PfadnavigationHomeICONISTFitness & WellnessHautpflegeGezielt gegen Pigmentflecken – wann der Laser mehr kann als CremesVon Alexandra BrechlinStand: 14:26 UhrLesedauer: 6 MinutenEin ebenmäßiges Hautbild gilt heute als starkes Schönheitsmerkmal – da stören die Flecken natürlichQuelle: Getty Images/Curly_photoBraune Flecken im Gesicht sind nicht immer nur eine Frage des Alters. Hinter den Verfärbungen können sich Sonnenschäden, hormonell bedingtes Melasma oder Spuren von Entzündungen verbergen. Welche Behandlungen Dermatologen empfehlen.Der Sommer kann sich erstaunlich hartnäckig im Gesicht festsetzen. Während die Bräune nach ein paar Tagen verblasst, bleiben auf Wangen, Stirn oder Oberlippe oft braune Flecken zurück, die im Frühjahr noch kaum aufgefallen sind.Was zunächst wie ein rein kosmetisches Problem aussieht, kann jedoch sehr unterschiedliche Ursachen haben. Sonnenflecken, Melasma und dunkle Spuren nach einer Entzündung ähneln einander mitunter, reagieren aber nicht zwangsläufig auf dieselbe Behandlung. Bevor man zur aufhellenden Creme greift oder einen Lasertermin bucht, muss deshalb geklärt werden, um welche Art von Fleck es sich handelt.Ein brauner Fleck ist noch keine DiagnoseDer klassische Sonnen- oder Altersfleck ist meist klar begrenzt und dort zu finden, wo die Haut über Jahre besonders viel Sonne abbekommen hat – etwa im Gesicht, am Dekolleté oder auf den Händen. Er ist weniger die Folge eines einzelnen Strandtages als eine Art UV-Gedächtnis der Haut, erklärt Simone Vogel, Dermatologin und ärztliche Leiterin des Haut- und Lasercentrums Potsdam.Ein Melasma bildet dagegen eher eine Fläche. Es legt sich häufig wie ein Schatten über beide Wangen, die Stirn oder die Oberlippe und tritt oft symmetrisch auf. Neben der Sonne können auch hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen. Die sogenannte postinflammatorische Hyperpigmentierung, kurz PIH, hat hingegen einen ganz anderen Ursprung. Sie entsteht als Reaktion auf eine Entzündung oder Verletzung der Haut, zum Beispiel nach einem Pickel, einem Ekzem oder einer zu aggressiven kosmetischen Behandlung.Vogel warnt vor Behandlungen nach Schema F: „Ein Verfahren, das bei einem klassischen Sonnenfleck hervorragend funktioniert, kann bei einem Melasma oder einer PIH im ungünstigsten Fall sogar zu einer Verschlechterung führen.“ Wer eine Verfärbung gezielt aufhellen oder lasern lassen möchte, sollte deshalb zuvor dermatologisch abklären lassen, um welche Art von Fleck es sich handelt.Was Cremes können und was nichtViele greifen bei einem braunen Fleck trotzdem erst einmal zu einer aufhellenden Creme. Das muss nicht falsch sein. „Sie können bei Pigmentstörungen sehr viel erreichen – insbesondere, wenn man sie konsequent und über einen längeren Zeitraum anwendet“, sagt Vogel über Cremes und Peelings. Das gilt vor allem für ein Melasma oder dunkle Spuren nach Pickeln und anderen Entzündungen.Lesen Sie auchAls geeignete Wirkstoffe nennt Vogel Retinoide wie Retinol, Azelainsäure und Fruchtsäuren. Retinol kennen viele bereits aus Anti-Aging-Produkten. Der mit Vitamin A verwandte Wirkstoff kurbelt die Erneuerung der Haut an und kann so nach und nach für einen gleichmäßigeren Teint sorgen. Azelainsäure findet sich häufig in Produkten gegen unreine oder zu Rötungen neigende Haut. Sie kann zugleich die Bildung von Melanin bremsen – also jenes Farbstoffs, der die dunklen Stellen entstehen lässt. Fruchtsäurepeelings lösen wiederum abgestorbene Zellen von der Hautoberfläche und können oberflächliche Verfärbungen allmählich blasser werden lassen.Lesen Sie auchKeine dieser Substanzen arbeitet allerdings in dem Tempo, das die Versprechen auf der Verpackung gern nahelegen. Sichtbare Veränderungen zeigen sich eher nach Wochen oder Monaten als nach wenigen Anwendungen. Wer bis dahin wenig erkennt, gerät leicht in Versuchung, Retinol, Fruchtsäurepeeling und aufhellendes Serum übereinanderzuschichten. Genau davor warnt Vogel. „Mehr ist hier definitiv nicht automatisch besser“, erklärt sie. Sobald die Haut brennt oder schuppt, ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Pflegeroutine zu aggressiv ist. Im schlimmsten Fall kann die Reizung sogar neue dunkle Stellen begünstigen.Bei einem klassischen Sonnenfleck stößt ohnehin selbst die konsequenteste Hautpflegeroutine an ihre Grenzen. Hier hat sich das Pigment über Jahre an einer klar begrenzten Stelle angesammelt. Cremes und Peelings können ihn zwar etwas aufhellen, meist aber nicht vollständig beseitigen.Wann der Laser mehr kann als eine Creme„Bei einem klassischen, klar begrenzten Sonnenfleck sind pigmentselektive Laser meine erste Wahl, weil sie das Melanin sehr gezielt ansprechen können“, sagt Vogel. Vereinfacht gesagt richtet sich die Laserenergie genau auf das dunkle Pigment. Dieses wird in kleinere Teilchen zerlegt und anschließend vom Körper abgebaut. Bei einem einzelnen Sonnenfleck könne bereits eine Behandlung einen deutlichen Effekt erzielen, so Vogel. Bei mehreren Flecken oder einer stärker sonnengeschädigten Haut seien dagegen häufig mehrere Termine nötig.Auch IPL, eine Behandlung mit breitbandigem Licht, kann Sonnenflecken aufhellen. Laut Vogel eignet sich das Verfahren vor allem für größere Flächen, auf denen neben braunen Flecken auch Rötungen sichtbar sind. Statt einen einzelnen Fleck möglichst präzise zu treffen, kann IPL mehrere Spuren der Sonne gleichzeitig behandeln. Wie teuer eine Behandlung ist, hängt von der Methode, der Praxis und der Größe der behandelten Fläche ab. Für einen einzelnen Fleck liegen die Preise meist zwischen etwa 60 und 150 Euro pro Sitzung. Bei größeren Arealen oder dem gesamten Gesicht werden häufig rund 170 bis 300 Euro fällig.Lesen Sie auchWer statt eines klassischen Sonnenflecks ein Melasma behandeln lassen möchte, sollte bei Laser und IPL ohnehin deutlich vorsichtiger sein. „Melasma ist keine Erkrankung nach dem Motto: Wir machen einmal den Laser und dann ist der Fleck weg“, sagt Vogel. Die Wärme und der Reiz von Laser oder IPL können die Pigmentbildung zusätzlich ankurbeln und dafür sorgen, dass die Flecken anschließend noch dunkler erscheinen. Vogel rät deshalb dazu, zunächst bei Cremes und konsequentem Lichtschutz zu bleiben. Erst wenn beides nicht ausreichend hilft, können ausgewählte Laser- oder IPL-Behandlungen infrage kommen – dann allerdings deutlich vorsichtiger als bei einem Sonnenfleck.Bei der postinflammatorischen Hyperpigmentierung gilt noch einmal eine andere Reihenfolge: erst die Entzündung, dann der Fleck. Solange Akne oder ein Ekzem aktiv sind, muss zunächst die Ursache behandelt werden. Danach können die bereits genannten Cremes helfen. In einzelnen Fällen lässt sich die Aufhellung zusätzlich mit einem vorsichtig eingesetzten Laser unterstützen.Nicht jede Haut reagiert gleichWie vorsichtig gelasert werden muss, hängt allerdings nicht nur von der Art des Flecks ab, sondern auch vom Hautton. Je dunkler die Haut ist, desto mehr Melanin befindet sich auch rund um die behandelte Stelle. Der Laser kann dann nicht nur den Fleck treffen, sondern auch die umliegende Haut reizen – und dadurch neue dunkle Stellen entstehen lassen.Das bedeutet nicht, dass Menschen mit dunklerer Haut grundsätzlich auf Laserbehandlungen verzichten müssen. Gerät und Einstellungen müssen jedoch zum Hautton passen. „Ich würde niemals einfach mit möglichst hoher Energie arbeiten, nur weil man dadurch vielleicht einen stärkeren Soforteffekt bekommt“, sagt Vogel. „Bei Pigment ist kontrolliert oft besser als maximal.“Sonnenschutz ist keine Fußnote„Der Laser macht einen Teil der Arbeit, aber das Verhalten davor und danach entscheidet mit darüber, wie gut das Ergebnis wird“, sagt Vogel. Wer Geld und Geduld in eine Pigmentbehandlung investiert, sollte Sonnenschutz deshalb nicht nur mit Strand und Urlaub verbinden. Lichtschutzfaktor 50+ gehört auch an bewölkten Tagen zur täglichen Routine.Cremes, Peelings und Laser können zwar den sichtbaren Fleck entfernen, nicht aber die Lichtschäden, die sich über Jahre in der Haut angesammelt haben. Ohne Schutz können neue Verfärbungen entstehen. Wie lange der Effekt hält, entscheidet sich daher nicht nur in der Praxis, sondern auch jeden Morgen vor dem Badezimmerspiegel.