Im Mannheimer Carl-Benz-Stadion wurden am Freitag genau jene Bilder produziert, die künftige Dokus über Fangewalt oder Pyrotechnik illustrieren werden. Sie zeigen vermummte Fanmassen, die auf den Platz stürmen, Raketen, die in gegnerische Blöcke geschossen werden. Und Polizei, die mit Pferdestaffeln und Hunden das Spielfeld sichert, um ein Aufeinandertreffen der traditionell verfeindeten Anhänger zu verhindern.85 Menschen mussten am Freitag rund um die Pokal-Erstrundenpartie zwischen dem Drittligisten SV Waldhof Mannheim und dem Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern medizinisch betreut werden, 35 Polizeibeamte wurden verletzt. Mehrfach stand die Partie kurz vor dem Abbruch, der Anpfiff der Verlängerung, in der Lautern spät zum 1:0-Sieg traf, musste um 20 Minuten verschoben werden. Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) sprach von einem „Hochrisikospiel mit Ansage“, nicht zu Unrecht.DFB-Pokal:Ausschreitungen in Mannheim überschatten PokalabendDas Pokalspiel zwischen Mannheim und Kaiserslautern steht nach einem Platzsturm und Böllern kurz vor dem Spielabbruch. Letztlich gewinnt der FCK. Auch Stuttgart und Frankfurt erreichen die zweite Runde.Überrascht haben die schlimmen Bilder vom Freitagabend viele aktive Fußballfans höchstens in Bezug auf das Ausmaß der Ausschreitungen. Diese hatten sich angekündigt: Schon beim Heimspiel zuvor gegen den Karlsruher SC waren in Kaiserslautern die „Waldhof-verrecke“-Derbyshirts verkauft worden, die am Freitag die ganze Kurve trug. In Mannheim war hingegen ein Fake-Flugblatt („Übergänge an den Rheinbrücken geschlossen halten“) verteilt worden, auf dem vor einer „Lauternschweine-Pest“ gewarnt wurde. Beide Fangruppen hatten am Freitag zudem Besuch aus befreundeten Szenen in Frankfurt (Waldhof) und Stuttgart (FCK) erhalten. Ein friedlicher Ablauf der Partie war damit alles andere als wahrscheinlich.Schon unmittelbar nach der Auslosung war die Partie Mannheim – Kaiserslautern in Fankreisen als das Spiel der Spiele ausgemacht worden, und nicht etwa eine der Erstrundenpartien mit Bundesliga-Beteiligung, obwohl die fraglos den besseren Sport versprochen hätten. In den Kurven wird Fußball häufig anders rezipiert als vor dem Fernsehgerät. Die Attraktivität einer Partie bemisst sich dort nicht für jeden Fußball-Gucker nach der zu erwartenden Passqualität. Und für jede Fankurve wiegt ein verlorenes Derby schwerer als drei verlorene „normale“ Spiele.Waldhofs Sportdirektor klagt den FCK-Spieler Marlon Ritter anGenau deshalb sind oft auch Spieler Publikumslieblinge, die vom Gegner verachtet und vom eigenen Anhang geliebt werden. Spieler wie Lauterns Marlon Ritter also, der in jedes Derby geht, als wäre es das letzte und der sich natürlich auch am Freitagabend mittendrin in den Turbulenzen befand. Zumindest sah das Waldhofs Sportdirektor Mathias Schober so, der Ritter indirekt für die Eskalation in seiner eigenen Fankurve mitverantwortlich macht. Der Lauterer habe „in seiner Art und Weise, wie er gerne provoziert, Dampf abgelassen“, sagte Schober. „Er hat sich bei jeder Ecke Zeit gelassen, wirklich provoziert.“Immer wieder mittendrin im Geschehen: Lauterns Marlon Ritter. Ralf Brueck/Jan Huebner/ImagoDas stimmt zwar, Schobers Statement wirkte dennoch wie ein billiges Ablenkungsmanöver. Auch ein langsam ausgeführter Eckball rechtfertigt schließlich nicht, dass dutzende Waldhof-Fans ein Tor zum Innenraum aufbrechen und sich eine Prügelei mit der Polizei liefern. Wahr ist auch, dass die ganze Partie über allen voran aus den Heimbereichen immer wieder Gegenstände auf den Platz und die Lauterer Spieler geworfen wurden. Unmittelbar bevor die Mannheimer Kurve eskalierte und aus dem FCK-Block Feuerwerkskörper in Richtung Haupttribüne geschossen wurden, war Waldhof-Keeper Thijmen Nijhuis wie von der Tarantel gestochen auf Ritter zugerannt. Der war von einem Bierbecher getroffen worden und lieferte sich zu diesem Zeitpunkt ein Wortgefecht mit Gonçalo Gregorio.Ritter hatte sich allerdings schon weggedreht, die Gemüter schienen sich beruhigt zu haben. Bis Nijhuis herangestürmt kam, eine Rudelbildung entstand – und beide Fanlager durchdrehten. Ob der Waldhof-Keeper sich schlicht nicht unter Kontrolle hatte, oder ob er seine eigene Fankurve noch mal für die Nachspielzeit in Form bringen wollte, sei dahingestellt. Auch diese Verhaltensweise folgt einem Muster. Schon in der Vorwoche, beim ebenfalls brisanten Spiel gegen den KSC, hatte Ritter nach wenigen Minuten die ersten ernsten Gespräche mit dem Referee führen müssen. Es war aber auch gut zu erkennen gewesen, dass die KSC-Spieler Zweikämpfe mit Ritter regelrecht gesucht hatten.Genauso hielten es am Freitag die Waldhöfer Spieler – sicher auch in der Hoffnung, einen Platzverweis für einen Spieler zu provozieren, der bei Derbys ausschließlich aus Adrenalin zu bestehen scheint, der aber seine letzte rote Karte in der Saison 2013/2014 gesehen hat. Ritter mag ein Provokateur sein, er weiß aber genau, welche Linie er nicht überschreiten darf, um auf dem Platz zu bleiben.Mannheims Trainer Rui Mota verweigert FCK-Coach Torsten Lieberknecht den HandschlagZum Deeskalationstrainer taugt er allerdings genauso wenig wie sein Coach Torsten Lieberknecht. Der schaut nach brisanten Spielen immer besonders treuherzig drein, überzieht dem Vernehmen nach aber während der Partien verbal schon mal deutlich. Sein Mannheimer Kollege Rui Mota („Ich bin kein Heuchler“) verweigerte Lieberknecht nach dem Spiel jedenfalls den Handschlag und begründete das bei der Pressekonferenz: „Du musst dich auch während des Spiels benehmen. Danach braucht man mir nicht kommen mit ‚gut gespielt, wir haben gewonnen‘. Ich treibe mein Team auch an, und die andere Seite macht das auch – aber jemanden zu bedrohen. Das ist nicht der Weg.“FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen verurteilte hingegen die Geschehnisse auf den Tribünen. „Was auf den Rängen abgegangen ist, war furchtbar – von beiden Seiten. So darf ein Derby nicht ausarten, das schadet uns und dem Fußball“, sagte Hengen. Zwischenzeitlich habe er nicht geglaubt, dass die Partie zu Ende gespielt werden könne – dies gelang dem schwer geforderten Schiedsrichter Robert Schröder jedoch. Dass FCK-Spieler Ibrahim Kanaté kurz vor Ablauf der Verlängerung den Siegtreffer für seine Mannschaft erzielte, war am Ende bloß eine Randnotiz.
Ausschreitungen mit Ansage: Schlimme Bilder im DFB-Pokal zwischen Mannheim und dem FCK
Seit der Auslosung hat sich die Eskalation beim Pokalderby zwischen Mannheim und Kaiserslautern abgezeichnet – jetzt werden die Schuldigen gesucht.











