Die fünf Frauen waren sich schnell einig, was sie für das Wachstum ihrer Unternehmen brauchen. „Du musst mehr Präsenz zeigen. Aber halt nicht so, wie Männer das oft machen“, sagte Vanessa Dinger, die als Projektmanagerin arbeitet. Die anderen vier – eine Italienischlehrerin, eine Unternehmensberaterin, eine Hofinhaberin und eine Agenturchefin – stimmten ihr zu und tauschten Ratschläge aus.Das Gespräch der Frauen war eines von vielen, die am Donnerstag in den Räumen der Industrie- und Handelskammer am Frankfurter Börsenplatz stattfanden. Unter dem Motto „Wachstum. Wandel. Wirken“ kamen dort mehr als 400 Unternehmerinnen, Gründerinnen und Frauen aus der Wirtschaft zum 25. Hessischen Unternehmerinnentag zusammen. Das Interesse war so groß wie nie: Der Veranstalter Jumpp, eine Frankfurter Beratung für Gründerinnen, meldete mehr als 700 Anmeldungen.Die Statistiken zu Gründungen zeigen, dass der Weg zur Selbständigkeit nicht gleichmäßig verteilt ist: 2025 entfielen rund 37 Prozent der Gründungen in Hessen auf Frauen. Damit lag Hessen laut KfW-Gründungsmonitor etwa auf dem bundesweiten Niveau.Sorgearbeit als „wirtschaftspolitische Frage“Über die Hürden, die Frauen in der Wirtschaft zur Gründung überwinden müssen, sprach Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD). Familien müssten die Sorgearbeit gerechter verteilen, sagte der Minister. Zugleich brauche es „verlässliche staatliche Strukturen“, damit Menschen Beruf und Familie miteinander verbinden könnten. Das gelte auch für Frauen, die ein Unternehmen gründen wollten.Mansoori nannte außerdem die Probleme, die ihm Unternehmer in Betrieben immer wieder schilderten: fehlende Fachkräfte, hohe Energiekosten, Bürokratie und der schwierige Zugang zu Kapital.In seiner Einschätzung war Mansoori sich mit der Frankfurter Frauen-Dezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Grüne) einig. Auch sie sah die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wichtige Voraussetzung für mehr Frauen in der Wirtschaft. Zapf-Rodríguez betonte: „Frauen sind nicht die stille Reserve der Wirtschaft“, die man erst dann entdecke, wenn Arbeitskräfte, Ideen oder Wachstum fehlten. Frauen gründeten Unternehmen, schafften Arbeitsplätze und entwickelten neue Geschäftsmodelle.Die Dezernentin verwies zudem auf die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit. Sie sah darin keine private Angelegenheit, sondern „eine wirtschaftspolitische Frage“. Wer weniger Zeit für Familie, Netzwerke und Haushalt habe, könne schwerer ein Unternehmen aufbauen, Kontakte pflegen oder in Wachstum investieren. Frankfurt unterstütze Gründerinnen deshalb mit Angeboten wie dem Projekt Generation N, das Frauen bei der Unternehmensnachfolge hilft.Familienunternehmerin von Mansoori ausgezeichnetAls eines der „Female Role Models“, also als weibliches Vorbild aus der Wirtschaft, trat Louisa Cronau auf. Sie führt den Frankenberger Fertighausbauer Finger-Haus. Cronau berichtete, wie ihr die Erfahrung aus der Gründung eines eigenen Unternehmens beim Einstieg in die Geschäftsführung des Familienbetriebs geholfen hatte. Ihr Beispiel zeigte, wie etablierte Unternehmen vom Tempo und den neuen Ideen der Start-up-Welt profitieren können. Finger-Haus arbeitet mit Lovedis zusammen. Das Unternehmen bringt Start-ups mit Industrie und Forschung zusammen und unterstützt sie dabei, neue Technologien in der Praxis zu erproben.Den Hauptpreis des Tages erhielt Bianka Rössler. Mansoori zeichnete die Familienunternehmerin als Hessens Unternehmerin des Jahres aus. Rössler führt das Unternehmen Rössler Linie in siebter Generation, das Schifffahrten für private und geschäftliche Veranstaltungen anbietet. Mansoori würdigte sie als Beispiel für einen starken Mittelstand, der „Verantwortung übernimmt, Arbeitsplätze sichert und regionale Wertschöpfung schafft“.Zum Jubiläum blickten die Veranstalter auch auf die Geschichte des Unternehmerinnentags zurück. Beim ersten Treffen vor 25 Jahren nahmen rund 240 Frauen teil, erzählte Mitinitiator Sascha Gutzeit. Er organisierte die Veranstaltung über viele Jahre und arbeitet heute als Geschäftsführer des Beratungs- und Weiterbildungsunternehmens RKW Hessen. Vor 25 Jahren sei es für Frauen noch schwieriger als heute gewesen, in wirtschaftlichen Zusammenhängen ernst genommen zu werden. Männer strahlten seiner Erfahrung nach oft mehr Selbstsicherheit aus, Frauen bereiteten sich dagegen oft gründlicher vor: „Frauen müssen den Mut haben, selbstbewusster aufzutreten.“
Hessischer Unternehmerinnentag: Frauen sollen mutiger gründen
Beim Hessischen Unternehmerinnentag kommen mehr als 400 Unternehmerinnen, Gründerinnen und Vertreter aus der Politik zusammen. Die Frauen ermutigen sich, die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen.







