Unternehmensberater der Firma Deloitte prüfen seit Monaten die Finanzlage und Einsparpotentiale am Universitätsklinikum. Das medizinische Leistungszentrum, das neben der stationären Versorgung auch Forschung und Ausbildung vorantreibt, ist seit Jahren defizitär. Das Land Hessen als Eigentümer muss qua Gesetz Finanzlücken ausgleichen, will nun aber auch geklärt wissen, ob nicht doch mehr gespart werden kann. Die gründliche Prüfung ist dem Träger vier Millionen Euro wert.Bislang gibt es kein offizielles Zwischenergebnis. Doch laut einem Medienbericht sehen die Unternehmensprüfer vor allem im großen Verwaltungsbereich der Uniklinik Einsparungsmöglichkeiten. Insgesamt könnten bis zu 500 Stellen abgebaut werden. Der Ärztliche Direktor, Jürgen Graf, bestätigt, dass mittelfristig ein Stellenabbau an der Uniklinik unausweichlich sei. Über Zahlen wolle er nicht sprechen. Denn derzeit befinde man sich noch in Phase eins der Gespräche mit der Unternehmensberatung. Er erwartet erst im Oktober belastbare Ergebnisse, die dann den verantwortlichen Gremien zur Entscheidung vorgelegt werden könnten.„Im Wesentlichen ein Kosten-, kein Leistungsproblem“Die finanzielle Situation zu durchleuchten, sei eine Seite, die medizinische Leistungsfähigkeit und Qualität in Lehre und Forschung sicherzustellen, die andere. „Wir haben im Wesentlichen ein Kosten-, kein Leistungsproblem“, sagt Graf. Das Betriebsergebnis der Uniklinik habe im vergangenen Jahr im hohen zweistelligen Millionenbereich gelegen. Und neue gesetzliche Anpassungen wie das gerade verabschiedete Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge verschärften die Situation für alle Krankenhäuser: Weil die Vergütung der Gesundheitsleistungen gedrosselt würde, während die Kosten etwa durch Tarif- oder Energiepreiserhöhungen stärker stiegen.Am vergangenen Freitag hat der Aufsichtsrat des Universitätsklinikums erste interne Umstrukturierungen im Managementbereich angestoßen. Bislang standen Graf, Pflegedirektorin Birgit Roelfsema, Dekan Stefan Zeuzem und die kaufmännische Direktion gleichberechtigt nebeneinander – ohne gegenseitige Berichtspflicht. Im März war der kaufmännische Direktor der Uniklinik, Markus Jones, überraschend abberufen worden, auch seine Stellvertreterin Änne Günther, die daraufhin seine Aufgaben übernahm, ist – Stand heute – nicht mehr in der Uniklinik beschäftigt. Die Juristin Ricarda Wessinghage führt das Amt derzeit kommissarisch.Restrukturierung soll von Fachmann begleitet werdenIn der neu festgelegten Verwaltungsstruktur wird Grafs Rolle als Vorstandvorsitzender gestärkt. Er übernimmt die Verantwortung für Personal, IT und Infrastruktur. Das heißt, strategische Änderungen können nicht ohne seine Zustimmung realisiert werden. Auch Pflegedirektorin Roelfsema übernimmt mehr Aufgaben als zuvor, darunter Lager, Logistik und die Stationen. Die Organisation des klinischen Betriebs liegt damit nicht mehr wie bisher in einer separaten administrativen Abteilung, der kaufmännischen Direktion. Damit sei die Hoffnung verbunden, Prozesse zu beschleunigen und Verschwendung zu reduzieren, so Graf.Der künftige kaufmännische Direktor solle sich stärker als bisher um Konzern-Controlling, Einkauf und die Gesellschaften kümmern. „Das Uniklinikum macht mittlerweile einen Umsatz von fast einer Milliarde. Vor zehn Jahren war es noch halb so viel“, sagt Graf. Von den Veränderungen im Vorstand unberührt bleibt nur der Dekan der Universitätsmedizin, Stefan Zeuzem, der dort Forschung und Lehre vertritt.Drei Jahre werde die Sanierung voraussichtlich in Anspruch nehmen, sieht Graf voraus. In dieser Zeit soll ein noch einzustellender Restrukturierungsmanager die Veränderungen begleiten, kontrollieren und gegebenenfalls nachsteuern. „Wir werden die Führungsbreite und -tiefe reduzieren“, sieht Graf für die mittlere Entscheiderebene vor. Das seien erste notwendige Umstrukturierungen. Auch zwischen den mehr als 30 Kliniken und klinischen Instituten auf dem Gelände soll mittelfristig die Zusammenarbeit gestärkt werden, wobei Synergien gehoben werden sollen.„Das Ziel ist eigenständige Handlungsfähigkeit“, sagt Graf. Wenn Liquiditätsunterstützung nötig sei, dann nur in einem Maße, die der Eigentümer auch tragen könne. Zuletzt hat das Land Hessen als Träger 2025 im Nachtragshaushalt 200 Millionen Euro bewilligt, die vor allem genutzt werden mussten, um Kredite zu bedienen.
Uniklinik Frankfurt: Jürgen Graf plant Stellenabbau
Das Universitätsklinikum Frankfurt muss sparen. Der Aufsichtsrat hat nun erste Weichen gestellt. Patienten werden Veränderungen frühestens im nächsten Jahr spüren.






