Als die Fußballerinnen des FC Bayern das letzte Mal im Stadion An der Alten Försterei zu Besuch waren, hatten sie sich nicht gerade wie gute Gäste benommen. Einfach alle Punkte mitzunehmen und nach einem 3:2 auch noch vorzeitig eine Party zur vierten Meisterschaft in Serie auf dem Köpenicker Rasen zu feiern – das war bei Union Berlin nicht so gut angekommen. Aber der Doublesieger dachte gar nicht daran, daran etwas zu ändern und am Freitagabend vor 17 083 Zuschauern Gastgeschenke an Union Berlin zu verteilen. Stattdessen nahmen die Münchnerinnen beim 4:1-Sieg zum Auftakt der 37. Bundesligasaison wieder alle Punkte mit.Es sei „ein Zeichen der Wertschätzung, dass wir die Saison eröffnen dürfen. Dem wollen wir gerecht werden“, hatte Union-Trainerin Marie-Louise Eta vor der Partie im SZ-Interview gesagt. Und es sah auch erst ganz danach aus, dass das ein guter Abend für ihr Team werden könnte, das mit vier Zugängen begann: Lisanne Gräwe, Jella Veit, Jill Janssens und Leela Egli. Die erste große Chance hatte Eileen Campbell schon in der siebten Minute, schoss jedoch wenige Zentimeter am linken Pfosten vorbei. In der 18. Minute probierte es Tomke Schneider aus der Distanz, diesmal parierte Ena Mahmutovic. Wenn es umgekehrt die Bayern versuchten, wehrten die Berlinerinnen jegliche Annäherungsversuche mit einer kompakten Defensive ab. Was dazu führte, dass die Münchnerinnen ihr gewohnt dominantes Spiel nicht aufziehen konnten.Es brauchte einen Standard, es brauchte Klara Bühl, um die Machtverhältnisse der vergangenen Saison herbeizuführen. Die deutsche Nationalspielerin schickte den Ball bei einem Freistoß in der 26. Minute mit viel Effet unhaltbar ins Toreck zum ersten Treffer der neuen Saison. Und dann verteilte Union noch unfreiwillig Geschenke in Form eines Egli-Fehlpasses, den Pernille Harder kurz nach der Pause kühl zum 2:0 nutzte. Was folgte, waren Chancen, doch es waren wieder die Standard-Künste von Bühl nötig, diesmal in Form einer Flanke, die Schneider und Janssens durchrutschte und schließlich von Bayern-Kapitänin Glodis Viggosdottier in der 60. Minute irgendwie mit dem Körper über die Linie zum 3:0 gebracht werden konnte.Spiel vorbei? Von wegen, dachten sich die Unionerinnen, die mehr Energie in der Offensive legten und so sehr auf den Anschlusstreffer drängten, dass er dann auch kam. In der 79. Minute landete der Ball nach einem Konter über eine Flanke bei der kurz zuvor eingewechselten Nele Bauereisen, die über zwei Bayern-Spielerinnen hinweg das 1:3 ins Tor köpfelte – und einen Jubel auslöste, als hätte Union damit nach einer Sonderregel gleich die Partie gewonnen. Weil es diese Sonderregel nicht gibt, weil die Berlinerinnen weitere Chancen ausließen und in der 90. Minute noch Bayern-Zugang Sophie Proost das 4:1 erzielte, siegte am Ende doch wieder jenes Team, das in der vergangenen Bundesligasaison schon von niemandem zu schlagen war.