Mehrere Expertinnen und Experten der Europäischen Zentralbank halten es für „wahrscheinlich“, dass die von KI-Werten getriebene Börsenrallye eine „Korrektur“ nach sich ziehen wird. Das lege die Forschung zu ähnlichen Entwicklungen rund um frühere technologische Revolutionen nahe, heißt es in einem Blogeintrag bei der EZB. Ein Kurssturz würde den Euroraum auf zwei Wegen treffen, warnt die Forschungsgruppe. Da wären zum einen die umfangreichen indirekten Anlagen in die Aktien der „Magnificent Seven“ – also der Tech-Konzerne Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Tesla – und zum anderen „das Ausmaß der Überhitzung an den Aktienmärkten des Euroraums selbst“. Laut der Gruppe wäre eine Korrektur sogar erwartbar, wenn die Bewertungen der Branche rational wären.

Zeitpunkt nicht vorhersagbar

In dem Text weist die Forschungsgruppe darauf hin, dass es für die „gegenwärtige Begeisterung rund um KI“ gleich mehrere historische Vorbilder gebe. Als bekannteste verweisen sie auf den Eisenbahn-Boom im 19. Jahrhundert, den Wirbel rund um Elektrizität und Radio in den 1920er-Jahren und die Dotcom-Blase Ende der 1990er. In allen Fällen habe eine „wahrhaft transformative Technologie“ Investitionen angezogen, woraufhin die Marktwerte von Firmen der Branche stark stiegen, bevor sie abstürzten. Dafür habe die Wirtschaftsforschung zwei sich ergänzende Erklärungen, die aber beide in der aktuellen Situation nichts Gutes verheißen. Für wichtig hält die Gruppe, die nicht für die EZB spricht, dass die Prognose einer Kurskorrektur nicht davon abhängt, ob die aktuellen Bewertungen rational sind oder nicht.