Am kommenden Montag soll Frank-Walter Steinmeier den Schlüssel zu seinem neuen Amtssitz bekommen. Es ist eine hübsche Pointe der deutschen Staatsorganisation, denn der Bundespräsident braucht diesen Schlüssel eigentlich nicht mehr. Er arbeitet längst in dem Haus.

Seit knapp sechs Wochen weht die Standarte des Bundespräsidenten am Spreebogen. Am 10. Juli war sie um 9.30 Uhr vor Schloss Bellevue eingeholt und eine Stunde später über dem Neubau wieder gehisst worden. Ein goldfarbenes Tuch mit rotem Rand, in der Mitte der Bundesadler: Mehr braucht die Republik nicht, um zu zeigen, wo ihr Staatsoberhaupt gerade amtiert.

Nahe der Spree, in Sichtweite der Macht

Der Bau steht nahe der Spree, in Sichtweite der Macht. Er will kein Schloss sein. Über einem massiven Sockel liegen fünf Etagen aus Holzmodulen, darüber das Geschoss mit den Empfangsräumen. Die farbige Keramikfassade mildert seine Wucht. Das Ergebnis ist ein Verwaltungsbau mit Haltung: groß, kontrolliert, erstaunlich heiter.

Steinmeier wohnt hier nicht. Er arbeitet hier und empfängt Staatsgäste. Mit ihm kamen rund 220 Beschäftigte. Der Staat zog um – mit 900 Kartons, 950 laufenden Metern Akten, einem Flügel, Orden, Geschirr und rund 5000 Flaschen Wein. Es ist die Logistik einer Behörde und zugleich das Inventar der Republik.