Pro ArtikelDer japanische Yen fällt und fällt: Die Abwertung ist ein Warnsignal in einer hochverschuldeten WeltJapan hat zunehmend Mühe, die eigene Währung unter Kontrolle zu halten. Eigentlich müsste die Notenbank die Zinsen erhöhen – doch die enorme Staatsverschuldung versperrt diesen Weg.23.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBesucher des Bergs Fuji: Der günstige Yen lockt mehr und mehr Touristen nach Japan.ImagoJapan ist den westlichen Ländern in vielerlei Hinsicht voraus. Das gilt besonders für die Überalterung der Gesellschaft. 30 Prozent der Menschen sind 65-jährig oder älter.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Vorreiter ist das Land ebenso bei der Staatsverschuldung. Diese beträgt 200 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Seit dem Platzen der Immobilienblase in den 1990er Jahren hat die japanische Regierung enorme Schulden angehäuft, um die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Parallel dazu führte die Notenbank schon im Jahr 1999 Nullzinsen ein – ebenfalls lange vor der übrigen Welt.Kritiker warnen zwar seit Jahren vor den Risiken dieser Politik. Bis heute aber ist ein Unfall ausgeblieben. Was viele westliche Staaten dazu bewogen hat, die Rezepte zu kopieren. Mittlerweile erregen Schuldenquoten von über 100 Prozent des BIP kaum noch Anstoss.In jüngster Zeit aber ist eine bemerkenswerte Entwicklung eingetreten: Der japanische Yen hat sich gegenüber den anderen Währungen mehr und mehr abgewertet. Erhielt man im Jahr 2011 für 100 Yen noch 1,3 Dollar, so ist es heute nur noch halb so viel, nämlich 0,63 Dollar.Die massive Abwertung erweist sich für gewisse Teile der Wirtschaft zwar als vorteilhaft. So können die Exporteure günstiger in andere Länder liefern. Zudem hat der günstige Yen viele Touristen ins Land gelockt. Langsam aber zeigen sich nun auch die Schattenseiten. In der Bevölkerung wächst der Unmut über die steigende Inflation. Vor allem Importgüter wie Lebensmittel und Energie haben sich stark verteuert.Die schwache Währung alarmiert inzwischen auch die japanische Regierung. Mehrfach hat sie signalisiert, dass sie den Yen stärken will. Doch wie? Der überzeugendste Weg wäre, wenn die Notenbank den Leitzins von derzeit 1 Prozent erhöhte. Damit würde der Yen umgehend an Attraktivität gewinnen.Gefahr durch höhere ZinsenDass dies nicht – oder höchstens zögerlich – passiert, hat einen simplen Grund: Der japanische Staat kann sich höhere Zinsen wegen der immensen Schulden schlicht nicht leisten. Schon jetzt ist die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf 2,9 Prozent geklettert – so hoch war das Niveau letztmals vor drei Jahrzehnten.Zwar besitzt Japan riesige Devisenreserven. Allein das Volumen an amerikanischen Staatsanleihen übertrifft eine Billion Dollar. Damit ist das Land der grösste Gläubiger der USA. Doch wenn Japan beginnen würde, seine Devisen zu verkaufen, um gegen den schwachen Yen zu intervenieren, bekäme Amerika ein Problem.Die Zinssätze der Staatsobligationen, die wegen des Schuldenwachstums bereits auf langjährige Höchststände geklettert sind, würden erst recht durch die Decke gehen. Dies hat die beiden Länder dazu bewogen, gemeinsame Stützungskäufe beim Yen durchzuführen. Geholfen hat es indes nur wenig.Der Yen wird damit zu einem Frühwarnsignal in einer hochverschuldeten Welt. Erodiert das Vertrauen der Finanzmärkte in die japanische Währung weiter, könnte dies die weltweiten Zinsen noch mehr in die Höhe treiben. Womit viele Staaten plötzlich gezwungen wären, den Gürtel enger zu schnallen und unpopuläre Sparmassnahmen zu ergreifen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Japanischer Yen schwächelt: Warnsignal für eine verschuldete Welt
Japan hat zunehmend Mühe, die eigene Währung unter Kontrolle zu halten. Eigentlich müsste die Notenbank die Zinsen erhöhen – doch die enorme Staatsverschuldung versperrt diesen Weg.






