PfadnavigationHomePolitikDeutschlandSachsen-AnhaltCDU-Politiker aus Stendal spendet 10.000 Euro an die AfD und hofft auf absolute MehrheitStand: 20:29 UhrLesedauer: 3 MinutenAfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit Plakaten: „Alles ist möglich“ – dachte sich auch ein CDU-Mitglied und spendete an die AfDQuelle: picture alliance/Chris Emil Janßen/Chris Emil JanssenEin CDU-Kommunalpolitiker aus Stendal hat 10.000 Euro für den Landtagswahlkampf gespendet – allerdings nicht an seine eigene Partei, sondern an die AfD. In einem Brandbrief hofft er auf den Sturz von Sven Schulze und Friedrich Merz.Diese Zuwendung könnte die CDU in Sachsen-Anhalt weiter in Bedrängnis bringen: Bernd Prange, CDU-Kommunalpolitiker aus Stendal, hat 10.000 Euro gespendet – und zwar an die AfD. Prange selbst machte die Spende in Höhe von je zweimal 5000 Euro am Mittwoch in einem Brandbrief an die CDU Sachsen-Anhalt publik. Das Schreiben liegt WELT vor.„Das war keine spontane Entscheidung und erst recht keine Leichtfertigkeit. Es war ein bewusster, nach reiflicher Überlegung gefasster Schritt aus tiefer Sorge um unser Land“, schreibt Prange. Er gehört seit 2004 dem Kreistag Stendal an – jenem Landkreis, aus dem auch AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund stammt. Zudem ist der CDU-Politiker Ortsbürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe.Auch die weiteren Zeilen sind politischer Sprengstoff: „Ich wünsche mir, dass die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt so stark wird, dass sie alleine regieren kann. Nicht aus Trotz, sondern damit die CDU endlich aufwacht. Damit die Brandmauer fällt. Damit sich die Partei gegen ihren Linkskurs wehrt. Und damit Friedrich Merz abgesetzt wird – als Symbol einer Führung, die den konservativen Kern der Union preisgibt.“Im weiteren Verlauf des Briefes begründet Prange seine Entscheidung mit einer Abkehr der CDU von konservativen Werten und einer Annäherung an linke Kräfte. Zugleich erlebe er, dass im Kreistag von Stendal eine Zusammenarbeit mit der AfD gut möglich sei. „Diese Zusammenarbeit beruht auf Gemeinsamkeiten und dem Willen zum Erhalt unserer Heimat – nicht auf ideologischer Feindschaft. Was das leugnet, leugnet die Realität vor Ort.“Und weiter: „Dieser offene Brief soll die Gesellschaft wachrütteln. Er soll vor allem die CDU wachrütteln. Es ist höchste Zeit, dass sich die Union von extrem linken Kräften und von all jenen trennt, die mit den Linken oder auch Grünen paktieren wollen – namentlich auch von Personen wie (CDU-Ministerpräsident, Anm.) Sven Schulze. Wer die Brandmauer zur AfD verteidigt, während er gleichzeitig nach links schielt, zerstört die CDU als bürgerliche Volkspartei.“Lesen Sie auchEr bleibe ein Konservativer, schließt Prange seinen Brief. „Die Wahl im September wird zeigen, ob die Partei noch lernfähig ist. Da Sven Schulze aber den Weg zur Einbindung linker Kräfte bereits eingeschlagen hat und davon auch nicht mehr abrücken möchte, werde ich am 6. September 2026 zur Landtagswahl selbst mein Kreuz bei der AfD machen und hoffe, dass es mit mir auch viele weitere Konservative machen werden, damit die AfD in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erringt und die CDU zur Erkenntnis gelangt, dass sie ihren Kurs ändern muss.“CDU-Generalsekretär spricht von ParteiausschlussIn der CDU in Sachsen-Anhalt reagieren sie mit Sorge auf den Brandbrief. „Wir nehmen die Berichterstattung um eine mögliche Spende eines CDU-Mitglieds aus dem CDU-Kreisverband Stendal sehr ernst. Sollte sich der Vorgang bewahrheiten, stellt dies für uns einen sehr schwerwiegenden parteirechtlichen Vorgang dar“, erklärte Generalsekretär Mario Karschunke auf WELT-Anfrage.Lesen Sie auchNiemand sei gezwungen, Mitglied der CDU zu bleiben, wenn er die Werte der Partei nicht mehr teile, so Karschunke. Er kündigte an, dass Prange in Absprache mit Stendals Kreisvorsitzendem ein Parteiausschluss bevorstehen könnte. „In Abstimmung mit dem CDU-Vorsitzenden des Kreisverbandes Stendal Chris Schulenburg MdL wird die Spende im nächsten Kreisvorstand, dem im Rahmen eines möglichen Parteiausschlussverfahrens zuständigen Gremiums, thematisiert.“, sagte der Generalsekretär der CDU Sachsen-Anhalt.Lesen Sie auchCDU-Spitzenkandidat Schulze hatte wiederholt erklärt, dass er eine politische Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt und sich auch nicht mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen wolle. Angesichts der Spende besonders brisant: Dass es Abweichler in den eigenen Reihen geben könnte, hatte Schulze erst vor weniger als zwei Wochen in einem Interview verneint.