Noch bevor die 83. Filmfestspiele von Venedig am 2. September beginnen, hat ein Film in dem Wettbewerb einen Konflikt ausgelöst. Die ukrainischen Ministerien für Kultur und Außenpolitik protestieren gegen die Einladung von Ilja Chrschanowskis Mammutprojekt „DAU“ in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Der Regisseur ist in Russland geboren. Der Festivalchef Alberto Barbera weist die Vorwürfe scharf zurück: Der Film sei weder russisch noch Putin-Propaganda, sondern eine Abrechnung mit totalitären Systemen.

Das Filmprojekt, aus dem mehrere Filme hervorgingen, beschäftigt sich mit dem Leben eines Physikers (angelehnt an den sowjetischen Nobelpreisträger Lew Landau) in der Sowjetunion zwischen 1928 und 1968, der sein Genie in den Dienst des totalitären Staates stellen musste. In der ukrainischen Stadt Charkiw wurde zwischen 2008 und 2011 eine gigantische, sowjetisch anmutende Parallelwelt errichtet: Hunderte Beteiligte, viele von ihnen Laiendarsteller, lebten und spielten dort unter strikten Regeln. Aus dem Material sollte ein ganzer Kosmos von Filmen entstehen.

Der nun in Venedig gezeigte Teil mit 195 Minuten ist eine Koproduktion aus Deutschland, Frankreich und Schweden. In den Hauptrollen sind der Dirigent Teodor Currentzis, Radmila Schtschogolejewa und Anatoli Wassiljew zu sehen. Die Weltpremiere ist für den 9. September im Wettbewerb angesetzt.