentlicht am 10.09.2025Lesedauer: 6 MinutenSchlangen mag er ganz und gar nicht: Harrison Ford als Indiana Jones in „Jäger des verlorenen Schatzes“Quelle: picture alliance/Collection Christophel/RnB/Paramount Pictures/Lucasfilm1981 vereinten die Blockbuster-Giganten George Lucas und Steven Spielberg ihre Kräfte, um einen perfekten Abenteuerfilm zu erschaffen: „Jäger des verlorenen Schatzes“. In der Hauptrolle des Indiana Jones brillierte Harrison Ford – zum Kummer eines anderen Schauspielers.Am Anfang stand eine Flucht: Regisseur und Autor George Lucas war im Mai 1977 mehr als zermürbt von den äußerst schwierigen Dreharbeiten seines Weltraum-Opus „Krieg der Sterne“ („Star Wars“) und den sehr skeptischen Beurteilungen des fertigen Materials durch befreundete Filmemacher und Studiobosse. Nun befürchtete er, dass sein Film an den Kinokassen ein kolossaler Flop werden würde. Um sich der drohenden Schmach zumindest eine Weile zu entziehen, flog er nach Hawaii, begleitet von seinem guten Freund Steven Spielberg. Letzterer gehörte zu den ganz wenigen, die das wahre Potenzial von Lucas‘ Werk erkannt und ihm Mut zugesprochen hatten. Und Spielberg wusste, wovon er sprach: 1974 hatte der Regisseur mit dem Horrorthriller „Der Weiße Hai“ („Jaws“) einen Megahit gelandet und damit das Zeitalter des modernen Blockbuster-Kinos eingeläutet. Der Dreh zu seinem Film war ähnlich schwierig wie der von Lucas verlaufen, und Spielberg hatte etliche Widerstände überwinden müssen – bis zum ersehnten Happy-End an der Kinokasse.Wirklich ablenken konnte Lucas das gemeinsame Sandburgen-Bauen am hawaiianischen Badestrand allerdings nicht. Er blieb angespannt, bis endlich der erlösende Anruf aus Hollywood kam: „Krieg der Sterne“ war ein enormer Hit, sogar ein popkulturelles Phänomen, alle waren wild nach seinem Film. Spielberg erinnerte sich später, wie Lucas nach einem großen Seufzer der Erleichterung gleich den Blick gen Zukunft richtete: Was stand als Nächstes an?Lesen Sie auchSpielberg antwortete Lucas, dass er gerne das nächste Kino-Abenteuer des berühmten britischen Geheimagenten James Bond 007 inszeniert hätte, die Produzenten ihm jedoch einen Korb gegeben hätten. „James Bond? Da hätte ich etwas Besseres für dich!“, rief Lucas. Lesen Sie auchEr stellte Spielberg seine Idee eines charismatischen Archäologen namens Indiana Smith vor, der mit einem Fedora-Hut auf dem Kopf in den 1930er-Jahren auf die Jagd nach mythischen Artefakten geht und bewaffnet mit einer Peitsche etliche gefährliche Abenteuer an exotischen Orten besteht. Inspiriert war das von den actionreichen, globetrottenden Bond-Filmen und den mit Stunts und Cliffhangern gespickten Fortsetzungsfilmen des Studios Republic, die Lucas in seiner Kindheit begeistert hatten, darunter die Abenteuer des ebenfalls peitschenschwingenden Westernhelden Zorro.Spielberg war begeistert, und so entwickelten die beiden mit Drehbuchautor Lawrence Kasdan in den Jahren darauf das Projekt, dessen Titel „Jäger des verlorenen Schatzes“ („Raiders of the lost Ark“) lauten sollte, und dessen Titelheld von Smith auf Jones umgetauft wurde. Für die Darstellung desselben einigten sie sich auf Tom Selleck. Dieser wollte die Rolle liebend gerne spielen, musste aber zähneknirschend absagen, weil sich die Jones-Rolle mit seiner Verpflichtung als TV-Ermittler Magnum überschnitt. Ein Glücksfall für Harrison Ford, der nun den Zuschlag bekam. Ford, der in „Krieg der Sterne“ den charismatischen Haudegen Han Solo gespielt hatte, war nicht der einzige bereits bewährte Mitarbeiter, den Lucas und Spielberg nun engagierten, auch der mehrfach Oscar-gekrönte Komponist John Williams, der die legendären Filmmusiken zum „Weißen Hai“ und „Krieg der Sterne“ kreiert hatte, wurde wieder an Bord geholt. Mit seinem „Raider's March“ schuf er ein weiteres Ohrwurm-Titelthema, das noch heute fast jeder sofort erkennt.In der Presse hatte die vielversprechende Kombination aus Lucas und Spielberg bald einen Spitznamen weg: Ein „Lucasberger“ sei im Anflug auf die Kinoleinwände. Dessen Dreharbeiten verliefen deutlich reibungsloser als die der Vorgängerproduktionen, trotz logistisch schwieriger Drehorte wie Tunesien. Zwar litten dort etliche Crewmitglieder an Durchfall, darunter Harrison Ford. Dennoch sorgte dies nicht für Verzögerungen im Drehplan, weil man kreativ damit umging: Als Ford zwischenzeitlich zu geschwächt war, um vor der Kamera einen geplanten Kampf mit einem Widersacher bis zum Ende durchzustehen, ließ Spielberg (der keine Verdauungsprobleme hatte, weil er aus Vorsicht ausschließlich mitgebrachte Konservendosen-Nahrung aß) ihn den Gegner kurzerhand mit einem Revolver niederstrecken (obwohl einige Einstellungen des Kampfes schon abgedreht waren), als makabrer Gag inklusive genervt-ermüdetem Gesichtsausdruck. Die Szene ist seither ein garantierter Lacher beim Publikum.Als der Film 1981 in die Kinos kam, war er ein großer Hit und avancierte zu einem sofortigen Klassiker. 1984 folgte das nächste Indy-Abenteuer: „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ („Indiana Jones and the Temple of Doom“). Zwar war dieses Sequel nach Meinung mancher Kritiker etwas arg rabiat und düster geraten; auch Spielberg und Lucas schlossen sich später selbstkritisch dieser Meinung an. Doch die Fans waren erneut begeistert, und die Kinokassen klingelten. 1989 rundete dann „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ („Indiana Jones and the Last Crusade“) die Trilogie ab. Diesmal war Sean Connery als Indys Vater mit dabei – ein genialer Casting-Schachzug, war Connery als James Bond 007 doch eine der Haupt-Inspirationsquellen für den „Lucasberger“ und somit in doppelter Hinsicht Indys Vater.In den Jahren danach war immer wieder von Plänen für ein weiteres Sequel die Rede, etliche Drehbuchentwürfe wurden verfasst, doch Spielberg (der mehrfach anmerkte, mit dem dritten Film sei die Figur Indy für ihn auserzählt), Lucas und Ford konnten sich lange nicht einigen. 2008 kam dann schließlich doch noch eine weitere Fortsetzung auf die Leinwände, die einen gealterten Helden in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ („Indiana Jones and the Kingdom of the Chrystal Skull“) zeigte. Dessen recht hanebüchene Handlung und computereffektlastige Optik überzeugte viele Fans und Kritiker eher wenig, dennoch machte der Film Profit. Lesen Sie auchDaher ließ der Disney-Konzern nach dem Kauf von Lucasfilm (inklusive der Rechte an „Star Wars“ und „Indiana Jones“) im Jahr 2023 noch einen fünften Indy-Film folgen. Lucas und Spielberg waren nun nicht mehr involviert, stattdessen führte James Mangold Regie. Wie so viele Disney-Produktionen der letzten Jahre war „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ („Indiana Jones and the Dial of Destiny“) unausgegoren, wurde dem Geist des Originals nicht gerecht und biederte sich penetrant einem woke-feministischen Zeitgeist an. Das Ergebnis war ein Flop an der Kinokasse.Seither kursieren Gerüchte, dass ein „Reboot“ der Indy-Filme in Planung sei, mit einem neuen, jungen Darsteller des Titelhelden. Für die meisten Fans der alten Stunde klingt dies wie eine Drohung. Für sie endet die Indy-Saga ohnehin mit dem Schluss vom „Letzten Kreuzzug“, als Indiana Jones mit seinen Mitstreitern in den Sonnenuntergang reitet – ein perfektes Ende einer nahezu perfekten Abenteuer-Trilogie.