Verletzte und Festnahmen: Schwere Ausschreitungen bei Südwest-DerbyFeuerwerkskörper, Rudelbildung, Platzsturm: Beim Derby zwischen Mannheim und Kaiserslautern eskaliert die Rivalität. Die Polizei ermittelt in mehreren Fällen.22.08.2026, 10.09 Uhr3 LeseminutenPolizei reiten nach Pyroattacken von den Rängen durchs Feld im Carl-Benz-Stadion in Mannheim während der Spielunterbrechung.IMAGO/Oliver Zimmermann / Imago(dpa) Nach schweren Ausschreitungen am Rande des Südwest-Derbys im DFB-Pokal zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern sind laut Polizei 35 Beamte verletzt und mehrere Fussballfans vorläufig festgenommen worden. 85 Personen mussten medizinisch betreut werden, acht von ihnen wurden zur weiteren Behandlung ins Spital gebracht, wie die Polizei mitteilte. Bei den im dort behandelten Blessuren handelt es sich laut einer Sprecherin nach derzeitigem Kenntnisstand um leichte Verletzungen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Für Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber war nach den massiven Ausschreitungen «das Mass überschritten». Zugleich kritisierten der Österreicher und weitere SVW-Verantwortliche nach der 0:1-Niederlage in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den Erzrivalen aus Rheinland-Pfalz vor allem FCK-Kapitän Marlon Ritter.«Er hat permanent brutale Gesten gegen die Bank gefeuert, das ist geduldet worden. So hat man ein Problem», sagte Zuber, der die abgefeuerten Feuerwerkskörper der Gäste-Fans in Richtung der Haupttribüne verurteilte. «Das muss Konsequenzen haben. Es kann nicht sein, dass Leute gefährdet werden.»Ritter selbst meinte, es sei «wahrscheinlich auch zu viel gewesen von allen Beteiligten». Angesprochen auf die Mannheimer Vorwürfe erklärte der 31-Jährige aber auch: «Die Waldhof-Bank geht auch nicht jeden Sonntag in die Kirche.»Rudelbildung und FeuerwerkskörperFast durchgehend brannten in beiden Fan-Blöcken bengalische Feuer. Immer wieder flogen Knallkörper über das Spielfeld. Nachdem die reguläre Spielzeit torlos geendet war, entluden sich die Emotionen. Zunächst gerieten die Mannschaften in einer Rudelbildung aneinander - Ritter mittendrin. Anschliessend flogen aus dem FCK-Bereich Feuerwerkskörper in Richtung der Sitzplätze.Daraufhin stürmten Mannheimer Fans den Platz. Einsatzkräfte der Polizei – manche von ihnen zu Pferd – waren eingeschritten, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Insgesamt waren rund 1400 Polizeibeamte im Einsatz – darunter Beamte aus Rheinland-Pfalz und Bayern.Zeitweise drohte ein Abbruch der Partie. Der Anpfiff der Verlängerung musste infolge der Krawalle um etwa 20 Minuten verschoben werden, nach Wiederaufnahme des Spiels blieb es aber ruhig. Danach löschte die Feuerwehr einen von FCK-Anhängern im Gästefanblock gezündeten Brand.DFB kündigt Aufarbeitung anDer DFB hatte bereits unmittelbar nach Spielende auf die Ausschreitungen reagiert. «Der Deutsche Fussball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten», hiess es in einer Stellungnahme auf Instagram. Für sicherheitsgefährdendes Verhalten sei im Fussball kein Platz. «Der Sonderbericht wird entsprechend lang sein», sagte Referee Robert Schröder bei Sky.Der Veranstalter teilte mit, dass rund 23 500 Zuschauer das ausverkaufte Carl-Benz-Stadion in Mannheim am Freitagabend besucht hätten, darunter etwa 3500 Gästeanhänger. Die beiden Fan-Lager sind seit den frühen 1980er Jahren verfeindet und lieferten sich auch diesmal ein aufgeheiztes Duell auf den Rängen – inklusive Pyrotechnik, Feuerwerkskörpern und aufwendiger Choreografien.Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte sowie Verstössen gegen das Sprengstoffgesetz.Lauterns Geschäftsführer Thomas Hengen fand deutliche Worte für die Geschehnisse. «Das ist ein Derby, da sind die Emotionen gross, so etwas darf aber nicht ausarten. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fussball», sagte der Ex-Profi bei Sky. Für ihn waren das Einschreiten der Polizei und das umsichtige Agieren des Schiedsrichterteams entscheidend dafür, dass es nicht zum Spielabbruch kam.Auf dem Platz sei es eines Derbys «sehr, sehr würdig» gewesen, fand Lautern-Trainer Torsten Lieberknecht. «Das, was drumherum war, das wollen wir alle nicht sehen. Das ist auch nicht nachvollziehbar. Rivalität ja. Dass es aber so endet, ist schade für den Fussball.»Innenminister: «Kein normales Derby»Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) verurteilte die Szenen. «Das war heute in Mannheim kein normales Derby», erklärte er. «Wer den Fussball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller. Genau so werden wir diese Typen auch behandeln, um Recht und Ordnung in unseren Stadien durchzusetzen.»Kaiserslautern gewann das Spiel 1:0 nach Verlängerung. Den entscheidenden Treffer für den Zweitligisten erzielte Ibrahim Kanaté in der 120. Minute, wenige Momente vor einem möglichen Elfmeterschiessen. Ginge es nach Ritter, sollte das Sportliche überwiegen. «Für mich ist der Fussball nicht in den Hintergrund gerückt», sagte er. «Wir haben das Derby gewonnen. Das ist das, was am Sonntag und Montag in der Zeitung stehen sollte, uns gehören die Schlagzeilen.»Passend zum Artikel