Suizidversuche und knappe Lebensmittel: Missstände auf Flugzeugträger USS «Abraham Lincoln» lösen in den USA Besorgnis ausAls Folge des Iran-Kriegs ist die USS «Abraham Lincoln» seit einer Rekordzeit von 250 Tagen auf hoher See unterwegs. Nun schlagen Familienangehörige der Crew, aber auch Politiker in Washington Alarm.15.08.2026, 09.01 Uhr4 LeseminutenLanger Einsatz im Iran-Krieg: Ein amerikanischer Marinesoldat an Bord der USS «Abraham Lincoln» gibt grünes Licht für den Start eines Kampfjets.US Navy via ReutersSeit der amerikanische Flugzeugträger USS «Abraham Lincoln» im November 2025 in San Diego in Kalifornien in See gestochen ist, absolviert die Crew einen kräfteraubenden Dauereinsatz. Nur im Dezember ging das Schiff in Guam im Pazifischen Ozean für ein paar Tage an Land. Ursprünglich hätte es im Pazifik bleiben sollen, doch wurde es wegen des Iran-Kriegs in den Nahen Osten umgeleitet. Nun ist der Flugzeugträger seit rund 250 Tagen auf hoher See unterwegs. Damit hat das Schiff den bisherigen neuzeitlichen Einsatzrekord der USS «Dwight D. Eisenhower» gebrochen, die während der Pandemie 206 Tage lang auf hoher See gesegelt war.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Weder Seife noch ZahnpastaSeit Monaten gelangen Berichte an die Öffentlichkeit, wonach es um die Moral und um die Versorgung der Besatzung schlecht bestellt ist. Diese Meldungen nahmen in den letzten Tagen eine neue Dimension an, nachdem Angehörige der gut 5000 Besatzungsmitglieder bei Treffen mit hochrangigen Marinevertretern in San Diego Alarm geschlagen hatten.Auch in den Medien äusserten die Eltern und Ehepartner der Marinesoldaten Kritik. Nicole Conrads, deren Sohn auf der USS «Abraham Lincoln» dient, beschrieb die Zustände gegenüber dem Sender NBC: «Lebensmittel waren offensichtlich knapp. Er hat mir erzählt, dass er zeitweise nur eine halbe Tasse Reis und zwei Tortillas bekommen habe», sagte sie. Zudem gebe es Probleme mit den Duschen, der Wäscherei und den Toilettenanlagen, es fehle an Seife, Zahnpasta und Deodorants. Darüber hinaus kämpften die Seeleute mit langen Arbeitszeiten und einer immer längeren Einsatzdauer, sagte Conrads.«Ich weiss, es gibt Soldaten, die stolz sagen: Ich habe in einem Loch geschlafen und Nahrung aus der Büchse gegessen», erklärte der Navy-Veteran Brett Snow, dessen Sohn ebenfalls auf der USS «Abraham Lincoln» dient. «Aber niemand macht das ununterbrochen neun Monate lang.»Normalerweise gehen Flugzeugträger etwa einmal pro Monat an Land, damit frisches Wasser und Versorgungsgüter an Bord gebracht werden können und damit sich die Besatzung ein paar Tage an Land ausruhen kann. Laut dem Fachmagazin «Stars and Stripes» konnte die USS «Abraham Lincoln» Anfang Juli immerhin einen kurzen Stopp in Oman einlegen. Dies habe die Versorgung mit frischen Früchten und Gemüse ermöglicht, die mehrere Monate lang an Bord komplett gefehlt hätten. Ein Teil der Besatzungsmitglieder habe auch kurz an Land gehen können, doch sei es ihnen offenbar untersagt gewesen, den gesicherten Bereich im Hafen zu verlassen.Auch die Fachzeitschrift «Navy Times» griff die Zustände an Bord auf. Sie berichtete von mehreren Besatzungsmitgliedern, die in der Verzweiflung hätten Suizid begehen wollen und erst in letzter Minute daran gehindert worden seien, von Bord zu springen. Laut CNN konnte ein Soldat, der ins Wasser gesprungen war, wieder gerettet werden. Die Frau eines Marinesoldaten, der sich beinahe in den Tod gestürzt hätte, erklärte, ihr Mann sei vor dem Suizidversuch schon mehrfach der totalen Erschöpfung nahegestanden. Nun befürchte er, seine Karriere ruiniert zu haben und unehrenhaft entlassen zu werden.Demokraten verlangen AuskunftDie Navy wies alle Vorwürfe zurück. Gegenüber CBS News räumte ein Sprecher zwar ein, die USS «Abraham Lincoln» operiere in einem hochumkämpften Umfeld, was die Nachschubwege zeitweise behindert habe. Allerdings gebe es an Bord sauberes Wasser, funktionierende Klimaanlagen, ausreichend Verpflegung sowie Psychologen, Seelsorger und Ärzte. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte bereits frühere Berichte über Versorgungsprobleme als «Fake News» zurückgewiesen.Der Flugzeugträger USS «Abraham Lincoln» nimmt im Juli 2022 an einer internationalen Übung im Pazifischen Ozean teil.Aleksandr Freutel / ImagoDennoch nutzten die Demokraten in Washington die Klagen der Angehörigen, um scharfe Kritik an der Regierung und an Hegseth zu üben. Der kalifornische Kongressabgeordnete Mike Levin warf der Regierung vor, die Truppen unhaltbaren Bedingungen auszusetzen: «Verschimmelte Duschen, kaputte Toiletten, keine Wäsche während Wochen, Ewigkeiten ohne heisses Wasser!»Der demokratische Senator Richard Blumenthal forderte in einem Brief an Verteidigungsminister Hegseth detaillierte Auskünfte über die Zustände an Bord. Blumenthal, der im Verteidigungsausschuss sitzt, kritisierte auch, dass die Regierung nur unzureichend über die Ziele und die Dauer der Mission informiere, aber den Einsatz trotzdem mehrfach verlängert habe.Die atombetriebene USS «Abraham Lincoln» befindet sich derzeit im nördlichen Arabischen Meer. Die Präsenz des fast 333 Meter langen Schiffs vor der Küste ermöglicht es den USA, jederzeit Luftangriffe durchzuführen und den Krieg wieder eskalieren zu lassen. Der Flugzeugträger ist auch ein zentraler Bestandteil der Seeblockade, welche die USA gegen Iran verhängt haben.Ablösung in SichtInternational bekannt wurde die USS «Abraham Lincoln» 2003, als der damalige Präsident George W. Bush an Bord des Flugzeugträgers vor einem Banner mit der Aufschrift «Mission Accomplished» das Ende der grossen Kampfhandlungen im Irak verkündete. Manche Militärexperten argumentieren, die riesigen Flugzeugträger seien ein Relikt aus vergangenen Zeiten, da sie von Antischiffsraketen aus grosser Distanz getroffen werden könnten. Berichte der iranischen Revolutionswächter, sie hätten die USS «Abraham Lincoln» mit Raketen getroffen, wiesen die USA aber kategorisch zurück.Inzwischen zeichnet sich für die Crew offenbar ein Ende ihres langen Einsatzes ab. Wie CNN berichtete, ist der Flugzeugträger USS «George Washington» bereits auf dem Weg von Vietnam in den Nahen Osten, um die Crew der USS «Abraham Lincoln» abzulösen. Ein genauer Termin für die Ablösung und die Rückkehr der Besatzung in die USA ist allerdings noch nicht bekannt.Passend zum Artikel
250 Tage auf See: Suizidversuche und knappe Ressourcen auf US-Flugzeugträger
Als Folge des Iran-Kriegs ist die USS «Abraham Lincoln» seit einer Rekordzeit von 250 Tagen auf hoher See unterwegs. Nun schlagen Familienangehörige der Crew, aber auch Politiker in Washington Alarm.










