Für eine Sekunde ist alles still. Es ist der Moment am Wahlabend, an dem alle das Ergebnis hören, aber noch niemand Gelegenheit hatte, etwas darüber zu sagen. Also kurz nach Schließung der Wahllokale. 18 Uhr und 1 Sekunde. Die Sekunde Null.Wir wollen die Zeit in diesem unheilvollen Moment einmal anhalten und alles, was geschieht, wie in Zeitlupe betrachten. Moderatoren stehen vor ihren Kameras, Politiker blicken auf ihre Leinwände. Dort sehen sie Balkendiagramme, Torten, Kurven. Die AfD hat bei der Bundestagswahl 36 Prozent erreicht und ist damit die stärkste Partei. Die Lämpchen an den Kameras leuchten rot, die Cursor blinken, die Handys vibrieren. Jetzt wissen es alle, jetzt muss jeder etwas sagen.Aber was sollen sie sagen? Es wurde schon so viel gesagt seit Gründung der AfD. So unendlich viel. Es wurde gewarnt vor den Radikalen und vor der Menschenfeindlichkeit und vor Rassismus und vor diesem und vor jenem, und schon diese Aufzählung erzeugt ein Gefühl von Dagewesenem, das man kaum noch hören kann, weil alles so oft probiert wurde, ohne eine Wirkung zu haben, wie ein viereckiger Satzbaustein, den man jahrelang durch ein rundes Ohr zu pressen versucht. Man merkt doch irgendwann: Er passt nicht durch.