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USA: Reizthema „Bezahlbarkeit“ – Wie die US-Bürger jetzt einkaufen Hohe Preise, steigende Kreditkartenschulden: Die Bilanzen der US-Einzelhändler zeigen, dass viele Verbraucher am Limit sind. Präsentieren die Wähler Trump im Herbst die Quittung?

Einkaufsstraße in San Francisco: Die US-Einzelhandelsumsätze sanken im Juli. Foto: BloombergNew York. Donald Trump zweifelt nicht: Die Lebenshaltungskosten, so sagt er, seien auf dem Weg nach unten. „Die Preise sinken schnell“, rief der US-Präsident auf einer Veranstaltung in Ohio vor wenigen Tagen.Dass die Verbraucher Geldsorgen hätten, sei eine Erfindung seiner politischen Gegner, sagte Trump an anderer Stelle. Das Thema „Bezahlbarkeit“, das vor den Parlamentswahlen im Herbst die Schlagzeilen bestimmt, nannte er einen „Betrug der Demokraten“.Hat Trump recht oder die Demokraten? Antworten auf diese Frage lassen sich an den Ladenkassen des Landes finden.In dieser Woche haben die großen US-Einzelhändler ihre jüngsten Quartalsergebnisse vorgelegt. Die Zahlen sagen etwas anderes als Trump: Die Einzelhandelsumsätze sanken im Juli um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat – der stärkste Rückgang seit Mai 2025. Gleichzeitig berichten Discounter wie Walmart, dass immer mehr Kunden zu ihnen kommen – und teurere Anbieter meiden.Der Grund dürfte in den hohen Preisen liegen: Die Inflation betrug im Juli 3,4 Prozent und überstieg damit erneut das Lohnwachstum. Das setzt Verbraucher zunehmend unter Druck – und damit auch den US-Präsidenten vor den wichtigen Kongresswahlen im November.Vor allem Walmart gilt als Hauptprofiteur der Sparsamkeit: Der größte Einzelhändler des Landes gewinnt Marktanteile meist dann, wenn Verbraucher von teureren Läden zu seinen Filialen wechseln. Walmart kann durch seine schiere Größe und Marktmacht oft günstigere Preise anbieten.Im US-Geschäft stiegen die Nettoverkäufe von Walmart im abgelaufenen Quartal um 3,5 Prozent auf 125,2 Milliarden Dollar, auch getragen von mehr Kundenverkehr (plus 1,5 Prozent). Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 0,81 Dollar über den vorherigen Erwartungen der Wall Street – und der Konzern hob seine Jahresprognose an.Anleihen Eine Billion Dollar Zinszahlungen im Jahr – die gefährliche Schuldenwette der USA Walmart stelle weiterhin fest, dass die Verbraucher finanziell stark unter Druck stünden, sagte Firmenchef John David Rainey dem Nachrichtensender CNBC. Das Unternehmen senke die Preise in allen Produktkategorien, einschließlich Rindfleisch, fügte er hinzu. „Wir würden die Preise gern noch weiter senken, um den Druck auf ihre Geldbörsen zu verringern.“Finanzieren will Walmart dies auch mit den Zollrückzahlungen der US‑Regierung. Rainey erklärte, das Unternehmen habe Anspruch auf Erstattungen in Höhe von rund 2,9 Milliarden Dollar, von denen bisher weniger als 100 Millionen Dollar ausgezahlt worden seien. Die Auswirkungen würden im dritten Quartal in der Bilanz sichtbar werden.Zurückhaltung auch im BaumarktDer Konzern TJX Companies meldete am Mittwoch wiederum eine Abschwächung bei seinen Bekleidungsdiscountern TJ Maxx und Marshalls im zweiten Quartal. Der Geschäftsbereich verzeichnete ein vergleichbares Umsatzwachstum von nur einem Prozent, was eine Verlangsamung gegenüber den sechs Prozent des Vorquartals darstellt.„Wir fürchten, dass dies mit einem niedrigeren Durchschnittsumsatz zusammenhängt, weil es seit anderthalb Jahren immer mehr Anzeichen für eine Schwäche der Konsumenten und Preissteigerungen gibt“, sagte Dylan Carden, Analyst bei William Blair, der Nachrichtenagentur Reuters. Konzernchef Ernie Herrman räumte vor Investoren aber auch Fehler ein und erklärte, dass sein Unternehmen bei TJ Maxx und Marshalls „den Mix im Sortiment besser hätte gestalten können“.Nicht nur bei der Kleidung, auch beim Heimwerken halten sich Amerikaner zurück. Bei Lowe’s, der zweitgrößten Baumarktkette des Landes, legten die vergleichbaren Umsätze nur um 0,2 Prozent zu – getragen vom Geschäft mit Handwerkern, dem Onlinehandel und Dienstleistungen. Das Geschäft mit den Heimwerkern schwächelte.Vor allem der schwierige Häusermarkt macht dem Unternehmen zu schaffen. Der durchschnittliche Zinssatz für eine gängige 30-jährige Festhypothek liegt bei rund 6,7 Prozent – vor dem Irankrieg Ende Februar waren es noch etwa sechs Prozent. Der Krieg treibt über die Energiepreise die Inflation und über die Anleiherenditen die Hypothekenzinsen. Die Folge: Verkäufe bestehender Häuser sanken im Juli um 1,7 Prozent.Renovierungen im großen Stil bleiben also aus. Lowe’s-Chef Marvin Ellison sagte im Sender CNBC, er gehe davon aus, dass Hausbesitzer für den Rest des Jahres sparsam mit ihrem Geld umgehen würden. „Die gute Nachricht ist, dass wir nicht beobachten, dass diese Kunden auf günstigere Produkte umsteigen“, so Ellison. Stattdessen würden sie abwarten.Walmart-Filiale in Kalifornien: Der Discounter profitiert von Verbrauchern, die ihr Geld zusammenhalten müssen. Foto: REUTERSKlar ist aber auch: Nicht alle Verbraucher spüren die hohen Preise gleich stark. Die Arbeitslosigkeit ist mit 4,1 Prozent historisch niedrig, die Aktienmärkte kletterten 2026 schon 25-mal auf ein Rekordhoch. Wer Wertpapiere oder ein Haus besitzt, sieht sein Vermögen also wachsen.Ökonomen sprechen von einer K-förmigen Entwicklung: Der eine Arm des Buchstabens weist nach oben, der andere nach unten. Auf die einkommensstärksten 20 Prozent der Amerikaner entfallen nach Schätzungen von Moody's-Chefökonom Mark Zandi inzwischen fast 60 Prozent aller Ausgaben. Allein ihre Ausgaben stiegen zuletzt stärker als die Inflationsrate, die der unteren 80 Prozent blieben darunter.Für den unteren Teil zeigt sich die Konsequenz steigender Preise bereits bei der monatlichen Kreditkartenabrechnung. Im zweiten Quartal dieses Jahres stiegen die Kartenschulden laut der Federal Reserve Bank of New York auf insgesamt 1,26 Billionen Dollar – und erreichten damit fast das Allzeithoch aus dem vierten Quartal vergangenen Jahres.„Es gibt wirklich viele Menschen, die gut zurechtkommen und Geld ausgeben, weil sie sich gut fühlen und in ihren Jobs sicher sind“, sagte Matt Schulz, Verbraucherfinanzanalyst beim Kreditvermittler Lendingtree, dem US-Sender CNN. „Aber dann gibt es eine Menge Leute, die wirklich kämpfen und wegen der hohen Preise und des schwierigen Arbeitsmarkts nervös sind.“Insbesondere der Anstieg der Autokreditschulden sei ein Warnsignal, sagte er. Diese erreichten im zweiten Quartal mit rund 1,7 Billionen Dollar einen Rekord. „Menschen hören im Allgemeinen erst auf, ihren Autokredit zu zahlen, wenn sie unter echtem finanziellem Druck stehen.“ Für viele Amerikaner sei ihr Auto schließlich das, was sie zur Arbeit bringe und ihren Alltag am Laufen halte, so Analyst Schulz.Für die Politiker der Demokraten ist der Schuldige klar: Die Zölle der US-Regierung wirkten wie eine Steuer, die der Verbraucher zahle – Kongressabgeordnete beziffern die Mehrbelastung auf durchschnittlich rund 2500 Dollar je Haushalt in diesem Jahr.„Bezahlbarkeit“ wird zum Wahlkampfthema„Während amerikanische Familien weiterhin mit hohen Kosten kämpfen, entscheidet sich der Präsident immer wieder, neue Zölle einzuführen“, sagte die demokratische Senatorin Maggie Hassan. Hinzu kommt der Energieschock: Seit dem Irankrieg sind die Benzinpreise laut der Energiebehörde EIA um fast 40 Prozent gestiegen – auf einen Landesdurchschnitt von zuletzt mehr als vier Dollar je Gallone (rund 3,8 Liter).Die hohen Preise werden für Trump in einer politisch heiklen Zeit zum Risiko, schließlich entscheiden die Amerikaner im November über die Kontrolle im Kongress. Das Thema „Bezahlbarkeit“ sei zur zentralen Frage geworden und gefährde die Aussichten der republikanischen Abgeordneten in den umkämpften Wahlkreisen, schreibt etwa der Politologe William Galston von der Denkfabrik Brookings.Das zeigte sich schon im vergangenen November, als das Thema den Demokraten mehrere Siege in Virginia, New Jersey und bei der Bürgermeisterwahl in New York verschaffte. „Die Zeit, in der die Trump-Regierung noch vor den Zwischenwahlen die Bedenken zur Erschwinglichkeit ausräumen kann, wird immer knapper“, sagte Galston.Die Verbraucherstimmung ist zuletzt wieder gekippt. Die Konsumlaune fiel laut der Universität Michigan im August auf 51 Punkte – ein Rückgang um zwölf Prozent zum Vorjahresmonat. Am stärksten trübte sich das Bild ausgerechnet bei den Republikanern ein – ihr Wert lag 19 Prozent unter dem Stand vor dem Irankrieg und damit so niedrig wie seit der Wahl 2024 nicht mehr.Zumindest ein Einzelhändler passte nicht ins allgemeine Bild in dieser Woche: Target. Der Nettoumsatz des Händlers stieg im zweiten Quartal um 5,3 Prozent – getragen von 3,6 Prozent mehr Kundenverkehr. Alle sechs Warengruppen wuchsen, Spielwaren und Unterhaltung sogar zweistellig.Target bleibt jedoch ein Sonderfall. Unter dem neuen Chef Michael Fiddelke erholt sich der Händler von einem schwachen Geschäftsjahr 2025. „Wir sind von den bisher erzielten Fortschritten ermutigt, sehen aber auch klar und deutlich, welche wichtige Arbeit noch vor uns liegt“, sagte Fiddelke.Auftritt im Januar in Iowa: US-Präsident Donald Trump verspricht niedrigere Preise. Foto: REUTERS Verwandte Themen Donald TrumpWalmartInflationDaneben profitiert das Unternehmen auch von Sondereffekten. Der Gewinnsprung von 935 Millionen auf 1,9 Milliarden Dollar ist auch von Zollrückerstattungen durch die Trump-Regierung getragen.Wie sich Zurückhaltung der Verbraucher anfühlt, lässt sich dieser Tage beim Einkauf fürs neue Schuljahr beobachten. Die Preise für Hefte, Stifte und Rucksäcke sind binnen Jahresfrist rund fünf Prozent gestiegen. Eltern kauften weniger, um nicht ins Minus zu rutschen, sagt Kiara Barrett vom Marktforscher Circana. Das Motto laute: „Ich muss die Sachen besorgen, aber ich werde mich an die Liste halten und nicht alles kaufen, was für den Einschulungstag angeboten wird.“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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