Schweigen wäre hier Gold gewesen. Doch der Modedesigner Marc Jacobs entschied sich für „Ja“, als ihn die Podcast-Moderatorin von Vanity Fairs „Lie Detector Test“ fragte, ob er Luigi Mangione für dessen Gerichtsprozess einkleiden würde. Und dann, mit einem Lachen und einem Blick auf das Foto, das man ihm hinschob: „Ich finde, er sieht ziemlich gut aus, so wie er sich kleidet.“Mangione ist kein Model, kein Popstar, kein missverstandener Antiheld. Er ist der Mann, der nach eigenem Eingeständnis Brian Thompson, den Chef von UnitedHealthcare, von Minnesota bis nach New York verfolgte und ihn dort am 4. Dezember 2024 von hinten erschoss. Thompson war 50 Jahre alt und Vater von zwei Kindern.
Von O. J. Simpson bis Mangione: Warum Prozess-Mode fasziniert
Trotzdem ist um Mangione längst eine Faszination entstanden, die über den üblichen True-Crime-Sog hinausgeht.Weil er jung ist und gut aussieht und weil im amerikanischen Gesundheitssystem viele Dinge sehr falsch laufen. Dennoch: Er hat einen Menschen auf offener Straße getötet. Man muss sich fragen: Wann haben wir angefangen, einen Mörder wie eine Stilikone zu feiern?
Marc Jacobs stattete Wynona Rider für ihren Prozess aus
Die Antwort hat einen Namen: Trial Fashion. Mode im Gerichtssaal ist kein neues Phänomen. Spätestens seit dem live übertragenen Prozess gegen O. J. Simpson Mitte der 1990er wird jedes Revers, jede Bluse, jede Krawatte seziert wie eine Kollektion.Marc Jacobs kennt das Spiel besser als die meisten. Winona Ryder, Courtney Love, Lil' Kim – sie alle trugen in den frühen 2000ern seine Entwürfe vor Gericht. Auch Gwyneth Paltrow lieferte 2023 während ihres achttägigen Ski-Unfall-Prozesses ein Lehrstück in kalkulierter Understatement-Eleganz. Kleidung ist dort nie nur Stoff. Sie dient dem öffentlichen Image und der Verteidigung mit anderen Mitteln.








