PfadnavigationHomeRegionalesThüringenWaschbär mit Klößen: In Weimar kommt Wildes auf den TellerStand: 14:48 UhrLesedauer: 4 MinutenHaaßengier hat in dem Weimarer Gartenlokal Waschbär auch auf der Speisekarte.Quelle: Michael Reichel/dpaWaschbär mit Rotwein-Preiselbeersoße? In Weimar schafft ein Kochkurs für Jäger neue Geschmackserlebnisse - und zeigt, warum die Verwertung der invasiven Art nach der Jagd durchaus Sinn macht.Erst wird geschnippelt, dann geschmort - und am Ende probiert. Was im Gasthaus Lindeneck in Weimar an diesem Samstag auf den Tisch kommt, ist allerdings kein gewöhnlicher Braten: Waschbärkeulen. 15 Jägerinnen und Jäger aus Thüringen bereiteten bei einem Kochkurs im Gartenlokal Lindeneck in Weimar Keulen des Tieres mit Rotwein-Preiselbeersoße, Rotkohl und Klößen zu - ein exotischer Braten serviert mit denkbar vertrauten Beilagen.Bevor das Fleisch für rund anderthalb Stunden in den Ofen kam, wurde es von den Jägern gemeinsam mit Koch Steffen Haaßengier zerlegt. Und wie schmeckt der Waschbär? Für Haaßengier ist er eine zarte Delikatesse mit einer leichten Rind- und Wildnote. Für die Teilnehmer ist der Geschmack eine leckere Überraschung: «Es schmeckt super, das ist butterzart und hat eine ganz eigene Note», ist ein Jäger aus Jena begeistert. Für viele sei der erste Bissen zunächst eine Überwindung, nach dem Probieren werde das Fleisch aber meist als sehr schmackhaft gelobt, sagt Julia Bloch, Vorstandsmitglied beim Ökologischen Jagdverein (ÖJV) Thüringen.Vorbehalte abbauen und nachhaltig verwertenDer Verein veranstaltet die Kochkurse gemeinsam mit dem Gastronomen. Die angebotenen Plätze waren auch für diesen zweiten Kurs in diesem Jahr schnell ausgebucht. Das Interesse in der Jägerschaft sei groß, sagt Bloch. Neben der Neugier auf den Geschmack gehe es dabei auch um den Abbau von Vorbehalten und die nachhaltige Verwertung. Zu einer ökologisch ausgerichteten Jagd gehöre auch, das erlegte Tier sinnvoll zu nutzen. «Wenn ein Tier ohnehin entnommen werden muss, erscheint es uns sinnvoller, es zu verwerten als auf Fleisch zurückzugreifen, das eigens für den menschlichen Verzehr produziert wurde.»