Wird der Ukraine-Krieg noch zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre andauern, oder kann die Schlacht um den Donbass doch überraschend schnell enden? Die Ukraine schaut in einen düsteren fünften Kriegswinter, dabei ging man in der westlichen Medienlandschaft noch bis vor wenigen Wochen von einem baldigen militärischen Sieg der Ukraine aus.

Eine Bevölkerungs- und Mobilisierungskrise setzt dem kriegsgebeutelten Land zu. Und doch hält die Armee an der Front weitgehend stand, die eigene Drohnenkampagne gegen russische Raffinerien und Logistikzentren zeigt Wirkung. Ob die Ukraine einen Krieg dieser Intensität aber noch weitere vier Jahre durchsteht, steht in den Sternen.

Russland wiederum kommt an der Front nur schleppend voran, man zeigt jedoch immer wieder Anpassungsfähigkeit, sowohl militärisch als auch ökonomisch. Von einer Zersplitterung des Landes oder einem Ende der Herrschaft Wladimir Putins ist nichts zu sehen. Im Gegenteil: Russland präsentiert sich stabiler, als es viele westliche Militärexperten wahrhaben wollen.

Wie stabil sind die Ukraine und Russland?

Für Markus Reisner, Oberst des österreichischen Bundesheeres und einen der profiliertesten Militäranalysten zum Ukraine-Krieg, hängt die Dauer des Krieges vor allem von einer Variable ab: der Bereitschaft der russischen Gesellschaft, Putins Feldzug weiter zu tragen. „Der Krieg wird so lange dauern, wie die russische Bevölkerung bereit ist, Putins Krieg zu unterstützen“, sagt Reisner im Gespräch mit dieser Zeitung. Noch immer finde der Kreml trotz hoher Verluste genügend Kriegsfreiwillige, um sie an die Front zu schicken und die ukrainischen Streitkräfte langsam, aber stetig abzunutzen.