An diesem Freitag ist es nach jahrelangen Planungen so weit: Der Bundespräsident zieht um. Sein bisheriger Amtssitz, das Schloss Bellevue, muss grundlegend saniert werden. Frank-Walter Steinmeier wird seine Amtsgeschäfte deshalb künftig in einem Neubau in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs führen. Mit den schönen Bildern von ausländischen Staatschefs, die vom Bundespräsidenten vor der Freitreppe von Schloss Bellevue empfangen werden, ist es also erst mal vorbei. Das neue Gebäude an der Elisabeth-Abegg-Straße liegt an einer unscheinbaren Straßenkreuzung.Für die Sanierung sind derzeit bis zu acht Jahre veranschlagt. Steinmeier wird in seiner Amtszeit, sie endet 2027, also nicht mehr in das Schloss zurückkehren. Und das nächste Staatsoberhaupt wird Bellevue nur dann als Sitz nutzen können, wenn es nach fünf Jahren für eine zweite Amtszeit gewählt wird.Für die Sanierung der gesamten Schlossanlage sind gut 600 Millionen Euro veranschlagtAm Freitag um 9.30 Uhr soll die Standarte des Bundespräsidenten an Schloss Bellevue eingeholt werden. Um 10.30 Uhr wird sie dann über dem neuen Amtssitz gesetzt. Mit dem Setzen der Standarte bezieht Steinmeier sein neues Amtszimmer und erledigt künftig von dort aus die Arbeit, die er bisher in Schloss Bellevue erledigt hat.Die Standarte, ein goldfarbenes, rotgerändertes Tuch mit dem Bundesadler, ist das Hoheitszeichen des Bundespräsidenten. Sie wird in dieser Form seit 1950 verwendet und immer dort gehisst, wo der Bundespräsident seine Amtsgeschäfte führt.Der Neubau mit seiner bunten Fassade wird bis zu acht Jahre lang das Bundespräsidialamt beherbergen. Danach sollen es andere Bundesbehörden nutzen. Bernd von Jutrczenka/dpaSchloss Bellevue ist seit 1994 erster Amtssitz des Bundespräsidenten. Jetzt wird die gesamte Liegenschaft, also nicht nur das Schloss, sondern auch das Verwaltungsgebäude, die Hauptwache, die Außenanlagen und die Infrastruktur grundlegend saniert. Derzeit sind dafür Kosten von insgesamt gut 600 Millionen Euro veranschlagt. Nach der Rückkehr des Staatsoberhaupts in das Schloss soll der Büroneubau in der Elisabeth-Abegg-Straße anderen Bundesbehörden zur Nutzung bereitgestellt werden.Der Bund der Steuerzahler bemängelt die hohen Kosten der Sanierung. Er verweist darauf, dass bereits die Startkalkulation einen Aufwand von mehr als 600 Millionen Euro plus einen Risikopuffer von 260 Millionen Euro vorsehe. Aus einschlägiger Erfahrung sei es fraglich, ob dies „das Ende der Fahnenstange“ sein werde. Außerdem seien in diesen Zahlen die Baukosten für den neuen Interimsbau noch gar nicht enthalten.Das Bundespräsidialamt beteuert jedoch, dass die umfangreiche Sanierung des Schlosses in dieser Form nötig sei. Denn es gehe „um die Sicherheit eines Verfassungsorgans, die Bewahrung eines Baudenkmals von nationaler Bedeutung, die klimagerechte Erneuerung und den dauerhaften Erhalt des Amtssitzes als zentralen Repräsentationsort des deutschen Staatsoberhaupts“. Mit dem Bundespräsidenten ziehen auch seine etwa 220 Mitarbeiter für die Dauer der Sanierung in den Interimsamtsitz um.
Abschied von Schloss Bellevue
An diesem Freitag zieht der Bundespräsident in einen neuen Amtssitz, einen Neubau in der Nähe des Hauptbahnhofs. Steinmeier wird nicht mehr ins Schloss zurückkehren.












