Künstler gelten in Ostdeutschland als Systemlinge, denen nicht zu trauen ist. Waren die Ziele partizipativer Kunst zu ambitioniert?

„Es darf alles hinterfragt werden“ – aber man sollte im Gespräch bleiben

Stefan Boness

N eulich rief ein Freund an. Unsere Väter waren Kollegen an einer ostdeutschen Hochschule gewesen, beide Naturwissenschaftler. Jetzt rief er mich an, weil sein Vater, Professor im Ruhestand, einem organisierten Verbrechen auf der Spur war. Ja, ich hatte richtig gehört. Das heißt, nicht er selbst war auf der Spur, sondern Sonderermittler des Bundeskriminalamts. Sie hatten Kontakt zu ihm aufgenommen, weil sein Fachwissen hilfreich sein konnte.

Die Verbrecher, um die es ging, operierten europaweit und, wie oft in solchen Fällen, war es schwer, ihnen auf die Spur zu kommen. Sie hatten Verbindungen in staatliche Institutionen hinein, bekamen Hinweise aus Verwaltung, Justiz, Polizei. Die Sonderermittler operierten konspirativ und inzwischen auf eigene Faust. Unter dem Druck der Verbrecher nämlich, so der Vater des Freundes, waren vom Bundeskriminalamt alle Mittel gestrichen worden. Sie standen kurz davor, einen Mafiaring auszuheben, und jetzt war ihnen von einem korrupten Abteilungsleiter das Geld gestrichen worden.