Die Einigkeit ist frappierend. Für die vier Trainerinnen und zehn Trainer der 14 Fußballteams der Bundesliga besteht kein Zweifel, wer in der neuen Spielzeit am Ende triumphieren wird: Sie legten sich unisono in einer Umfrage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf den FC Bayern München fest. José Barcala, der Coach des Topfavoriten, bekräftigte den Anspruch vor dem Auftakt: „Wir wollen den Titel verteidigen“, sagte der Spanier, der an diesem Freitag mit der Partie bei Union Berlin (18.20 Uhr live im ZDF und bei DAZN) loslegt. Es wäre die fünfte Meisterschaft in Folge.Doch die erfolgsverwöhnten Fußballerinnen des FC Bayern haben auch ein Problem – und dieses Problem ist die eigene Dominanz. Ähnlich wie im Männerfußball sind sie inzwischen so überlegen, dass sie im Alltagsgeschäft kaum noch an ihre Grenzen gebracht werden. Die Bayern-Frauen wurden vier Spielzeiten in Serie Meister, gewannen zweimal den DFB-Pokal und dreimal den Supercup. In der vergangenen Saison blieben sie in der Liga ungeschlagen (24 Siege, zwei Unentschieden) und hatten 16 Punkte Vorsprung vor Wolfsburg. Bilanz: 90:9 Tore. Die entscheidenden Belastungsproben finden immer häufiger in der Champions League statt.Stanway wollte raus aus der „Komfortzone“Die englische Nationalspielerin Georgia Stanway hat ihren Abschied aus München zwar nicht ausdrücklich mit der fehlenden Konkurrenz begründet. Sie sagte aber in einem „Kicker“-Interview, sie brauche „neue Anreize“ und wolle rechtzeitig aus ihrer „Komfortzone“ herauskommen: „Ich möchte nicht an den Punkt kommen, an dem ich das Training ein bisschen schleifen lasse.“Die englische Nationalspielerin Georgia Stanway spielt künftig für Arsenal LondonReutersDie Liga steht vor einem Dilemma: Um für neue Zuschauer attraktiv zu werden, braucht sie die besten Spielerinnen, aber damit diese auch bleiben, müssen sie gefordert werden. Spielerinnen vom Format einer Pernille Harder, 2018 und 2020 Europas „Fußballerin des Jahres“, sind in der Liga selten geworden. Stattdessen verliert sie immer mehr große Namen: Ewa Pajor wechselte zum FC Barcelona, Jule Brand zu Olympique Lyon, Géraldine Reuteler genau wie Georgia Stanway zum FC Arsenal.Nationalspielerin Klara Bühl entschied sich im Mai, trotz „sehr lukrativer Angebote“ aus dem Ausland noch ein Jahr beim FC Bayern zu bleiben. Sie wolle die eingeschlagene Richtung mit der jungen Mannschaft und Barcala weitergehen und dem Champions-League-Titel näherkommen. Gleichzeitig betonte sie jedoch den Wunsch, sich bestmöglich weiterzuentwickeln: „Für mich gilt es immer, zu schauen, wo der Weg der Mannschaft hingeht.“ Ihre Aussage lässt sich auch als Hinweis an den eigenen Klub lesen. Bayern muss Bühl davon überzeugen, dass ihre nächsten Schritte nicht nur in England, Spanien oder Frankreich möglich sind.Die Liga steht vor einer Übergangssaison mit Fragezeichen. Vom 1. Juli 2027 werden sich die 14 Vereine der höchsten Spielklasse eigenverantwortlich organisieren und nicht mehr vom DFB verwaltet. Analog zur Gründung der Deutschen Fußball Liga (DFL), die seit Kurzem unter dem Titel „Bundesliga“ firmiert, wurde dazu der Ligaverband „Frauen-Bundesliga“ (FBL) gegründet. Im September wird ein außerordentlicher DFB-Bundestag stattfinden, von dem das Plazet erwartet wird, das den Frauen den Weg in die Eigenständigkeit ebnet.Widerstand gegen TV-Pläne aus München und WolfsburgDirekt im Anschluss will die FBL-Spitze um die Frankfurterin Katharina Kiel den Vergabeprozess der TV-Rechte ab der Saison 27/28 starten – ein Projekt, das schon für Aufregung sorgte. Zuletzt brachten die Sendelizenzen rund fünf Millionen Euro pro Jahr, die paritätisch verteilt wurden. Bei der Frage, wie sich Erlöse und Reichweite steigern lassen, entstand unter Kiels Federführung die Idee, den Sendern auch ein Modell zu offerieren, das einen Modus vorsieht, in dem Meister und Absteiger durch Play-offs ermittelt werden.Widerstand der Branchenschwergewichte München und Wolfsburg folgte prompt. Dieter Hecking, der Geschäftsführer der Niedersachsen, sprach von einem „kontraproduktiven Eingriff in den Wettbewerb“. Auch Bianca Rech formulierte Widerspruch: „Der Versuch, die Attraktivität der Liga durch K.-o.-Spiele am Saisonende zu steigern, greift aus unserer Sicht zu kurz.“ Sie verlangte stattdessen die Bereitschaft aller Mitbewerber, „in ihre Mannschaften und ihre Talentförderung zu investieren, damit der reguläre Spielbetrieb Woche für Woche für sportliche Highlights sorgt“.Steigt Dyn als TV-Partner ein?Nach Informationen der F.A.Z. wird es schwer, von den Sendern mehr Geld als zuletzt zu erhalten. DAZN, so berichten es Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, überlege, seine Berichterstattung zurückzufahren; ähnliche Absichten gebe es auch bei Sport1. Sowohl die Telekom als auch ARD/ZDF hätten signalisiert, sparsamer haushalten zu wollen. Ob der neue Verbund Sky/RTL einsteigt, ist offen. Denkbar dagegen, so ist es zu vernehmen, dass Dyn Partien übertragen könnte. Die Streaming-Plattform wurde vor vier Jahren vom ehemaligen DFL-Geschäftsführer Christian Seifert gegründet. Als unlängst Klubvertreter in München zusammenkamen, um über die Ausrichtung der FBL und die Schärfung des Profils zu sprechen, war Seifert als Keynote-Speaker geladen.Neue Zahlen, wie es grundsätzlich um die Klubs bestellt ist, werden erst Anfang Januar publiziert. Noch hätten die Vereine „nicht alle relevanten Infos“ zusammen, sagte eine DFB-Sprecherin auf Anfrage. Der zuletzt publizierte Saisonreport, der die Spielzeit 2024/2025 (mit zwölf Teams) darstellte, gab ein mehrschichtiges Bild ab. Zum einen blieb der Zuspruch mit 355.000 Zuschauern (rund 2900 pro Spiel) konstant, womit die Bundesliga hinter der englischen Women’s Super League (6600 im Schnitt), aber vor der spanischen Primera División (1658) und der französischen Première Ligue (1400) lag. Die Gesamterträge stiegen um 36 Prozent auf 43 Millionen Euro. Aber das Defizit der Vereine betrug zusammengerechnet 27 Millionen Euro.Katharina Kiel zeigte sich beim Blick voraus optimistisch. „Wir sehen bei den Klubs höhere Investitionen, professionellere Strukturen und viele exzellente Spielerinnen“, sagte sie der F.A.Z., das mache den „Wettbewerb attraktiver“. Für eine „nachhaltige Entwicklung“ sei entscheidend, „dass die Zuschauerzahlen an den regelmäßigen Standorten wachsen“. Die Münchner Überlegenheit erkennt auch sie an. „Der FC Bayern wird wahrscheinlich ähnlich erfolgreich sein wie in den vergangenen Jahren. Der Klub ist in seiner Entwicklung einfach schon deutlich weiter als viele andere.“ Dahinter habe sich aber „eine Gruppe formiert, die inzwischen deutlich breiter geworden ist. Das Feld ist enger zusammengerückt“. Für mehr Spannung im Titelrennen reicht das noch nicht.