Es zeichnet sich seit Monaten ab, jetzt ist es praktisch Gewissheit: Die ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen im tropischen Pazifik kündigen das regelmäßig wiederkehrende Wetterphänomen El Niño an. Damit einher geht die Sorge vor mehr Extremwetter mit Dürren, Überschwemmungen und einer womöglich rekordbrechenden globalen Durchschnittstemperatur, wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf berichtet. „El-Niño-Bedingungen gießen Öl in das Feuer der globalen Erwärmung“, teilte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft mit. „Die Folgen werden noch heftiger und sich noch weiter ausbreiten.“Könnte starkes El-Niño-Ereignis werdenDie Wahrscheinlichkeit eines El-Niño-Beginns zwischen Juni und August liegt inzwischen bei 80 Prozent. Zu den Wintermonaten steigt sie auf mehr als 90 Prozent. Auch über einen besonders starken El Niño wird in Fachkreisen spekuliert: „Wir müssen uns auf ein möglicherweise starkes El-Niño-Ereignis vorbereiten, das Dürren und Starkregen verschärfen und das Risiko von Hitzewellen sowohl an Land als auch im Ozean erhöhen wird“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo.Zuletzt zeigte sich das alle zwei bis sieben Jahre natürlich auftretende Wetterphänomen 2023/24. Das war einer der fünf stärksten El Niños seit Beginn der Aufzeichnungen, die nach WMO-Angaben 1950 begannen. Das trug dazu bei, dass 2024 das bisher heißeste Jahr seit der Industrialisierung (1850–1900) war, gemessen an der globalen Durchschnittstemperatur.Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Jahre 2026 bis 2030 eine noch höhere globale Durchschnittstemperatur aufweist als das bisherige Rekordjahr 2024, liegt nach einem aktuellen WMO-Bericht bei 86 Prozent. Wegen des El Niño könne dies schon 2027 der Fall sein. 2024 lag der Wert rund 1,55 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau (1850–1900).Im 2015 in Paris verabschiedeten Weltklimavertrag haben Länder zugesagt, den menschengemachten Temperaturanstieg durch eine Minderung beim Treibhausgasausstoß begrenzen zu wollen. Damit sollen die schlimmsten Folgen des Klimawandels abgewendet werden. Die globale Durchschnittstemperatur soll möglichst nicht mehr als 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau liegen. Das Klimaziel gilt nach bisher verbreitet verwendeter Definition als gerissen, wenn die Durchschnittstemperatur in einem Mittel von 20 Jahren darüber liegt.El Niño kann Klimawandelfolgen verschärfenEin El Niño verschärft die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Die Auswirkungen sind mit Dürren und Überschwemmungen in Regionen insbesondere auf der Südhalbkugel zu spüren. Für Europa halten sich die Folgen in Grenzen.„Das erklärt sich vor allem daraus, dass Europa nun mal sehr weit weg liegt vom tropischen Pazifik, und bis das Signal zu uns gelangt, wird es von vielen anderen atmosphärischen und ozeanischen Einflüssen gestört“, sagt Daniela Domeisen von der ETH Zürich.Armin Bunde, Emeritus an der Universität Gießen, der selbst an El Niños forscht, verweist auf indirekte Auswirkungen: „So können schlechte Ernten im Pazifikraum zu höheren Preisen für Zucker, Kaffee und Kakao führen“, sagt er.Die Oberflächentemperatur an der Pazifikküste Südamerikas sei zwischen Ende April und Mitte Mai auf das Niveau wie in El-Niño-Jahren gestiegen, berichtete die WMO. Zusätzlich komme ungewöhnlich warmes Wasser aus tieferen Lagen hinzu, dessen Temperatur teils sechs Grad über dem langjährigen Durchschnitt liege.