Normalerweise herrscht in Panama im August Regenzeit. Doch die Niederschläge fallen in diesem Jahr dürftig aus. Zwischen Mai und August regnete es dort rund 34 Prozent weniger als im historischen Durchschnitt. Das hat auch Folgen für den Panamakanal, die für den dortigen Schiffsverkehr so wichtige Wasserstraße, die Atlantik und Pazifik verbindet.Denn die dortige Verwaltung senkt ab September die Zahl der Schiffe, die die Wasserstraße täglich passieren dürfen. So soll der Betrieb des Kanals weiter gewährleistet werden, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Der Kanal funktioniert mit Schleusen; jedes Mal, wenn ein Schiff durchfährt, fließt Süßwasser ins Meer ab. Die benötigten Wassermengen, um den Pegel dort zu halten, werden aus umliegenden Seen entnommen. Doch von dort kommt wegen des ausbleibenden Regens nicht genug Wasser nach.Trotz bereits ergriffener Wassersparmaßnahmen, seien nun zusätzliche Schritte erforderlich. Auch um die Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño abzumildern, das seine ersten konkreten Folgen in diesem Jahr nun am Panamakanal zeigt.El Niño ist eine von drei Phasen des Klimaphänomens ENSO (El Niño-Southern Oscillation). Vereinfacht gesagt erwärmt sich bei einem El-Niño-Ereignis die Wasseroberflächentemperatur im zentralen und östlichen Pazifik und verändert Wind- und Meeresströmungen. Das bringt das Wetter in gleich mehreren Regionen aus dem Gleichgewicht: Dort, wo es oft feucht ist, etwa in Südostasien, herrschen dann teilweise Dürren. In Teilen Afrikas oder Südamerikas kann es entweder zu Überschwemmungen oder ebenfalls zu mehr Dürren kommen. Schneller schlau: Die El Niño Southern Oscillation, kurz ENSO, ist ein Zirkulationssystem von Ozean und Atmosphäre, das zwischen drei Phasen wechselt: El Niño als Warmphase, La Niña als Kaltphase und der neutralen Phase. In der neutralen Phase sorgt niedriger Luftdruck über Australien/Indonesien und höherer Druck über dem östlichen Pazifik, vor Südamerika, für eine Ost-West-Luftzirkulation. Passatwinde treiben warmes Wasser nach Westen Richtung Südostasien und Australien, während vor Südamerika kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser aufsteigt.Bei El Niño schwächt sich dieser Druckunterschied ab, die Passatwinde lassen nach oder kehren sich zeitweise um. Das warme Wasser fließt zurück in den östlichen Pazifik und erreicht dort ungewöhnlich hohe Temperaturen, während der Kaltwasserauftrieb vor Südamerika ausbleibt. Wo warmes Wasser vorherrscht, erwärmt sich auch die Luft darüber, steigt auf und begünstigt Tiefdruckbildung und Niederschlag: In Südamerika kommt es dadurch zu starken Regenfällen und Überschwemmungen, während Teile Südostasiens und Australiens Dürre erleben. Bei La Niña verstärken sich die Passatwinde, drücken das warme Wasser noch weiter nach Westen, und vor Südamerika steigt verstärkt kaltes Tiefenwasser auf. Das kühlt den östlichen Pazifik ab und verstärkt das Hochdruckgebiet dort, was zu umgekehrten Wettermustern führt: mehr Regen in Australien und Südostasien, Trockenheit in Südamerika.Beide Phasen wirken über die sogenannte Walker-Zirkulation auch weit über den Pazifik hinaus, da die Luftzirkulationszellen entlang des Äquators miteinander verbunden sind. So bringt El Niño häufig Dürren ins südliche Afrika und die Sahelzone, während Ostafrika eher mit mehr Niederschlag rechnen muss.„Der letzte El Niño 2023 und 2024 hat zu explodierenden Kakaopreisen geführt“, sagt Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut in Bonn, einer der profiliertesten Kakao-Experten Deutschlands. Die Ernte verschlechterte sich, infolgedessen stieg der Rohstoffpreis für die Tonne zwischenzeitlich auf über 12.000 Dollar. Davor waren jahrelang Preise zwischen 2000 und 3000 Dollar Normalität.Stärkster El Niño seit Beginn der MessungenEl Niño tritt ungefähr alle zwei bis sieben Jahre auf. Üblicherweise beginne das Phänomen im Sommer der nördlichen Hemisphäre und erreiche dann im Spätherbst oder Winter seinen Höhepunkt, erläutert Andreas Fink, Professor für Meteorologie vom Karlsruher Institut für Technologie. Im folgenden Frühjahr bis zum nächsten Sommer schwäche es sich wieder ab und gehe dann in eine der anderen beiden Phasen über. „Gerade befinden wir uns also am Beginn“, sagt Fink. „Wobei die Anomalien dieses Jahr früh anfingen und bisher stark verliefen.“
Wetterextreme: Wo El Niño schon jetzt Probleme macht
Hitzewellen und Waldbrände toben in Europa – und die nächste Gefahr lodert anderswo bereits. Das könnte sich auch im Supermarkt bemerkbar machen: Lebensmittel könnten sich durch El Niño weiter verteuern. Ein Überblick.










